Schweinestall
„Nicht die Größe eines Stalles ist entscheidend“: Der Bauernverband wehrt sich gegen Vorwürfe, Tierhalter würden vorbeugend Antibiotika einsetzen.
Frank May (dpa)
Pfaffenhofen

Es fängt schon beim Begriff an. Massentierhaltung - das hören die Vertreter des Bayerischen Bauernverbands (BBV) gar nicht gerne. Das wurde bei einem Gespräch deutlich, zu dem Manfred König, der BBV-Kreisobmann für den Landkreis Pfaffenhofen, sein Stellvertreter Siegfried Ederer sowie Geschäftsführerin Erika Meyer eingeladen haben.

"Nicht die Größe ist entscheidend", erklärt bei dem Treffen Anja Rostalski (Bild), die beim vom Tiergesundheitsdienst Bayern die Fachabteilung Schweinegesundheit leitet. Die praktizierende Tierärztin kennt sich aus beim Thema Keime und Krankheiten in deutschen Ställen. "Man kann auch wenige Tiere schlecht halten", sagt sie. Es komme darauf an, wie sehr ein Betrieb auf Hygiene und Belüftung achte und wie viel Platz den Tieren im Laufstall zugestanden werde. Das kann Geschäftsführerin Meyer bestätigen: "Als ich früher die Sau bei meinen Großeltern besucht habe, war das der einzige Zeitpunkt, an dem sie Tageslicht gesehen hat", so Meyer. Doch selbst wenn die Haltung optimal ist, heißt das nicht, dass die Tiere gesund bleiben. "Letztlich werden immer Krankheiten auftreten, denn die können wie beim Menschen auch zum Beispiel über die Luft übertragen werden."

Dagegen helfe dann oft - bei Tier und beim Menschen - Antibiotika. In der Tiermedizin gebe es klare Regeln zur Abgabe: "Die Mittel dürfen nur gegeben werden, wenn die Tiere krank sind." Und daran halte sich die Mehrheit der Bauern, "natürlich gibt es auch bei uns schwarze Schafe".

Das Problem ist generell: Je mehr Antibiotika im Umlauf, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch Resistenzen gegen die Mittel bilden, die dann unwirksam werden.

Deshalb gibt es auch strenge Kontrollen bei Nutztierhaltern. "Es gibt stichpunktartige unangekündigte Kontrollen durch das Veterinäramt", so Rostalski. Dazu kommen Kontrollen am Fleisch, die bei Auffälligkeiten wieder zu Kontrollen führen. Seit 2014 seien Landwirte außerdem verantwortlich, ihren Antibiotika-Verbrauch zu dokumentieren. Übersteigt er einen bestimmten Wert, leite das Veterinäramt Maßnahmen ein, so Rostalski.

Die Behauptung, in der Tierhaltung werde generell vorbeugend Antibiotika gegeben, sei deshalb falsch. Genau das hatte vor Kurzem Angelika Demmerschmidt vorgetragen. Sie ist Referentin für Kommunikation und Medien des ÖDP-Europaabgeordneten Klaus Buchner, und trat im Herbst als Referentin bei einem Diskussionsabend auf Einladung des ÖDP-Kreisverbands und des Bund Naturschutz auf. Antibiotika würde an gesunde Tiere gegeben, sagte sie. "Damit werden Landwirte kriminalisiert", findet BBV-Geschäftsführerin Meyer. "Und nicht nur die, auch die Tierärzte, denen man damit unterstellt, mit den Landwirten gemeinsame Sache zu machen", sagt Rostalski. Fakt sei, dass sich die Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin zwischen 2015 und 2011 mehr als halbiert habe.

"Laut Weltgesundheitsorganisation kommen außerdem rund 97 Prozent der resistenten Keime aus der Humanmedizin", sagt Rostalski, nur der Rest sei aus der Tierhaltung. "Es ist schon so, dass ein Tierhalter eher mit Keimen belastet ist als ein Normalbürger", so die Fachfrau, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er durch resistente Keime auch krank werde, sei verschwindend gering. "Generell sind resistente Keime kein neues Phänomen moderner Tierhaltung", sagt sie. "Es gibt sie schon seit Jahrtausenden, sie gehören zum Wechselspiel der Natur." Gefährlich seien multiresistente Keime eigentlich nur für immunschwache Menschen. "Wenn es tatsächlich zu Todesfällen kommt, dann sterben diese Menschen in Krankenhäusern" - beispielsweise weil andere Patienten sie ansteckten oder wegen Hygienemängel.

Immer wieder fällt in der Debatte um Keime auch das Stichwort Reserveantibiotika. "Das sind Wirkstoffgruppen, die man nur sehr selten einsetzt, sie haben zum Teil auch schwere Nebenwirkungen", erklärt Rostalski. Die werden auch in der Tierhaltung eingesetzt "und zwar schon seit Jahren, ohne dass Resistenzen gebildet wurden", so Rostalski. Ohnehin gebe es nur eine sehr kleine Schnittmenge mit der Humanmedizin. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Einsätzen von Reserveantibiotika in der Tiermedizin Resistenzen gebildet werden und das Mittel für den Menschen unwirksam wird, "ist gleich Null".