Ingolstadt: Mit Suren gegen Vorurteile
Stimmgewaltig: Hasan Sadiki aus dem Iran gehört zu den bekanntesten Koran-Rezitatoren der Welt. Er und seine Kollegen Ishak Daniz aus der Türkei und der Ägypter Ahmed Naina präsentierten in der Saturn-Arena ihre Kunst - Fotos: Rössle
Ingolstadt
Die Gäste kommen aus ganz Bayern. Spätestens am Eingang wird klar, dass die Veranstaltung an diesem Abend mit Eishockey wenig gemein haben wird. An den beiden Glastüren, vor denen Grills dampfen, stehen Fatma und Sara. Die beiden 21-Jährigen passen auf, dass durch die rechte Tür nur Frauen gehen und die Männer den linken Eingang benutzen. „Es hält sich aber niemand dran“, sagt Sara und lacht. Die beiden jungen Frauen tragen schwarze Kleider und grüne Kopftücher. Sie sind Mitglieder bei Milli Görüs. Der Ingolstädter Ortsverein der Vereinigung hat zu dem Abend geladen. Auf dem Programm stehen Koran-Rezitationen. Das auswendige Vortragen aus dem heiligen Buch der Muslime gilt als Kunstform, und die Ingolstädter haben die Besten dieses Fachs eingeladen. Ziel ist es, „Klischees gegen den Islam abzubauen“, heißt es in der Ankündigung.
 
Die konservative Auslegung des islamischen Glaubens, die Milli Görüs vertritt, hat viele Kritiker. Sicher sitzen auch an diesem Abend Vertreter des Verfassungsschutzes im Publikum. Antisemitismus und eine Nähe zum gewaltbereiten Islamismus werden Milli Görüs immer wieder nachgesagt. Vor dem Abend in der Saturn-Arena wurde über mögliche Proteste spekuliert. Die bleiben allerdings aus. Nur ein Mal gibt es kurz Unruhe im Publikum. Ein Herr beschwert sich lautstark über den verspäteten Anfang der Veranstaltung.
 
Auf 3000 bis 4000 Besucher hatte der Ingolstädter Ortsverein gehofft. Gekommen sind etwa 2000. Getrennt in Männer und Frauen hören sie die Begrüßung der beiden Moderatoren Yasin Altintac und Idris Mete. Auch auf Deutsch fallen einige Worte. Das erste Grußwort spricht Emsal Altintac, der Gemeindeleiter von Milli Görüs in Ingolstadt. Außenstehenden bleibt die Rede auf Türkisch allerdings verschlossen.
 
Bürgermeister Sepp Mißlbeck ergreift das Wort für die Stadt Ingolstadt. Er mahnt, dass Integration auf gegenseitiges Verständnis angewiesen sei.
| 1 | 2 |