Neuburg: 50 Krippenplätze fehlen weiterhin
Begehrte Krippenplätze: Für die ganz kleinen Bürger der Stadt mangelt es an Betreuungskapazitäten. 50 Kinder gehen derzeit leer aus. ‹ŒArch - foto: r
Neuburg

 

"Wir haben 172 Krippenplätze und leider immer noch um die 50 Kinder, die auf Wartelisten stehen", bestätigt der Kindergartenreferent des Neuburger Stadtrates, Matthias Enghuber (CSU). "Glücklicherweise ist im Moment der Druck der Eltern noch nicht so groß." Man sei nun bei den Krippenplätzen in einer vergleichbar schlechten Lage wie vor zwei Jahren bei den Kindergartenplätzen: 50 zu wenig. Das ist ein Pfund. Immerhin sind die Gruppen für die ganz kleinen Krippenkinder kleiner, die Ansprüche an Räumlichkeiten und Personal größer.

Abhilfe verspricht sich Enghuber vom Roten Kreuz. Allerdings erst im kommenden Jahr. "Auf kurze Sicht wird das BRK seine Liegenschaften durchforsten, mit dem Ziel, zwei zusätzliche Krippengruppen zu installieren, die könnten dann im Frühjahr anlaufen", hofft der Kindergartenreferent. Mittelfristige Pläne gibt es auch: Im Bereich des Neubaugebiets Heckenweg an der Grünauer Straße oder auf dem Gelände der Stadtwerke hat Enghuber ein Kinderhaus vorgeschlagen. Dort könnten flexible Räumlichkeiten geschaffen werden, die je nach Bedarf für Krippen- und Kindergartenkinder genutzt werden können. Die Idee habe auch bei Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) Anklang gefunden, so Enghuber. Flexibilität ist Trumpf.

Doch was tun mit den 50 Elternpaaren, die für ihre Kinder keinen Platz bekommen? Sind die Krippen voll, verweist die Stadtverwaltung auf Ersatzangebote, genannt Großtagespflege, hier sind Träger wie die Mobile Familie aktiv. Die Kinder werden ebenfalls in Gruppen betreut, wenn auch nicht nach denselben Standards. Tagesmütter sind involviert. Doch auch hier gibt es bereits Wartelisten.

Verschärft wird das Problem durch die unübersichtliche Anmeldepraxis. Wie auch bei den Kindergärten, wird die Platzvergabe nicht zentral gesteuert, sondern von jedem Träger einzeln organisiert und erst verspätet an die Stadtverwaltung rückgemeldet. Das bedeutet, Eltern müssen überall einzeln vorsprechen - meist persönlich - und melden sich sicherheitshalber gleich bei mehreren Einrichtungen an. Das führt zu Unsicherheit bei Eltern und Planern. Ordnung ins Chaos bringen soll eine zentrale, digitale Erfassung und Anmeldung für alle Einrichtungen in der Stadt: Das Programm, "Tolina" genannt, soll im nächsten Jahr implementiert werden. "Dieses im Kreis rennen und vor verschlossenen Türen stehen, soll endlich wegfallen", kündigt Enghuber an.

Kaum ein Thema fordert die Stadtverwaltung so stark wie die Kinderbetreuung. Denn Prognosen über den Bedarf zu treffen, ist schwer, bei Krippen noch schwerer als bei Kindergärten, wo es einen gewissen Vorlauf gibt. Enghuber nimmt die Verwaltung deshalb in Schutz: "Der Staat hat diesen Rechtsanspruch geschaffen, aber die Kommunen damit alleingelassen", sagt der Referent, selbst mehrfacher Familienvater.