Der 3,3 Tonnen schwere Panzerschrank muss den Umbauarbeiten im Rathaus weichen. Weil die Entsorgung eine vierstellige Summe kosten würde, schlug 2. Bürgermeister Franz Schmuttermayr vor, den Tresor an Interessenten zu verschenken – die nur den Abtransport übernehmen müssten. Diese vom PK veröffentlichte Offerte stieß auf großes Interesse: 20 Bewerber – meist Firmen – meldeten sich, manche zeigten sich sogar bereit, sich mit einer Spende für die Überlassung des Tresors zu bedanken. Doch bevor die Stadtspitze den Zuschlag erteilen konnte, trat Manfred Habl auf den Plan: Der Künstler mit breit gefächertem Schaffens- und Interessensgebiet (von der Aquarell- und Seidenmalerei bis zur Gartenanlage oder Videokunst) hält nichts davon, dass der Tresor hinter Firmenmauern verschwindet. Er will den Panzerschrank im Rahmen des für 2008 geplanten regionsweiten Kulturprojektes "Kunst im Fluss" für eine Performance nutzen. Habl: "In dem Tresor lagerten Geburtsurkunden, wichtige Akten, da kam die Steuer rein und raus. Der hat Patina und Geschichte und ist, wenn man ihn in einen anderen Kontext stellt, ein ideales Objekt für eine Kunst-Aktion." Getreu seinem Motto "ungewöhnliche Lösungen für gewöhnliche Probleme" schlägt Habl vor, dass eine Stahlstange an den Tresor geschweißt werden sollte, damit dessen Türe stets offen steht und Einblick in das bisher hermetisch abgeschirmte Innere gewährt. Der Tresor – für den Künstler "ein Symbol für Geld, Macht und Begehrlichkeiten" – soll leer bleiben, stattdessen will Habl das Ganze "umgekehrt darstellen und das Gold nach außen bringen": Lehrlinge einer Lackiererei sollen dem Koloss einen goldenen Anstrich verpassen – gefilmt von dem Künstler, der seine Aufnahmen ins Internet stellen will und sich davon ein breites Echo auf die Aktion erhofft. Der Anstrich ist nur der erste Schritt. Geht es nach Habl, soll der Tresor dann mitten in die Ilm gestellt werden – passender Weise bei der Sparkasse. Deren Logo könnte ("statt eines Dollarzeichens") auf dem goldenen Lack erstrahlen, stellt sich der Künstler vor, der auch glaubt, dass bei vielen Pfaffenhofenern durch den Tresor-Event "Erinnerungen an die Archetypen unserer Kindheit, an Dagobert Duck und die Panzerknacker" geweckt würden. Als dritter Teil der Aktion soll es Interessenten über eine Webcam ermöglicht werden, sich im Internet über das weitere Schicksal des Tresors in der Ilm auf dem Laufenden zu halten.

In einem Punkt ist sich Habl sicher: Sollte er grünes Licht für seine Aktion bekommen, dürfte das für eine breite Was-ist-Kunst-Diskussion in der Kreisstadt und überregionales Medieninteresse sorgen – und damit wäre ein Ziel der Performance erreicht.

Doch ob die Stadt mitspielt, ist fraglich: "Hans Prechter und ich werden das voraussichtlich noch diese Woche gemeinsam entscheiden", so der derzeit amtierende 2. Bürgermeister Franz Schmuttermayr. Werde man sich nicht einig, müsse das Thema halt in den Kulturausschuss oder Stadtrat. Wenn es nach ihm gehe, werde der Tresor jedenfalls nicht in der Ilm landen, sondern wie geplant gegen eine Spende abgegeben, erklärte Schmuttermayr.

"Für eine lustige und pfiffige Geschichte" hält Kulturreferent Hellmuth Inderwies den Habl-Vorschlag, aber: "Allein Provokation darf es auch nicht sein. Das ist mir vom künstlerischen Ansatz her doch noch zu wenig." Außerdem: Da man, damit der Tresor nicht versinkt, ein Fundament in der Ilm gießen und den Panzerschrank verankern müsste, wäre die Umsetzung des Vorschlags zudem wohl zu aufwendig und teuer. Inderwies: "Darum habe auch ich keine Einwände, wenn der Tresor an eine Firma gegen eine Spende weitergegeben wird, die ja dann in die städtische Jugend- oder Kulturarbeit fließen könnte."