Ingolstadt: Schüler lernen, sich wohlzufühlen
Zielsicher: Die Siebtklässlerin Sevilay von der Mittelschule Auf der Schanz malte an der Station von Anna Greisinger geschickt gespiegelte Linien nach. Dahinter Ursula Becker, die Leiterin des Gesundheitsamts, Rektor Reinhard Beck und Mitschüler. - Foto: Silvester
Ingolstadt

Ganz klar. Oder: Schützt beim Baden das Wasser vor der Sonneneinstrahlung? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil. Und deshalb: immer eincremen!

Jetzt sitzt Sevilay am Tisch von Anna Greisinger, einer Mitarbeiterin des Ingolstädter Gesundheitsamts, und malt in einem kleinen Holzkasten zielsicher zwei Linien nach, die sie nur gespiegelt sieht. "Sehr gut!", sagt die Gesundheitsberaterin. Sevilays Klassenkameradinnen und Klassenkameraden schauen bei der Geschicklichkeitsprüfung fröhlich zu. Sie sind als Nächste an der Reihe.

Beim Sehtest war Sevilay an diesem Vormittag in der Schule auch schon. "Ich habe erst gedacht, dass ich nicht gut sehe, aber es hat sich herausgestellt, dass meine Augen in Ordnung sind", erzählt die Schülerin.

Es geht reihum. Alle Sechst- und Siebtklässler der Mittelschule - zusammen 80 Heranwachsende - durchlaufen den ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Parcours des Gesundheitsamts im Dienste der gesunden Lebensführung. Die städtische Behörde ist mit einem großen Aufgebot in die Schule gekommen: Neun Mitarbeiterinnen besetzen die Stationen. Neben dem Sonnenquiz, dem Sehtest und der Motorikübung mit dem Spiegel ist das unter anderem ein Workshop mit dem Titel "Total easy". Hier simulieren die Schüler auf spielerische Art (20 Sekunden heftiges Kreiseln in einem Drehstuhl) die ernsten Konsequenzen eines Rauschs: böse Gleichgewichtsstörungen. Ein Hüpfspiel soll ebenfalls für die Gefahren des Alkohols und illegaler Drogen sensibilisieren. Bei einer Farbsinnprüfung erkennen die Gesundheitsexpertinnen Schwächen. Ein weiterer Workshop widmet sich dem Anliegen "Nein sagen kann man lernen". Hier erfahren die Jugendlichen, wie man sich dem Gruppendruck entzieht, Stichworte Rauchen / Nikotin.

Gerlinde Boelk testet die Sehkraft der Mittelschüler. "Wenn nötig, geben wir ihnen eine Empfehlung für die Eltern mit, zum Augenarzt zu gehen oder beim Optiker die Brille prüfen zu lassen, denn das Sehvermögen ändert sich", erzählt die Mitarbeiterin des Gesundheitsamts. Ihr Kollege Armin Schätzle ist an diesem Schülergesundheitstag Auf der Schanz für den entspannenden Teil zuständig: Er erzählt ein Märchen, das die Fantasie beflügeln und die Jugendlichen dazu animieren soll, in Ruhe über sich nachzudenken, das Leben zu reflektieren.

Reinhard Beck, der Rektor der Mittelschule Auf der Schanz, freut sich sehr über das Engagement des Gesundheitsamts für seine Schüler. Auch deshalb, weil die gesunde Lebensführung "im Lehrplan fast nicht verankert ist, nur ein bisschen in der Achten in Biologie". Das durch die Schulen wandernde Angebot des Gesundheitsamts vermittle Aufklärung über gesundheitliche Risiken und Ratschläge für Wohlbefinden auf unterhaltsame Art, ohne dabei übermäßig zu dozieren - auch deshalb schätzt Beck den Schülergesundheitstag sehr.

"Gesundheit ist viel mehr als die Abwesenheit von Schmerzen, nämlich körperliches und seelisches Wohlbefinden", sagt Ursula Becker, die Leiterin des Gesundheitsamts. Es gehe vor allem darum, Neugierde auf eine gesunde Lebensführung zu wecken und Informationen darüber zu liefern. "Deshalb haben wir vieles spielerisch eingebaut", erzählt die Ärztin. Ihr Team war mit diesem Angebot schon in der Volksschule Friedá †richshofen und der William-Herschel-Schule zu Besuch. Die gewonnenen Erfahrungen dienen der Verbesserung. "Was gut gelaufen ist, übernehmen wir." Die Gesundheitstour durch die Schulen geht weiter.