Pfaffenhofen: Des Handwerks goldener Boden
Perspektiven und Kontakt auf Augenhöhe: Um das Handwerk für junge Menschen wieder attraktiver zu machen, lassen sich die Betriebe mittlerweile so einiges einfallen. ‹ŒArch - foto: Bernklau
Pfaffenhofen

283 Lehrstellen sind derzeit (Stand Juni 2017) im Landkreis Pfaffenhofen unbesetzt - das geht aus einer aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. "Der Bedarf an Fachkräften ist weiterhin hoch", sagt Peter Kundinger von der Agentur für Arbeit in Ingolstadt. "Handwerk hat goldenen Boden - dieses Sprichwort gilt mehr denn je." Den Bewerbern mangle es nicht an Perspektiven, da genug Stellen da sind. Doch die Bewerberdecke für die Unternehmen wird immer dünner.

Das Problem sei, dass viele junge Menschen nach etwas "Besserem" als einer Ausbildung streben: einem Studium. Ein Hochschulabschluss ziehe schließlich auch eine bessere Bezahlung nach sich. "Viele machen auch ihre Ausbildung fertig, bekommen dann ein für sie besseres Angebot einer anderen Firma, oder studieren, und schon sind sie weg", sagt er. Kundinger sieht auch ein Problem im verstaubten Image vieler Lehrberufe. "Spricht man etwa vom Metzger, haben viele nur Fleisch und Blut im Kopf, dabei gehört mittlerweile so viel mehr dazu", meint er. "Ein Metzger wird immer mehr zum Caterer und muss sich auch mit gewissen Ernährungsaspekten auskennen. Letzteres gilt auch für den Bäcker."

Auch wenn der Bedarf an Fachkräften weiterhin groß ist, hält sich die Situation für Josef Pfab, als stellvertretender Kreishandwerksmeister zuständig für den Bereich Pfaffenhofen, im Landkreis noch im Rahmen. "In den vergangenen zehn Jahren haben wir tatsächlich ein Plus gemacht, die Tendenz geht also zum Guten, auch wenn die Betriebe noch immer suchen", sagt er.

In einer Sache sind sich Kundinger und Pfab einig: Das Handwerk muss wieder attraktiver werden, und hierbei spielt die richtige Präsentation der Unternehmen nach außen eine wichtige Rolle. "Es ist schwierig, einen Rat zu geben. Die Betriebe müssen mit dem Zeitgeist gehen, den Menschen Perspektiven bieten und über Weiterbildungsmöglichkeiten aufklären", sagt Pfab.

Doch folgen die Unternehmen in der Region diesem Credo? "Wir gehen aktiv auf die Menschen zu", sagt Maximilian Zängl von der Bayernwerk AG. Das Energie-Unternehmen bildet in seinem Pfaffenhofener Standort unter anderem Elektroniker sowie Energie- und Gebäudetechniker aus. "Wir nutzen die gesamte Bandbreite der sozialen Medien und sind auf Ausbildungsmessen vertreten, um junge Menschen für alle Bereiche, die mit Energie zu tun haben, zu begeistern", sagt Zängl. So bietet das Bayernwerk auf Messen beispielsweise die Möglichkeit, mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille virtuell in die Ausbildung zu tauchen. "Beim Girls Day etwa bekommt jedes Mädchen eine Art Wildcard für einen direkten Zugang zu einem Bewerbungsgespräch", sagt er.

Zängl betont, dass Unternehmen nicht warten sollen, bis die Bewerbungen kommen, sondern den Menschen aktiv zeigen müssen, welche Chancen, Entfaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt, was alles zu den Berufen dazugehört und wie vielfältig und spannend sie sein können. "Wichtig ist auch der Kontakt auf Augenhöhe sowie die Kultur, dass der Nachwuchs die Zukunft ist", sagt Zängl. Und nach dem sich die Betriebe richten müssen.

Sven Tweer, Küchenchef und Geschäftsführer des Moosburger Hofs in Pfaffenhofen, sieht die Situation kritisch und macht die Politik dafür verantwortlich, dass das Handwerk händeringend nach Nachwuchs sucht - nicht nur hinsichtlich der Bezahlung. "In unserer Gesellschaft ist mittlerweile die Grundeinstellung verankert, dass man heutzutage studiert haben muss, um erfolgreich zu sein und dass überhaupt etwas aus einem wird." Natürlich sollte jeder die Möglichkeit haben zu studieren, doch nicht jeder müsse es zwingend tun. "Die Menschen vergessen, dass es auch Leute geben muss, die Maurern, Schreinern, Kochen oder Gärtnern müssen, es ist Arbeit, die gemacht werden muss", sagt Tweer. Er selbst findet heuer erstmals seit neun Jahren keinen Lehrling für seine Ausbildungsstelle zum Koch. "Es ist wirklich schlimm."

Für Tweer sind die Unternehmen in der Pflicht, eine gute Ausbildung zu gewährleisten. "Und das soll dann nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch umgesetzt werden. Der Nachwuchs ist die Zukunft und in ihn muss investiert werden", betont der Gastronom. Tweer selbst ist der Überzeugung, dass die Azubis heute weniger machen dürfen als früher, ihnen weniger zugetraut wird. "Die jungen Menschen müssen auch Verantwortung übernehmen. Ein Koch lernt das Kochen nur dann, wenn er es auch tut und nicht aus irgendwelchen Büchern - Learning by Doing ist hier das Entscheidende", moniert Tweer.