Pfaffenhofen: Orientierungslosigkeit ade
Ein touristisches Hinweisschild an der A 9 schwebt der neu gegründeten Gäste- und Tourismusinitiative für Pfaffenhofen vor. Es wäre aber neben Wegweisern und Gästebroschüren nur ein Baustein von vielen. Das Ziel: Gäste und Fremde, egal woher, sollen sich in der Stadt besser zurechtfinden können. Dieses Schild ist übrigens kein offizieller Entwurf, sondern eine PK-Fotomontage. Montage: Kraus
Pfaffenhofen
Die im Dezember als Arbeitskreis der Interessengemeinschaft Lebendige Innenstadt (Igli) gegründete Gäste- und Tourismusinitiative versteht sich als Ideengeber. Mitglieder stammen auch aus Politik, Wirtschaftsförderung und Gastwirtschaft, etwa die Pfaffenhofener Hoteliers Bernd Weinhardt und Sven Tweer sowie der Straßhofer Pensionsbetreiber Stefan Leopold. Ihr Ziel ist „Gästebewusstsein“ in Pfaffenhofen zu wecken. „Wir wollen zuallererst ein schlüssiges Konzept vorstellen“, erläutert Initiativensprecher Fabian Stahl, seines Zeichens auch Igli-Vorsitzender: „Es geht um die Grundlagen für Besucher.“

Im Sinn hat die neue Initiative dabei unter anderem mehr Schilder gegen die Orientierungslosigkeit von Gästen und Nichtortskundigen: „Als Auswärtiger finde ich mich in Pfaffenhofen einfach nicht zurecht, weil die Beschilderung fehlt“, erklärt Stahl das Grundproblem, das er anpacken will.

„Das Ziel ist nicht, Pfaffenhofen zu einer Touristenattraktion zu machen“, erklärt Wirtschaftsreferent Markus Käser (SPD), der als Vertreter der Kommunalpolitik der Initiative angehört, deren Beweggründe. Stattdessen wolle man Service und Infrastruktur für Gäste schaffen. Es fehle ja schon an Wegweisern zwischen Autobahnabfahrt oder Bahnhof und Innenstadt.

Und ein Gast, so Käser, müsse ja noch lange kein Tourist sein. Das könne auch ein Wolnzacher oder Jetzendorfer sein, der in Pfaffenhofen einkaufen will. Auch für Ausflügler aus der unmittelbaren Umgebung sei es hilfreich, wenn etwa Restaurants oder öffentliche Einrichtungen besser ausgewiesen werden.

Die teils schon ausgearbeiteten Vorschläge der Gäste- und Tourismusinitiative sind deshalb von grundlegender Natur, etwa eine Hotelroute von und zur Autobahn, eine grafische Innenstadtkarte oder Wegweiser für Fußgänger, die die Grundbedürfnisse abdecken: vom Toilettengang über die Post und Cafés bis hin zu den kleinen Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Im Stadtrat, wo über derartige Maßnahmen und Einzelprojekte entschieden wird, will die Gästeinitiative die Bausteine heuer vorstellen – samt Vorüberlegungen zu Finanzierung und Zuständigkeit. „Das ist keine Wünsch-ich-mir-Liste“, betont Stahl. „Wir haben sehr konkrete Ideen, hinter denen schon Leute stehen, die sich darum kümmern.“ Auch wie sich die profitierenden Unternehmen in die Finanzierung einbringen könnten, würde vorab schon diskutiert. Bisher habe man von der Kommune aber tendenziell positive Signale bekommen.

Im Gespräch ist auch ein touristisches Hinweisschild an der A 9, behördlich auch „Unterrichtungstafel“ und im Volksmund „Braunes Schild“ genannt. Es soll etwa fünf Kilometer vor der Ausfahrt auf Pfaffenhofen als „lebenswerteste Stadt der Welt“ aufmerksam machen. Das sei das „Alleinstellungsmerkmal“ sagt dazu Käser. Die Gästeinitiative will im Vorfeld die Rahmenbedingungen bei der Autobahndirektion erfragen, bevor die Vorschläge in den Stadtrat gehen.

Andere Bausteine des Konzepts sind etwa eine Gästebroschüre mit Stadtinformationen. Die soll mitsamt anderen Informationen zu Stadt, Übernachtungen, Hallertau und Bayern für Gäste auch außerhalb der Behördenöffnungszeiten zu haben sein – und zwar an Infopunkten, die den Hotelrezeptionen angegliedert sind. „Das wäre quasi eine Verfügbarkeit rund um die Uhr“, wirbt Igli-Chef Stahl.

„Das sind alles notwendige Maßnahmen, die wir realistisch und schnell umsetzen können“, unterstreicht Käser den Vorschlagskatalog. Es gehe der Initiative schließlich darum, für Gäste das Grundlegendste zu schaffen, das in Pfaffenhofen derzeit noch fehle. Man dürfe „den Gaul nicht von hinten aufzäumen“, so Käser, der von voreiligen Tourismusprojekten und -kooperationen warnt. „Wir wollen uns ja nicht zur Tourismushochburg aufspielen“, betont der Wirtschaftsreferent, der den Eindruck einer Pfaffenhofener Überheblichkeit vermeiden will.

Es gehe vielmehr darum, die gute Lage touristisch zu nutzen. Die Initiative arbeite etwa an einer „Bayernentdeckerkarte“. Um Pfaffenhofen als Zentrum und Ausgangspunkt sollen die bayerischen Sehenswürdigkeiten – von Schlössern bis hin zu Erlebnisparks – im Umkreis von etwa anderthalb Autostunden verzeichnet sein. „Wir glauben, dass wir die ideale Basisstation für Leute sind, die von hier aus Bayern entdecken wollen“, sagt Käser. Mit der zentralen Lage nah an Attraktionen Gäste anzulocken sei viel realistischer, als die Stadt Pfaffenhofen an sich vermarkten zu wollen. „Pfaffenhofen ist keine Touristenstadt“, ergänzt Stahl. „Dazu haben wir keine Sehenswürdigkeiten in ausreichender Zahl.“