Herbizide in der Landwirtschaft geraten zunehmend in die Diskussion, vor allem der Wirkstoff Glyphosat. SPD und Ausschussgemeinschaft im Kreistag fordern nun eine klare Positionierung des Landkreises und ein Glyphosatverbot..
Herbizide in der Landwirtschaft geraten zunehmend in die Diskussion, vor allem der Wirkstoff Glyphosat. SPD und Ausschussgemeinschaft im Kreistag fordern nun eine klare Positionierung des Landkreises und ein Glyphosatverbot.
Stratenschulte/dpa
Neuburg
Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen verbietet auf allen eigenen, privaten wie öffentlichen Flächen des Landkreises ( Landratsamt, Schulen, Landkreisbetriebe) die Verwendung des Wirkstoffs Glyphosat.

Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen empfiehlt den grundsätzlichen Verzicht auf chemische Wirkstoffe, deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt nicht einwandfrei festgestellt sind.

Glyphosat, das nicht nur in der Landwirtschaft als Pflanzenvernichtungsmittel eingesetzt wird, hinterlässt nach Worten der Antragsteller Rückstände in Tieren und Pflanzen. Beim Menschen seien geringe Mengen Glyphosat bereits im Urin und in der Muttermilch nachgewiesen worden. Auch bei einer Untersuchung von Bier aus dem Jahr 2016 seien vom Umweltinstitut München Werte zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm Glyphosat pro Liter gemessen worden.

Forscher machten auch auf weitere Gefahren des Pflanzenkillers aufmerksam: Glyphosat trage zum Artensterben von Tieren bei, so die Befürchtung. Das Mittel töte mit allen als Unkräuter bezeichneten Pflanzen auf dem Acker gleichzeitig die Futterpflanzen für eine Vielzahl von Lebewesen.

Seit einigen Jahren gebe es, so Krammer und Walter, zudem Zweifel, ob Glyphosat für den Menschen wirklich unbedenklich sei. Für besonders großes Aufsehen habe die Einschätzung der renommierten Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2015 gesorgt, in welcher Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" bezeichnet wurde. Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingegen sehen das zwar anders. Bei fachgerechter Anwendung finde sich kein Anhaltspunkt für eine krebserzeugende Wirkung, erklärte etwa das BfR nach der Auswertung hunderter Studien. Allerdings zog diese Analyse zuletzt erhebliche Kritik auf sich, da nach Einschätzung eines Plagiatprüfers wesentliche Angaben von Glyphosat-Herstellern wörtlich übernommen worden waren. Das BfR wies die Plagiatsvorwürfe zurück. Auch der Efsa-Bericht geriet in die Kritik. Bei ihrer Bewertung von Glyphosat hatte die EU-Agentur den BfR-Report berücksichtigt.