Geisenfeld: Ein Vision auf vier Rädern
Solche Tiny Houses könnte sich Christian Staudter in Geisenfeld durchaus vorstellen. - Foto: Wohnwagon.at
Geisenfeld

Wohnwagen sind normalerweise für den Urlaub gedacht. Auf beengtem Raum lässt sich darin die Welt erkunden, mit einem Stück Heimat, das an der Anhängerkupplung hängt. Mit Urlaub hat es allerdings wenig zu tun, was Christian Staudter mit den Tiny Houses vorschwebt. Diese sehen zwar aus wie bessere Wohnwagen, haben aber weit mehr zu bieten. Auf kleinem Raum kann der Bewohner darin essen, schlafen, duschen, kochen, leben. Aber nicht nur übergangsweise, sondern tatsächlich auf Dauer. "Das System ist dabei komplett autark", erklärt der Bürgermeister von den Unabhängigen Sozialen Bürgern das Konzept ganz im Groben. "Die Tiny Houses erzeugen Strom, sammeln und verwerten das Abwasser - und alles, was man dazu braucht, ist ein Wasseranschluss."

Aufmerksam geworden ist Staudter auf die Tiny Houses bei einer Leader-Versammlung. Die Nachbar-LAG Mittleres Isartal, die aus Freisinger und Erdinger Gemeinden besteht, lässt die dauerhafte Errichtung dieser Wohnwaggons gerade untersuchen und prüfen. "Wir wollen damit die Wohnungsnot bei den Studenten lindern", erklärt der Freisinger Leadermanager Hans Huss die Herangehensweise. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in der Studentenstadt sei mindestens genauso angespannt wie in Pfaffenhofen. "Vermutlich sogar noch mehr", sagt er. Gerade Studenten würden bezahlbare Wohnungen dringend benötigen. Und die jungen Leute seien bereit, mit beengten Verhältnissen und gewissen Kompromissen zu leben. "Wir untersuchen das Projekt, suchen im Verbund mit der Universität gerade geeignete Standorte - und wollen das durchziehen. Im Idealfall noch im kommenden Jahr", führt Huss weiter aus.

Den Schulterschluss mit den Nachbarkommunen sucht der Vorreiter dabei trotzdem. "Es würde mich sehr freuen, wenn andere Landkreise oder Gemeinden daran Interesse hätten", sagt Huss. Schließlich gehe es darum, das Vorhaben auf eine breite Basis zu stellen, es voranzutreiben und dabei noch besser zu erforschen. "Es würde uns sehr helfen, wenn sich auch andere Gemeinden in anderen Gegenden daran beteiligen würden", meint Huss. Schließlich seien die Tiny Houses in seinen Augen eine ganz großartige Idee, um die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Boomregionen etwas zu lindern.

Christian Staudter hat genau diese Ausführungen auch so gehört - und ein wenig nachgedacht. "Ich bin zuerst auf unsere Seen im Feilenmoos gekommen", räumt Staudter ein. Der Bürgermeister könnte sich draußen in der freien Natur, an ausgewählten Stränden durchaus vorstellen, solche Wohnwaggons zur Verfügung zu stellen. Allerdings nicht für Studenten, sondern eher für Touristen oder Ausflügler. "Das wäre sicher eine schöne Sache, die sehr gut angenommen würde."

Aber auch den Wohnungsmarkt in und um Geisenfeld hat der Bürgermeister dabei im Blick. Und angesichts eines jährlichen Zuzugs von Hunderten Neubürgern sowie steigenden Mieten und einem Flächenverbrauch, der sich dauerhaft so nicht aufrechterhalten lässt, könnten die mobilen Häuschen hier ganz gut helfen.

Konkret hat Staudter das Gewerbegebiet in Geisenfeldwinden im Visier, wo ihm die Anlieger schon länger in den Ohren liegen, dass es unbedingt nötig sei, für Monteure oder Arbeiter kurzfristig Wohnungen bereitzustellen. "Auch für so etwas wären diese Tiny Houses doch eine starke Lösung", meint der Bürgermeister. Der Aufwand, die Wohnwaggons zu installieren, sei gering. "Wir brauchen Trinkwasser - und sonst nichts. Die Häuschen funktionieren autark, sind mobil und können je nach Bedarf hin- und hergefahren werden."

Einen Geisenfelder Alleingang kann sich Staudter aber nicht vorstellen. "Wir werden jetzt nicht alleine viel Geld in die Hand nehmen, um die LAG Mittleres Isartal bei den Vorarbeiten zu unterstützen", wägt der Rathauschef ab. Er ist daher vielmehr auf der Suche nach Mitstreitern aus dem Kreis Pfaffenhofen. "Wir haben in Geisenfeld keine anderen Probleme als unsere Nachbargemeinden oder die Kommunen im Ilmtal oder gar im Landkreissüden", spricht er seine Bürgermeisterkollegen an. Staudter würde sich freuen, wenn der eine oder andere am Rande einer Sitzung auf ihn zukommen oder ganz einfach zum Telefonhörer greifen würde, um sich mit ihm abzusprechen, was den Umgang mit den Tiny Houses betrifft. "Unsere Leadermanagerin Carmen Glaser kennt sich da prima aus und könnte einiges in die Wege leiten", meint Staudter. Die grundsätzliche Bereitschaft, sich auf das Experiment einzulassen, habe er in jedem Fall, meint er. "Jetzt wäre es nur gut, wenn sich auch noch andere etwas zutrauen würden."