Ingolstadt: "Sehr verblüffend"
Foto: Cornelia Hammer
Ingolstadt

Wohl eher nicht. Aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen an diesen Tagen, an denen in Ingolstadt die Illusion dominiert und Zauberer das Sagen haben - wie am Samstagnachmittag im Westpark.

Der kleine Florian markiert extra die Spielkarte, die ihm Jakob Mathias gibt. Und Florian ist wohl - wie allen anderen Zuschauern - nicht klar, wie genau diese Karte, noch dazu gefaltet, in Mathias' Mund kam, von wo er sie nun hervorholt.

Die elfjährige Elif scheint dagegen einem Trick auf die Spur gekommen zu sein. Wie kann es sein, dass Mathias ein rotes Tuch in seine Faust stopft und dort danach ein Ei statt des Tuches zum Vorschein kommt? Am Maggi, das Elif als "Zaubertrank" darauf getröpfelt hatte, kann es wohl nicht gelegen haben. Nein, das Ei war aus Plastik und hatte an der Rückseite ein Loch, in das der Zauberer das rote Tuch gestopft hatte. Als er jedoch den Trick direkt im Anschluss ein zweites Mal vorführte, holte er sich noch ein Glas dazu, schlug das rohe Ei - und eben nicht ein Plastikei - auf und schüttete Eigelb und Eiklar dort hinein.

"Ich würde gern wissen, wie er das gemacht hat", so Elif, die ja direkt daneben stand. Aber das ist natürlich Zauberergeheimnis. "Spannend war's trotzdem", so die Elfjährige.

Auch Uwe Deja, den der Berliner Zauberer Fabian Weiss zu sich auf die Bühne holte, musste nach dessen Show feststellen: "Man sieht nichts, nicht einmal andeutungsweise." Dabei hatte der Familienvater aus Manching gedacht, dass das anders wäre, wenn man direkt daneben steht. "Aber das ist nicht so, es ist wie im Fernsehen." Spannend ist es umgekehrt aber auch für Weiss, der sich auf Salonzauberei spezialisiert hat und seine Zaubertricks seit 30 Jahren präsentiert. "Es ist immer wieder aufregend, es sind ja immer neue Leute", so der Berliner, der zum ersten Mal bei den Ingolstädter Zaubertagen, den inzwischen zwanzigsten, dabei ist.

Paul Schmidt aus Ingolstadt ist mit seiner Familie öfter mal dabei, wenn es Zaubervorführungen gibt. Er hat alle Zauberer gesehen, die an diesem Tag ihre Kunststücke im Westpark zeigten. So hat er auch dem Ingolstädter Jens Keidel zugeschaut. Auf einem Tablett hat Keidel eine zuvor "erdolchte" Spielkarte verbrannt, deren "Seele" aber aus der verbrannten Asche, die sich Keidel auf den Unterarm gerieben hat, wieder sichtbar wurde. Ein Karo und eine Acht waren dort deutlich zu sehen, eben die Farbe und die Zahl der Karte, die zuvor ein Mitspieler aus einem Stapel gezogen und (ohne dass Keidel sie sah) aufgespießt hatte.

Und während Keidel einen aufgeblasenen, etwa einen Meter langen Luftballon ganz langsam in seinem Hals verschwinden ließ - laut dem Zauberer ein gutes Mittel, um abzunehmen, denn man hat danach vier Stunden keinen Hunger mehr - zieht Schmidt ein positives Fazit der am Samstag gebotenen Straßenzauberkunst. Er habe zwar das eine oder andere Kunststück schon gekannt, aber es seien auch neue Sachen dabei gewesen, "manche davon sehr verblüffend".

Am Sonntagnachmittag nahm dann Martin Mathias in der Eventhalle Dutzende von Kindern mit auf eine abenteuerliche Schiffsreise, bei der Piraten die Besatzung bedrohen und ein schwerer Sturm das Segel zerfetzt. Aber dank des Mutes der Kinder und der Zauberkünste des Kapitäns geht natürlich alles gut aus. Obwohl sich der Kapitän irgendwie nicht erklären konnte, warum es bei der Essensausgabe immer unterschiedlich lange Seile - äh: Spaghetti - gab, obwohl sie doch am Anfang immer gleich lang waren. Irgendwie war es so, als ob dabei Zauberei im Spiel war.