Pfaffenhofen: Bald steht in Rohrbach der vierte Rettungswagen - für den Landkreissüden brignt das wenig
Rettungswagen sollten im Notfall in spätestens zwölf Minuten vor Ort sein. Für den Bereich südlich von Pfaffenhofen ist das manchmal schwierig.
Foto: Hauser
Pfaffenhofen

Es war gegen halb vier am Nachmittag, als Hans Finkbeiners Tochter übel wurde und sie plötzlich begann, Blut zu spucken. „Ich habe sofort den Krankenwagen gerufen“, sagt der Pfaffenhofener. Als dieser nach zehn Minuten immer noch nicht da war, rief Finkbeiner ein weiteres Mal an. Erst nach 25 Minuten sei ein Wagen aus Allershausen gekommen und habe seine seine Tochter in die gerade einmal knapp zwei Kilometer entfernte Ilmtalklinik gebracht. Gerade noch rechtzeitig. „Wäre sie wenige Minuten später ins Krankenhaus gekommen, wäre sie gestorben“, sagt Finkbeiner.


Gute acht Monate ist es jetzt her, da stand es fest, dass der Landkreis einen zusätzlichen Rettungswagen bekommt. Neben Standorten in Geisenfeld, Reichertshofen und Pfaffenhofen soll der Vierte, trotz Kritik des Pfaffenhofener Bürgermeisters Thomas Herker (SPD), in Rohrbach stationiert werden. „Aus der Praxis heraus halten wir die Stationierung in Rohrbach immer noch nicht für die ideale Lösung“, sagte Herker im September 2016. Denn: Im Süden des Landkreises werde sich an der schlechten Abdeckung grundsätzlich nichts ändern. Wie sehr der Raum Pfaffenhofen einen weiteren Rettungswagen benötigt, zeigt sich nun in dem Fall von Hans Finkbeiners Tochter.


Auf Rückfrage bei der Leitdienststelle Ingolstadt bestätigt deren Leiter Roland Heß die Verspätung. So sei unglücklicherweise der in Pfaffenhofen stationierte Rettungswagen sieben Minuten vorher zu einer anderen verletzten Person geschickt worden. Der nächste Wagen für Pfaffenhofen war der in Allershausen. Für diesen Standort ist allerdings die Leitstelle in Erding zuständig. „Die Summe aus Notrufannahme in Ingolstadt, Weiterleitung an Erding, Alarmier- und Ausrückzeit des Rettungswagen und Anfahrtszeit schlug dann mit 25 Minuten zu Buche“, teilt Heß mit.


Ab dem 1. Juli steht der vierte Rettungswagen des Landkreises in Rohrbach tagsüber zur Verfügung. Damit werde das Problem etwas entschärft. „Allerdings werden sich längere Wartezeiten bei Paralleleinsätzen nie ganz vermeiden lassen“, gibt Heß zu.


Der Rohrbacher Standort, der ziemlich genau in der Mitte des Landkreises liegt, bringt für den Süden allerdings kaum Verbesserungen. Denn rechnet man etwa damit, dass ein Rettungswagen mit 60 Kilometern pro Stunde zu seinem Einsatz fährt, erreicht er in der vorgeschriebenen Frist von zwölf Minuten gerade einmal den nördlichen Bereich Pfaffenhofens.


Bei Notfällen weiter im Süden müssten, sollte der Pfaffenhofener Rettungswagen bereits unterwegs sein, längere Anfahrtzeiten in Kauf genommen werden. Dabei sind die Probleme mit der schnellen Versorgung seit Jahren bekannt. In zwei Bereichen des Landkreises trifft der Notdienst überdurchschnittlich oft nicht innerhalb der geforderten Hilfsfrist ein. Zum einen ist das im Bereich Rohrbach-Wolnzach mit angrenzenden Teilen Schweitenkirchens. Dass man sich im vergangenen September für den Standort Rohrbach entschieden hat, liege unter anderem an der Anzahl der Einsätze. So begründete Landrat Martin Wolf (CSU) die Standortwahl damals damit, dass die Notfallzahlen im Bereich von Rohrbach und Wolnzach deutlich höher seien. Durch den vierten Rettungswagen wird dieser Bereich nun besser abgedeckt.


Für den südlichen Landkreis sieht es weiterhin suboptimal aus. Diesen Orten steht weiterhin nur ein Rettungswagen zur Verfügung. Die anderen drei Standorte sind zu weit nördlich, um rechtzeitig am Einsatzort zu sein.