Pfaffenhofen: Der Landkreis boomt
Der Wirtschaft im Landkreis Pfaffenhofen geht es gut. Hier zum Beispiel ein Mitarbeiter der Firma Trob in Rohrbach, die Präzisionsbauteile herstellt. - Fotos: Brenner, Herbert
Pfaffenhofen

Vergleichbar sind die Zahlen seit 2005, in dem Jahr wurden die Hartz-Gesetze eingeführt. Besonders auf die Arbeitslosenquote ist Kundinger (kleines Foto) stolz. "Ein Einserschnitt - das ist schon etwas Besonderes", sagt er. Mit 1,9 Prozent verbesserte sich der Kreis um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Sogar verglichen mit der insgesamt prosperierenden Region 10, zu der Ingolstadt, die Landkreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen sowie Pfaffenhofen gehören, schneidet der Landkreis noch besser ab, denn die Region verpasste mit 2,1 Prozent den Einserschnitt. Bayernweit liegt die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent, deutschlandweit bei 6,4 Prozent.

Die niedrigen Zahlen im Landkreis führt Kundinger nicht auf den milden Winter zurück: "Das spielt bei uns keine große Rolle mehr", sagt er. "Das Kurzarbeitergeld hilft den Betrieben, über den Winter zu kommen." Das gute Ergebnis führt der Arbeitsagentur-Sprecher dagegen auf "die Zugkraft des Gewerbes" zurück. Die Lebensmittel- und Logistikbranche wachse zum Beispiel. Da hier auch Geringqualifizierte Arbeit finden, erklärt das laut Kundinger auch die niedrigen Zahlen für die Arbeitslosengeld-II-Bezieher - gemeinhin als Hartz IV bekannt. Im vergangenen Jahr bezogen 405 Personen die Sozialhilfe, 2014 waren es 526 Personen.

Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Beschäftigtenzahlen: Diese stiegen in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich. Etwa 36 900 Menschen hatten 2015 einen Job. "Erstaunlich ist, dass der Wert seit 2006 um knapp 10 000 Personen angestiegen ist", sagt Kundinger.

Immer noch arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen: So haben etwa 21 300 Männer eine Beschäftigung, jedoch nur ungefähr 15 606 Frauen. Bereits 2008 waren diese Werte vergleichbar: Damals arbeiteten knapp 12 500 Frauen und 16700 Männer - insgesamt waren rund 30 000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Probleme sieht Kundinger im Landkreis vor allem beim Metall- und Elektrogewerbe, in der Pflege sowie im Einzelhandel. In diesen Bereichen werde es zunehmend schwer, Fachkräfte zu finden. Offene Stellen gab es 2015 rund 2700, das sind knapp 600 mehr als im Vorjahr. Die Zukunft des Landkreises sieht Kundinger überwiegend rosig. "Der Arbeitsmarkt wird sich 2016 robust und gut halten." Allerdings: Für die Arbeitslosenzahlen prognostiziert er eine "moderate" Steigerung. Hintergrund sind die Flüchtlinge, die in den Landkreis kommen. Sobald jemand einen anerkannten Asylstatus hat, könne er sich bei der Arbeitsagentur melden und prinzipiell Hartz IV beziehen. Das haben bis Ende Dezember nur 52 Personen aus den "15 zugangsstärksten Herkunftsländern" getan, so Kundinger. "Das wird allerdings noch mehr werden, wenn mehr Menschen den Status haben." Vermittelt hat die Agentur nur "sehr wenige" Asylbewerber. Auch dafür hat er eine Erklärung: "Das Problem ist, sie müssen erst Deutsch sprechen, bevor wir sie vermitteln können." Es gebe einfach nicht so viele Angebote für sogenannte niederschwellige Tätigkeiten. "Ein Großteil wird nicht sofort in den Arbeitsmarkt finden."

Diese Erfahrung habe bereits das Handwerk gemacht. "Die Branche war im Sommer vergangenes Jahr noch euphorisch", sagt Kundinger. Doch schnell sei klar gewesen, dass das duale System der Ausbildung ohne Deutschkenntnisse nicht durchführbar sei. Selbst wenn die Betriebe auf Englisch mit den Flüchtlingen kommunizierten, helfe das in der Berufsschule wenig. "Die Abbruchquote war in der Folge beachtlich."

Dennoch hofft Kundinger auf die jüngeren Asylbewerber, die an den Berufsintegrationskursen teilnehmen. "Im Anschluss können wir sie gut vermitteln", sagt Kundinger. Etwa könne man dann die Ausbildung mit Sprachkursen kombinieren. "So können wir sie Schritt für Schritt in den Arbeitsmarkt integrieren."