Ingolstadt: Körnermagazin zum Abriss frei
Das Körnermagazin: Auf diesem Foto ist deutlich das fachwerkähnliche Gerüst aus Betonständern zu erkennen. - Foto: oh
Ingolstadt
Das geschichtsträchtige Gebäude steht auf einem Grundstück, das seit ungefähr zehn Jahren der Jürgen-Kellerhals-Vermögensverwaltung (JKV) gehört. Damals war die Stadt froh, das so genannte Bananengrundstück, das ursprünglich für die Fachhochschulerweiterung gedacht war, an private Investoren verkaufen zu können. Auf einem Teil des Geländes errichtete die Doblinger-Unternehmensgruppe ab dem Jahr 2000 für rund 80 Millionen Euro das Elisa-Seniorenstift.

Der andere Teil des Areals hingegen liegt seit Jahren brach, das Körnermagazin ist arg heruntergekommen – ein Ärgernis für die Nachbarschaft. "Für den jetzigen Gebäudebestand können wir uns keine sinnvolle Nutzung vorstellen", sagt Roland Hörner von der JKV-Hausverwaltung zum DONAUKURIER. "Wir prüfen aktuell, was auf dem Grundstück machbar ist. Das geplante Hotel an der Esplanade ist noch nicht gestorben." Nach Auskunft von Siegfried Dengler, dem Leiter des Stadtplanungsamts, gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan älteren Datums, der in Abstimmung mit der Denkmalpflege erstellt wurde und den Erhalt der Industriebrache nicht vorsieht. Insofern kann das im Jahr 1908 fertig gestellte Körnermagazin abgerissen werden, ohne dass dafür eine besondere Genehmigung erforderlich ist.

Die geschichtsträchtige Industriebrache, in der nach dem Zweiten Weltkrieg die Geschichte die Auto Union begann, steht auch nicht unter Denkmalschutz. Sehr zum Bedauern einiger Ingolstädter Bürger, darunter auch der Stadtheimatpfleger: "Schließlich handelt es sich um das bayernweit erste und heute älteste noch existierende militärische Getreidemagazin, das in Betonständer-Bauweise errichtet wurde", argumentiert Christian Dittmar.

Dittmar hat einen Brief an Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler geschrieben und darin sein Bedauern geäußert, warum das Unternehmen das Körnermagazin und die benachbarte Artillerieremise links liegen lasse. "Da ich mit vielen Gleichgesinnten der Meinung bin, dass diese Gebäude für das Selbstverständnis und für das Bewusstsein zur Herkunft von Audi auch einen ideellen Wert besitzen, erlaube ich mir die Bitte, Ihren ganzen Einfluss auch bei der Stadt geltend zu machen, damit diese Gebäude nicht der Spitzhacke zum Opfer fallen", lautet sein Appell.

Momentan wird das Körnermagazin noch als eine Art Künstlerkolonie genutzt. Doch die Mieter müssen bald raus: "Im vergangenen Sommer hat es gebrannt. Nach einer Begehung beanstandete die Feuerwehr, dass die Brandschutzauflagen nicht gewährleistet sind. Wir mussten deshalb kündigen", erklärt Hörner von der JKV. "Ansonsten gibt es aber noch keinen Zeitplan und keinen Abrisstermin."

Stadtplaner Dengler sagt, der Stadtratsbeschluss sei bindend. "Er schafft Baurecht. Es gibt aber auch Argumente, die für den Erhalt des Körnermagazins sprechen. Es schaut zwar schäbig aus, aber die Grundstruktur des Gebäudes ist noch gut erhalten. Wir brauchen solche städtebaulichen Nischen und Räume, wo sich etwas entwickeln kann." Roland Hörner räumt immerhin ein: "Wenn sich etwas Interessantes entwickelt, dann kann man ja darüber nachdenken."