Die Ortsmitte von Schweitenkirchen ist aktuell sicher kein Schmuckstück, könnte nach der Überplanung im Ikek-Verfahren aber deutlich aufgewertet werden.
Die Ortsmitte von Schweitenkirchen ist aktuell sicher kein Schmuckstück, könnte nach der Überplanung im Ikek-Verfahren aber deutlich aufgewertet werden.
Schmid
Schweitenkirchen

Die Feinuntersuchung zur Zukunft der Dorfmitte von Schweitenkirchen ist im Gemeinderat vorgestellt worden. Bürgermeister Albert Vogler (CSU) begrüßte dazu German Deller und Dierk Brandt, die beim Interkommunalen Entwicklungskonzept (Ikek), das zusammen mit Pfaffenhofen, Rohrbach, Scheyern und Hettenshausen vorangetrieben wird, die Planungen vorantreiben. Vogler, Deller und Brandt versuchten gemeinsam die Frage zu beantworten, wie Daseinsvorsorge und Nahversorgung auch angesichts des demografischen Wandels in Schweitenkirchen aussehen können. "Es soll so sein, dass rundherum alles gut funktioniert", meinte Vogler.

Bei einer Hochrechnung der demografischen Zahlen kam heraus, dass in Schweitenkirchen im Jahr 2034 vermutlich 12,5 Prozent mehr Menschen also jetzt, und somit rund 5700 Einwohner leben werden - wobei von einem prozentual höheren Anteil an älteren Menschen ausgegangen wird. Bei einem "Blick von außen auf die Daseinsvorsorge" stellten Brandt und Deller fest, dass Schweitenkirchen allgemein gut versorgt sei, was sowohl Angebote für Kinder und Jugendliche, Vereine als auch die Grundversorgung mit Bauhof, Ärzten, Banken, Sportmöglichkeiten und vieles mehr bis hin zu Gewerbegebieten anbelangt.

Etwas schwieriger sehe es da schon bei der Nahversorgung aus. "Das alte Wittmann-Gebäude sollte abgerissen werden, da es sowohl von den baulichen Gegebenheiten nicht mehr passt und zudem zu teuer für eine Renovierung wäre. Außerdem wird der Saal nicht mehr gebraucht, da man dafür die Mehrzweckhalle oder den Pfarrsaal nutzt", leitete Vogler ein. Als Fazit schlugen die Planer als Dorfplatz einen leicht angehobenen, quadratischen Platz - etwa 440 Quadratmeter groß - über einem Parkdeck vor, das barrierefrei von allen Richtungen begehbar sei sowie Raum für Märkte und Feste biete. Grundidee zur Gestaltung des Dorfplatzes ist die Anhebung des Platzniveaus um etwa 20 Zentimeter gegenüber der Hauptstraße. Dadurch würde der Blick auf die grüne Hangkante sowie zum Rathaus und zur Kirche freier und die Dominanz des vorbeifahrenden Autoverkehrs erheblich reduziert. Dieser Effekt soll mit Wasserkaskaden zur Hauptstraße verstärkt werden, die den Verkehrslärm überdecken.

Der Platz öffnet sich bewusst Richtung Böschung mit Kirche, Rathaus mit Vorplatz und Geschäften an der Dr.-Hans-Eisenmann-Straße, während im Rücken Gebäude situiert sind, die dem quadratischen Platzraum Intimität verleihen sollen. Sowohl die bestehenden Linden wie auch der Maibaum sollen erhalten bleiben, der Platz im Norden und Westen mit Baumreihen eingefasst werden.

Da die Hans-Eisenmannstraße abschüssig ist, würde das Parkdeck darunter mit Tageslicht versorgt werden und Platz für rund 35 Stellplätze bieten. Zum Dorfplatz und Bürgertreff wäre ein Aufzug vorgesehen. Ein Multifunktionshaus mit mehreren Etagen könne zum Bürgertreff werden und beispielsweise im Erdgeschoss ein Café mit Freisitz zum Dorfplatz, vielleicht auch eine Art Dorfladen und ein öffentliches WC enthalten. Die oberen Geschosse könnten von sozialen Einrichtungen und aktiven Gruppen für Sprachkurse, Yoga oder Seniorentreffs genutzt werden. Diese Angebote könnten zum zentralen Treffpunkt werden und so zur Belebung der Ortsmitte beitragen. Auch eine Vermietung an Arzt oder Physiotherapeuten wäre denkbar. Für das Dachgeschoss schlägt das Team einen Trausaal mit Terrasse vor. Ein Gemeinschaftshaus südlich des Dorfplatzes mit bezahlbaren kleinen Wohneinheiten, barrierefrei mit Gemeinschaftsraum und Servicestation für ambulanten Pflegedienst oder betreute Wohngemeinschaften könnte selbstbestimmtes Wohnen im Alter ermöglichen.

Die Wohnbebauung auf der Osthälfte des Wittmann-Areals wird als Belebung des Dorfplatzes und zur Aktivierung der sozialen und kulturellen Aktivitäten im Bürgerhaus eingeschätzt. Dabei steht das Thema "gemeindeorientiertes und demografiegerechtes Wohnen" im Vordergrund und bezieht sich sowohl auf Singles wie auf Alleinerziehende. Auch ein Mehrgenerationenhaus oder Genossenschaftswohnungen wären denkbar.

Von der Hans-Eisenmann-Straße wird der Zugang zum Dorfplatz über eine Treppe und eine Rampe gewährleistet. Mit zwei neuen Fußgängerüberwegen in der Hauptstraße und an der Eisenmann-Straße werden Fußgänger bewusst über den Dorfplatz geführt. Die Wohnbereiche im Osten würden von der Hauptstraße erschlossen und separat mit Stellplätzen und Carports versorgt werden.

Deller und Brandt schlugen einen Architektenwettbewerb vor und betonten, dass dabei ganz neue Perspektiven entstehen könnten. Bei der anschließenden Diskussion erkundigte sich Gemeinderatsmitglied Johann Knorr (Bürgerblock) nach den Kosten, die Brandt auf rund zehn Millionen Euro schätzte, von denen maximal 60 Prozent gefördert werden könnten. "Das mit den Förderungen ist ja immer vorbehaltlich, das kennen wir ja", ergänzte Vogler an dieser Stelle und sicherte sich erst einmal das grundsätzliche Ja des Gemeinderats.

Auf Nachfrage von Fabian Wildmoser (FUB) erläuterte Deller noch die weiteren Schritte und den zeitlichen Ablauf. "Erst muss ein Büro die Ausschreibung fertigmachen, dann haben die Architekten rund drei Monate Zeit für ihre Entwürfe - und so müssten innerhalb eines Jahres erste Ergebnisse vorliegen." Man könne den Architekten auch von vorneherein gewisse Punkte mit auf den Weg geben, die der Gemeinde wichtig erscheinen. Hier war es Vogler wichtig, dass der Gemeinderat bei den Siegerentwürfen das letzte Wort hat. Am Schluss gab es für die Planer einen Applaus vom Publikum und dem Gemeinderat.