Ingolstadt: Zum letzten Gefecht
Rücktritt unter Protest: Die Vereinsführung mit (v.l.) Manfred Schuhmann, Angelika Wegener-Hüssen und Georgine Müller vermisst bei Oberbürgermeister Christian Lösel "gutes Benehmen und Wertschätzung gegenüber kulturell engagierten Profis und Laien". - Foto: Rehberger
Ingolstadt

Vorsitzende Angelika Wegener-Hüssen, die Stellvertreter Manfred Schuhmann und Michael Wenk sowie Schriftführerin Georgine Müller und Schatzmeister Kurt Grünberg reagieren damit auf die Absicht der Stadtregierung, in dem Festungsbau ein Gründerzentrum in der Nachbarschaft zur Technischen Hochschule unterzubringen. Dem Oberbürgermeister werfen sie nicht nur "schlechten Stil" vor. Sie kritisieren Christian Lösel in einer Erklärung auch mit dem Satz: "Gutes Benehmen und Wertschätzung gegenüber kulturell engagierten Profis und Laien darf man von der Stadtspitze anscheinend nicht mehr erwarten." Bürgerschaftliches Engagement werde "so sicher nicht gefördert".

Schuhmann sprach am Freitag vor der Presse von einem "nie da gewesenen Vorgang", dass bei einem so grundsätzlich wichtigen Thema die "Mehrheitsbeschaffung nur über die Medien" ablaufen soll. "Wir wissen nichts", schimpfte er. Den Stadträten werde regelrecht ein Ultimatum gestellt, zwei Wochen vor der Sitzung für ein Gründerzentrum im Kavalier Dallwigk zu stimmen. Doch es fehlten dafür jegliche Informationen und Entscheidungsgrundlagen.

Der Antragsentwurf, den Schuhmann meint, ist an den OB gerichtet und soll die Gemeinsamkeit der politischen Gruppen im Stadtrat bei der Unterstützung eines digitalen Gründerzentrums unterstreichen. Eingangs wird in dem Text zwar erwähnt, dass "ein Europäisches Donaumuseum in Ingolstadt weiterhin verfolgt" werden soll. Auf Seite 3 folgt jedoch der Passus: "Wir sind uns weiterhin bewusst, dass nach der bereits erfolgten Prüfung und Verwerfung einer Reihe von Standorten sich für die Bewerbung allein das Kavalier Dallwigk anbietet." Im Schlusssatz wird immerhin noch erwähnt, dass in dem Gründerzentrum an einen "offenen Bereich" für die Bürger gedacht ist.

Die Vereinsführung verwahrte sich am Freitag vor allem gegen den immer wieder geäußerten Vorwurf, dem Donaumuseum würde der Inhalt fehlen. So hatte FW-Fraktionschef Peter Springl von einem "imaginären Museum" gesprochen. Tatsächlich sei schon 2011 eine Vereinbarung mit der Staatlichen Naturkundlichen Sammlung Bayerns über Exponate und wissenschaftliche Beratung geschlossen worden. In einem Prospekt - herausgegeben vom städtischen Kulturreferat - wird zudem als Museumsbestandteil der Außenbereich mit "Freiluft-Fachabteilung, Biotopgarten und Wasserspielplatz" erwähnt.

2011 billigte der Stadtrat ein Konzept für das Donaumuseum im Kavalier Dallwigk. Die Begeisterung für das Projekt war groß. "Sehr gut gelungen" (Eva-Maria Atzerodt, CSU), "Attraktion für die Region" (Gerd Werding, FW), "äußerst spannend" (Barbara Leininger, Grüne), "sehr beeindruckend" (Gudrun Rihl, SPD) - diese Kommentare sind im Protokoll vermerkt.

Für das digitale Gründerzentrum, so fordern die Vereinsvertreter, müsse "in der Stadt ein anderer Ort zu finden sein". Diese Einrichtung müsse nicht unbedingt in der Nähe der Donau angesiedelt sein. "Dafür muss man das Donaumuseum nicht aufgeben."

Vereinsvorsitzende Wegener-Hüssen spricht von einer "kulturfernen Stadtspitze" und einer "Erosion in den Vereinen mit Kulturthemen". Es kämen nur noch "Signale, dass das alles unerwünscht ist".

Mit ihrem Schritt will die Vereinsspitze die Stadträte an ihre Verantwortung am 23. Februar erinnern. "Ein negatives Votum entzieht dem Förderverein jede zukünftige Arbeitsgrundlage."