Gerne im Doppelpack unterwegs: Der Heilige Nikolaus und der Knecht Ruprecht. Heribert Reiter (links) aus Scheyern besucht schon sehr lange die Kinder, um sie zu beschenken und zu motivieren.
Gerne im Doppelpack unterwegs: Der Heilige Nikolaus und der Knecht Ruprecht. Heribert Reiter (links) aus Scheyern besucht schon sehr lange die Kinder, um sie zu beschenken und zu motivieren. Sein Knecht Ruprecht ist ebenfalls immer ein freundlicher Geselle.
Ermert
Pfaffenhofen

Zum Beispiel verteilt er die Geschenke aus seinem Sack an die Kinder. Nur ganz selten zeigt er die Rute. "Als Kind hab ich den Knecht Ruprecht ganz anders kennengelernt, da ist eine wilde, kettenrasselnde Horde durchs Dorf gezogen, die Angst und Schrecken verbreitet hat, manche Kinder haben vor Schreck in die Hose gemacht, so schlimm war das damals und man sprach vom "Krampus", der die bösen Kinder mitnimmt", erinnert sich Reiter.

Als er dann 1950 zu den Benediktinern nach Eichstätt in die Schule kam, wurde ihm die Gestalt des Knecht Ruprecht ganz anders vermittelt. Dort verbreitete er keine Angst, sondern er zeigte sich von seiner schönen, farbigen und braven Seite, der aber doch immer auch mit dem Bösen zu kämpfen hatte und dann mit der Rute drohte. Meist war der Krampus der hilfreiche, beschützende Begleiter für den Heiligen Nikolaus: "Das hat mein Bild vom Krampus geprägt und deshalb gehe ich heute auch nur zusammen mit dem Knecht Ruprecht zu den Kindern".

Als der Heilige Nikolaus alias Heribert Reiter einmal einen kleinen Jungen fragte, ob er den Knecht Ruprecht kenne, bekam er zur Antwort: "I woass scho, des is dei Bodyguard". Mit seinem schwarzen Gesicht schüchtere Knecht Ruprecht sowieso schon die Kinder ein, aber Angst und Schrecken soll er nicht verbreiten: "Das wollen wir auf gar keinen Fall", sagt Reiter.

Für die kleinen Vergehen der Kinder gibt es ein System: Reiter bekommt schon vorab von den Eltern die kleinen Sünden der Kindermitgeteilt, darin ist genau vermerkt, für was sie gelobt oder geschimpft werden sollen- "Aber wenn zu viel Negatives aufgelistet ist, dann sag ich schon, der Nikolaus und der Knecht Ruprecht können nicht alles ausbügeln". Schließlich hätten die Eltern die Kinder das ganze Jahr über und wenn sie es da nicht schafften, "dann ist der Nikolaus dafür nicht verantwortlich". Reiter will nicht, dass die Kinder über den Nikolaus sagen, der habe ja nur geschimpft.

Für den Heiligen Nikolaus ist es das Schönste zu sehen, wie die Kinder sich über seinen Besuch freuen, wie sie ihn anschauen in seinem Bischofsgewand mit Bischofsmütze, dem Hirtenstab und dem goldenen Buch unterm Arm. "So richtig glücklich, vertrauensvoll, unschuldig und unbeschwert und wenn dann ein Kind sagt: Wie schön, dass du da bist, dann geht einem schon das Herz auf", sagt Reiter. Ein schönes Erlebnis sei es auch gewesen, als der kleine Simon zu ihm sagte: "Du bist wirklich da echte Nikolaus, heit im Kindergarten war oana do, der hot sein Bart mit an Gummibandl hinterm Ohr festgmacht ghabt, des war koa Echter." Reiter kommt mit seinem echten Bart zu den Kindern.

In viele Kindergärten kommt heute kein Knecht Ruprecht mehr. Reiter sei von Kindergärtnerinnen schon gefragt worden, ob das mit dem Krampus überhaupt was für die Kinder sei. Reiter weiß, dass sein Krampus immer sehr gut bei den Kindern ankommt. "Unser Krampus schaut gut aus, mit seinem Pelzmantel strahlt er auch eine gewisse Würde aus, uns beide gibt es eben nur zusammen", bekräftigt Reiter.

Der Scheyrer Nikolaus hatte schon immer sehr nette Krampusse dabei. Da fallen Reiter gleich einige Anekdoten ein: Als er einmal mit seinem Krampus in einem Bauernhof einkehrte, so Reiter, wollte der Bauer den Krampus gleich mit seiner Tochter verbandeln. Leider war die Tochter aber nicht zuhause, und so wurde nichts draus. Auch die große Schwester eines bescherten Kindes hätte vom Nikolaus gerne die Adresse des Krampus gehabt, aber zum Kuppler wollte der Nikolaus dann doch nicht werden.

Bis zu 70 Besuche hat Reiter zu seinen "besten Zeiten" während der Nikolauszeit durchgeführt: "Das geht schon an die Substanz", sagt er. Jetzt nimmt er auch keine Neuanmeldungen mehr an, sondern konzentriert sich nur noch auf seine Bestandskunden, das sind etwa 20 bis 25 Familien, zwei Schulen, zwei Kindergärten und der Gesangsverein, wo er Mitglied ist. Dabei passiert es auch mal, dass er in eine Familie kommt, wo er die Mutter schon als Kind besucht hat, oder er trifft im Kindergarten eine Praktikantin, die ihn schon aus ihrer Kindheit kennt.

Und das alles macht der Nikolaus Reiter für einen guten Zweck: "Es hat sich im Laufe der Jahrzehnte viel angesammelt, etwa 110 000 Euro gingen für ein von mir und meiner Frau Karin unterstütztes Schulobjekt nach Juarez, einer Grenzstadt in Texas". Reiter war als Luftwaffenoffizier in Texas stationiert, seine Frau begleitete ihn. Die beiden haben das Elend der Flüchtlinge an der mexikanischen Grenze miterlebt, berichtet Reiter. Sie sahen die bettelnden Kinder und haben dann 1983 damit angefangen, dort eine Schule aufzubauen, um zumindest einem kleinen Teil der Kinder eine Schulausbildung zu ermöglichen. Und haben das nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit den Spenden für die Nikolausbesuche weitergeführt.

Für dieses hohe soziale Engagement bekam Karin Reiter im August dieses Jahres vom Gouverneur von Texas in Pfaffenhofen die "Yellow Rose of Texas" überreicht und ihr Mann Heribert wurde zum "Ehrenadmiral der texanischen Marine" ernannt.

Über das Leben des historischen Nikolaus gibt es nur wenig belegte Tatsachen. Er soll im vierten Jahrhundert in Myra, heute Demre, in der türkischen Provinz Antalya gelebt haben und ein großes Herz für die Armen und Kinder gehabt haben. Ganz genau so wie der Heilige Nikolaus aus Scheyern.