Bertoldsheim: Die Weichen für die Zukunft sind gestellt
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Bertoldsheim

„Zuerst kommt der liebe Gott, und dann kommen wir“, sagt Burchard Führer und bittet Pfarrer Georg Guggemos als Ersten als Rednerpult. Das kommt an. Guggemos – gewohnt launig – segnet das Sommerfest und schließt seine einleitenden Worte mit: „Bleibet hier in Frieden, und haut rein, Leute.“ Bis allerdings das Büffet eröffnet wird, gibt’s noch die obligatorischen Reden. „Ich bin seit 35 Jahren mit meiner ersten Frau verheiratet“, stellt sich der neue Chef vor. Auch das kommt an. Im November 2014 hat die Unternehmensgruppe „Burchard Führer“ die Seniorenresidenz am Fuße des Schlosses übernommen. Die Anlage stand kurz vor der Zwangsversteigerung, die der neue Eigner abwenden konnte. Die „Führergruppe“ ist nun zugleich Betreiber und Immobilieneigner. Das Sommerfest soll so etwas wie der offizielle Startschuss sein, im November lässt es sich freilich nicht so schön feiern wie im Juli. „Wir dürfen Ihnen heute ein aufgefrischtes Haus präsentieren“, berichtet Führer den Bewohnern und Gästen des Sommerfests – Nachbarn, Ehrenamtliche und Mitarbeiter. „Wir wollen nachhaltige Stabilität schaffen und werden noch einige Investitionen tätigen.“

Stichwort Investitionen: Damit meint der Geschäftsführer vor allem die Vergrößerung des Speisesaals und der Aufenthaltsräume und die Modernisierung der Küche. 700 000 Euro will der Betreiber nach eigenen Angaben in die Anlage stecken. „Wir haben knapp 3000 Mitarbeiter und betreuen 4000 Menschen an 40 Standorten“, zählt der Chef auf. Soll heißen: Die „Führergruppe“ weiß, was sie tut. Nicht als Pflegekonzern, der von Dessau in Sachsen-Anhalt aus die Geschäfte leitet, wolle man auftreten, sondern als Dienstleister für die Heimleitungen vor Ort. „Es muss nach den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Standorts gehandelt werden.“

Als neue Chefin in Bertoldsheim wurde Bettina Senftleben vorgestellt. Die 43-Jährige ist gelernte Arzthelferin und Altenpflegerin und stammt aus der Nähe von Regensburg, wo sie auch weiterhin wohnen wird. Seit dem 1. Juni leitet sie die Geschicke der Seniorenresidenz. Als besondere Herausforderung an ihrem neuen Job erachtet sie vor allem die Umstrukturierung der ganzen Einrichtung. „Wir haben viel verändert“, erzählt sie. „Wir haben das Personal um elf Mitarbeiter aufgestockt, es sollen auch noch weitere hinzukommen.“ An die zehn in verschiedenen Bereichen, ergänzt Burchard Führer. Bis alles so läuft, wie es soll und wie es sich die „Führergruppe“ vorstellt, werden wohl noch ein bis zwei Jahre ins Land ziehen, schätzt Senftleben. „Aber das alles ist eine große Herausforderung und macht Spaß.“

Aktuell leben 56 Senioren in der Einrichtung, die Kapazität ist allerdings deutlich höher: 78 Menschen können hier ihren Lebensabend verbringen. „Wir müssen noch etwas netzwerken“, so Senftleben. „Viel geht auch über Mundpropaganda.“ Eine große Familie solle die Seniorenresidenz eines Tages sein, hofft die Heimleiterin. „Viele Ehrenamtliche, engagierte Mitarbeiter und zufriedene Bewohner.“

Noch ist allerdings nicht alles in Butter in Bertoldsheim. Am Rande des Sommerfests kam schon die erste Kritik an der Heimleiterin auf. Die Tochter einer Bewohnerin ärgerte sich darüber, dass die Senioren so abseits der eigentlichen Veranstaltung saßen, während Nachbarn und Ehrenamtliche mittig unter einem Pavillon ihre Plätze hatten. „Die Bewohner bekommen noch ihr eigenes Sommerfest“, versuchte Senftleben zu beschwichtigen.