Pfaffenhofen: Andere Saiten
Ein wahrhaft kammermusikalischer Abend bot sich mit dem Berlin Guitar Trio, das sind David Bartelt, Aurélie Olivéros und Philipp Niedrich. Sie spielten Stücke für Gitarre - aber auch Werke für Violine und Orchester. - Foto: Erdle
Pfaffenhofen

Saitenweise Neuigkeiten erwarteten also das Publikum. Musikreferent Peter Feßl hatte die Gäste gebührend auf die folgende Besonderheit eingestimmt, der Rathausfestsaal war fast vollständig besetzt. Da es vergleichsweise wenige Originalwerke für Gitarrentrios gibt, kommt ein entsprechendes Konzertprogramm zwischen "Bach und Moderne" zwangsläufig auch nicht ohne so bislang ungehörte Bearbeitungen aus.

Entsprechend eröffnete das Berlin Guitar Trio den Abend mit einem Konzert für zwei Violinen und Orchester von Antonio Vivaldi (RV 522, op. 3 Nr. 8). Der barocke Tutti-Orchesterklang musste natürlich - angesichts der nicht unbegrenzten Klangmöglichkeit der Gitarre - zugunsten einer filigraneren Durchhörbarkeit des musikalischen Geflechts zurückstehen. Johann Sebastian Bach, der dasselbe Konzert bearbeitet hatte, dürfte gewusst haben, warum er eine Fassung für die mächtigere Orgel hergestellt hat.

Auf Anhieb organischer wirkte - nicht überraschend - eines der ersten Originalwerke für drei Gitarren: das um 1800 entstandene Trio op. 12 von Filippo Gragnani. Wenngleich Gragnani kompositorisch einfacher strickt und die sehr gefällige Melodiestimme häufig nur über gedoppelter Begleitung führt: Die für die Gitarre konzipierte Faktur vermittelt sich vom schwungvollen Eröffnungs-Allegro über einen volksliedhaften Variationensatz zum hurtigen Menuettschluss ohne Weiteres. Es verwundert nicht, dass unter den weiteren Transkriptionen des Abends sowohl die rhythmisch pointierten als auch die ruhig-innigen Stücke (wie Debussys "Rêverie") den größten Eindruck machten.

Das Berlin Guitar Trio war 2009 noch von David Bartelt, Aurélie Olivéros, Philipp Niedrich an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" gegründet worden. Es zeichnete sich beim Rathauskonzert durch überaus noble Klanggebung und nuancenreich filigrane Gestaltung aus und machte fehlende Lautstärkewirkung durch beseeltes Zusammenspiel und virtuose Zurückhaltung - also: profundes Können ohne bloßes Schaulaufen - wett. Stellvertretend sei hervorgehoben, wie besonders zart und doch klar Bartelt, der häufig als Impulsgeber erschien, Melodielinien zu zeichnen verstand.

Starke rhythmische Akzente, gepaart mit manch spieltechnischer Herausforderung boten sich in zeitgenössischer lateinamerikanischer Gitarrenmusik, dem jazzig-improvisatorischen "Baião de Gude" des Brasilianers Paulo Bellinati oder dem nicht auf Anhieb als Tango erkennbaren "Fin de Siglo" von Máximo Pujol, inklusive perkussiver Elemente.

Ganz bei sich war die Musik des Berlin Guitar Trio in den Sätzen aus Isaac Albéniz €™ "Suite española". Hat Albéniz in seiner Klavier-Suite stilisierte Volksmusik angelehnt an den Klang das spanischen Nationalinstruments komponiert, verstärkt die Gitarren-Bearbeitung gleichsam als echte "Rückübertragung" hier noch das Original.

Die drei Künstler gaben in knappen Eigenmoderationen kurze Erläuterungen zu den (im ersten Teil komplett auswendig) gespielten Werken. Die Zuhörer spendeten dem Ensemble, das fein-abgestimmte Kammermusik garantierte, anhaltenden Applaus. Folge: zwei Zugaben, die dem Publikum im Festsaal zurecht spanisch (bzw. katalanisch) vorkamen.