Ingolstadt: Zwei Schwestern rudern fleißig
Auf der Sonnenterrasse vor dem Haus am See: Verena und Sandra Buck zeigen symbolisch, dass sie nicht aufgeben und für ihr Lokal kämpfen wollen - Foto: Rössle
Ingolstadt
An der Fischerstub’n haben sich schon viele Wirte die Zähne ausgebissen. Der Saisonbetrieb ist extrem wetterabhängig und erfordert große Flexibilität. Der Kreisfischereiverein hat es in den vergangenen 20 Jahren mit sieben Pächtern versucht, alle sind gescheitert. Nach so vielen Pleiten wagen sich jetzt Sandra und Verena Buck, bekannt von Sausalitos und Suxul, an das schwierige Objekt. Sie überzeugten Herrnbräu und die Fischer mit einem modernen Konzept: Das Haus am See ist ein kultiges Ausflugslokal, von 12 bis 23 Uhr geöffnet, mit Liegestühlen und Palmen, wo die Gäste chillen können, wo es Cappuccino und Cocktails gibt und bald auch Pizza oder Pasta vom Nobelitaliener. „Das gefällt dem Ingenieur von Audi“, erklärt Sandra Buck. „So etwas Urbanes gehört in eine Großstadt.“
 
Doch als reines Ausflugslokal rentiert sich der Betrieb nicht. Deshalb wollen die Schwestern im Sommer etwa zehn Events veranstalten, „Jugendkultur der gehobenen Art“, wie Sandra Buck beteuert. Die erste Party stieg am 30. April, mit Musik auf der Terrasse bis 23 Uhr. Danach wurde drinnen weitergefeiert. Trotzdem zog ein Sturm der Entrüstung über das Haus am See. Nicht nur wegen der Wildschweine, die angeblich um ihren Schlaf gebracht wurden. „Es gibt massiven Widerstand von Anwohnern am Mitterschüttweg, die sich durch wummernde Bässe gestört fühlten“, sagt Gerd Treffer, städtischer Pressesprecher. Und er stellt klar: „Vergnügungsstättentypische Veranstaltungen sind nicht erlaubt, denn das ist ein Naherholungsgebiet.“
 
Das haben die Gastronominnen auch schriftlich: Die bis 30. Juli befristete Gaststättenerlaubnis enthält einige strenge Auflagen. So teilte das Ordnungsamt mit, Veranstaltungen mit Musikdarbietungen, Livebands oder DJ-Auftritte seien nicht zulässig. Auf der Sommerterrasse darf keine Musik erklingen, nicht einmal durch geöffnete Fenster. Außerdem muss dort um 23 Uhr Schluss sein. Und die Gasträume im Inneren dürfen nicht als Tanzfläche genutzt werden. Dabei wird tatsächlich Bezug genommen auf „Bestuhlungspläne, die der Baugenehmigung vom 10.8.1966 anliegen“.
 
Über diese Auflagen können alle Beteiligten nur die Köpfe schütteln, denn in der Vergangenheit wurde in der Fischer-stub’n schon immer kräftig gefeiert. „Und niemanden hat es gestört“, meint Winkelmeier. „Nicht einmal unsere Fledermäuse, die sich prächtig entwickelt haben in den letzten 40 Jahren.“ Geburtstage, Hochzeiten, Vereinsfeiern oder Faschingspartys – oft ging es hoch her am Baggersee. „Jetzt, wo die Frau Buck auftaucht, ist auf einmal alles mies“, wundert sich der Vereinsvorsitzende.
 
Im Moment läuft im Haus am See nur das Tagesgeschäft. „Aber wir brauchen Sicherheit“, betont Sandra Buck. „Ohne Events können wir auch kein Geld in die Hand nehmen.“ Die Schwestern wollen das verstaubte Lokal umbauen, eine Winterterrasse errichten, damit auch in der kalten Jahreszeit etwas geboten ist. „Die sollen uns halt arbeiten lassen“, fordert Sandra Buck. „Es geht ja auch um Jobs und Gewerbesteuer.“
 
Die Geschäftsfrauen sind bereit, für die Events noch mehr Pendelbusse einzusetzen, damit die Anwohner nicht unter dem Verkehr leiden. Sie wollen Missverständnisse beseitigen: „Die Leute glauben, hier geht es nur um Disco, Disco, Disco. Aber das stimmt nicht. Sollen sie uns doch besuchen und sich selber ein Bild machen.“
 
Drei ältere Herrschaften haben das gestern getan, auf ihrer Runde um den Baggersee: „Geben Sie nicht auf“, muntern sie die Bucks auf. „Echt toll ist es hier – ein super Flair“, meint Monika Seidl. Ihre Laufpartnerin Christa Herbinger nickt: „So etwas fehlte uns bisher: Jetzt kann man den See viel mehr genießen. Das steigert den Freizeitwert. Aber die haben doch für so etwas kein Gespür bei der Stadt.“ Johannes Seidl findet, der Oberbürgermeister sollte sich das Haus am See mal selber anschauen.
 
An OB Alfred Lehmann wollen sich jetzt auch Herrnbräu-Geschäftsführer Gerhard Bonschab und Rudolf Winkelmeier wenden. „Ein Leerstand bedeutet, dass der Kreisfischereiverein keine Einnahmen hat. Ich will das Lokal doch nicht als Asylantenheim vermieten“, meint der Vorsitzende.