Ingolstadt: Villa Kunterbunt
Kunst mit Hochdruck: Mehrere Wochen hat Robin Gower an den Bildern für die Ausstellung gearbeitet. Mit dem früheren Sitz der Direktoren der Gießerei an der Ecke Heydeckstraße/Östliche Ringstraße hat sie einen sehr geschichtsträchtigen Schauplatz mitten im Ingolstädter Grüngürtel. - Fotos: Eberl/Schalles
Ingolstadt

Nach Feierabend wird der Lackierraum der Schreinerei Seißler in Oberbrunnenreuth zum Atelier. Der 28-jährige Robin Gower rückt dann mit einer Batterie Sprühdosen an. Hier fertigt der Sprayer seine Kunstwerke - nicht an der Wand, sondern auf Leinwand. Geometrische Formen sind es, grafisch kombinierte Farbflächen. "Make Graffiti Great Again" heißt der Titel der Ausstellung, die er ab Montag, 16. Oktober, in der Villa Heydeck der Öffentlichkeit präsentiert. Street-Art trifft Herrschaftlichkeit, quasi.

Dabei hat sich Graffiti zuletzt von seinem Ruch der Illegalität etwas etabliert, sagt Gower. Zumindest wird Street-Art immer mehr auch als eine Kunstgattung akzeptiert. Auch wenn sie - man denke an den anonymen Künstler Banksy - oft immer noch im Verborgenen und jenseits der Gesetzesgrenzen praktiziert wird. Andererseits wechseln Sprayer auch in Galerien, ihre Arbeiten werden nicht mehr nur an Zügen und Häuserwänden wahrgenommen, sondern auch auf Leinwand und gerahmt. "Das ist eigentlich nichts Besonderes mehr", sagt der Ingolstädter, der in der Szene als Noiz Two bekannt ist. Wie viele andere habe er stets auch auf kleinen Formaten gearbeitet, parallel zu den großformatigen Wandbildern, wie sie in Ingolstadt prominent an der Hall of Fame der Unsernherrner Unterführung zu sehen sind. "Die Hälfte der Leute, die etwa bei der Grand Schmierage dabei waren, können von ihrer Kunst sogar leben", sagt Gower.

So weit ist der 28-jährige Ingolstädter noch nicht. Die Ausstellung in der Villa Heydeck wird seine dritte sein. Den Großteil der Bilder hat Gower eigens für die Ausstellung gesprayt. "Manchmal muss man eines drei, vier Tage liegen lassen und dann weitermachen." Manches gelingt auch nicht, wirkt unruhig und unausgewogen. "Man muss den Moment erwischen, in dem das Bild fertig ist, und nicht darüber hinaus arbeiten."

Wie dem Künstler das gelungen ist, können die Besucher ab Montag selbst beurteilen. Für die Besucher bietet sich dabei die Gelegenheit, auch das Gebäude zu besichtigen. Erbaut wurde das repräsentative Gebäude in den Jahren 1922 und 1923. Hier residierten die Direktoren der benachbarten Gießerei. Später kam das Gebäude in Privatbesitz. Seit Anfang dieses Jahres sind hier 34 Büroarbeitsplätze des Instituts für Akademische Weiterbildung der Technischen Hochschule untergebracht. Dabei ist es der Stadt und der Hochschule wichtig, das geschichtsträchtige Gebäude auch der Bevölkerung zugänglich zu machen. Gowers Ausstellung wird deswegen wohl nicht die letzte in der Villa Heydeck gewesen sein. Die Schau ist unter der Woche von 8.30 bis 17 Uhr zugänglich.