Feilenmoos: Eiche in Gefahr
Die Eiche an der Straße nach Forstwiesen ist ein beliebtes Motiv für Naturfotografen. Ihr Stamm ist beeindruckend, wurde durch die intensive Bewirtschaftung jedoch beschädigt. Noch schlimmer scheint jedoch das Abspritzen der umgebenden Pflanzen (unten rechts) zu sein. Die Symbiose mit dem Pilzgeflecht ist empfindlich gestört, die stattliche Eiche droht nun sogar abzusterben. - Fotos: Wolfgang Bock
Feilenmoos

Der stattliche Baum steht auf einem freien Feld kurz vor dem Braunweiher - und er ist ein beliebtes Fotomotiv, das erst vor Kurzem die Novemberseite des LBV-Kalenders zierte. Einer, der den Baum von Jugend an bewundert und seine Schönheit in zahlreichen Bildern dokumentiert hat, ist Wolfgang Bock. Was er bei seinem jüngsten Ausflug sehen musste, habe ihn "regelrecht schockiert", so der stellvertretende Vorsitzende des LBV Ingolstadt. Bis direkt an die Eiche hin wurde die Erde umgegraben. "Und verbleibende Wiesenreste unter der Kronenfläche offenbar mit Round-up bis an den Stamm hin abgespritzt", schildert Bock das Bild. Diese unsachgemäße Behandlung sei für die Pflanze lebensbedrohlich, wie der passionierte Artenschützer anfügt. "Ich wünsche mir mehr Feingefühl im Umgang mit dem Rest an schöner Natur, den wir noch haben."

Der Baumsachverständige Rudolf Wittmann wertet die verursachten Schäden aus mehreren Gründen als "möglicherweise fatal". Zum einen wurden der Eiche aus seiner Sicht durch das Pflügen im stammnahen Wurzelbereich Verletzungen zugefügt, die das Immunsystem der Pflanze schwächen würden. Wie beim Menschen könnten nun über diese Wunden Krankheitserreger und Parasiten eindringen. Zudem wirke sich der Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels negativ aus, weil es einen für die Eiche lebenswichtigen Pilz abtötet. Dessen Geflecht umhüllt die Wurzeln und erschließt dem Baum Wasser und wichtige Nährstoffe. "Ohne dieses Geflecht verhungert und verdurstet der Baum sozusagen", veranschaulicht Wittmann die enorme Bedeutung des Mykkorhiza-Symbiose genannten Phänomens, von dem der Pilz seinerseits profitiert. Ihm liefert die Eiche ihrerseits Zucker und Stärke, die er selber nicht produzieren kann. Das sensible Gleichgewicht von Geben und Nehmen sei auch dann schon empfindlich gestört, wenn im Umfeld des Baumes Stickstoff in erhöhtem Maß eingetragen werde - sei es über die Düngung oder über die Luft. "Anders als es der Mythos glauben macht, gehört die Eiche zu unseren sensibelsten Baumarten", erläutert der Fachmann, der nun einen langsamen Verfall der Pflanze befürchtet. "Nur wenn die Eiche jetzt ganz in Ruhe gelassen wird und die gesamte Kronenschirmfläche sich unberührt erholen kann, besteht noch eine Überlebenschance", meint Wittmann.

Mittlerweile wurde das Landratsamt von der LBV-Kreisgruppe über den Vorfall informiert. Bei einem Ortstermin überzeugten sich Vertreter der Behörde Anfang der Woche davon, dass die Eiche etwa 140 Jahre alt und in einem guten Zustand sei. Die Verletzung im Stammbereich werde der Baum "vermutlich in den nächsten Jahren kompensieren", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme auf Anfrage unserer Zeitung. Ob im Stammfußbereich Pflanzenschutzmittel aufgebracht wurden, sei nicht mit Sicherheit festzustellen. "Dazu ist gegebenenfalls eine Bodenuntersuchung erforderlich", lautet die Einschätzung der Behörde. Inwieweit der Baum durch das Umpflügen in der Nähe des Stammfußes langfristig beeinträchtigt wurde, könne nur die Zukunft zeigen, heißt es in der Pressemitteilung aus dem Landratsamt.

Wie die Behörde zudem mitteilt, stellt sich die Rechtslage wie folgt dar: Der betroffene Baum befindet sich im FFH-Gebiet Feilenmoos. Einzelbäume sind hier unter den gebietsbezogenen Erhaltungszielen nicht aufgeführt. Eine Baumschutzsatzung seitens der Stadt Geisenfeld gibt es nicht.

Der Baum sei aber aufgrund seiner Einzellage inmitten von intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen "als landschaftsbildprägend einzustufen", stellt die Behörde klar. Demnach wäre er nach dem Bundesnaturschutzgesetz vor schädlichen Eingriffen zu schützen und der Verursacher eines Eingriffs verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen zu unterlassen. "Das gilt, wenn der Baum entfernt oder so geschädigt wird, dass er langfristig abstirbt."

Die Fläche sei in den vergangenen Jahren beim Amt für Landwirtschaft als "Ackerland aus der Erzeugung genommen" gemeldet. Auch wenn sich dadurch eine wertvolle Wiese entwickelt haben sollte, habe die Untere Naturschutzbehörde gegen den Umbruch keine Handhabe, heißt es seitens des Landratsamtes. Eine ordnungsgemäße Bodenbewirtschaftung sei zulässig. "Wir setzen hier in erster Linie auf Aufklärung und Mitwirkung des Bewirtschafters", lässt das Landratsamt wissen und betont, dass die Untere Naturschutzbehörde den Pächter der Fläche kontaktieren werde. "Es soll erreicht werden, dass der Bewirtschafter den Baum beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als "Landschaftselement"  eintragen lässt. Zumindest den Traufbereich des Baumes soll aus der intensiven Bewirtschaftung herausnehmen.