Ingolstadt: "Stratege mit großem Weitblick"
Der Brückenschlag bei der gemeinsamen Wehrübung von Deutschen und Franzosen auf der Donau bei Kelheim am 24. September 1987 ist ein Stück Geschichte: Beim Besuch von Bundeskanzler Helmut Kohl und des französischen Präsidenten François Mitterrand (von rechts) verhinderte Manfred Dumann (zweiter von links) mit gutem Zureden und seinen Kontakten eine Blockade. ‹ŒArch - foto: Wolf
Ingolstadt

Von 1974 bis 1990 saß Manfred Dumann (CSU) für den Wahlkreis Eichstätt im Bayerischen Landtag. Der Landershofener ist nicht nur ein Kenner der Parteiengeschichte von CSU und CDU, der gebürtige Ingolstädter hat sie seit seinem Beitritt in die Ingolstädter Junge Union 1954 durchaus in Ämtern und internen Kreisen aktiv mitgestaltet.

Den am Freitag verstorbenen Helmut Kohl hatte Dumann 1969 kennengelernt. Keine zwei Wochen, nachdem Dumann am 1. Mai 1969 als Bundesgeschäftsführer der Jungen Union vom Landesverband in München nach Bonn gewechselt war, hatte ihn der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident in die Staatskanzlei nach Mainz eingeladen: "Wir haben auch über Persönliches geredet, über unsere Familien. Ich habe zwei Flaschen Wein geschenkt bekommen, eine habe ich heute noch", erinnert sich Dumann - pfälzischer Weißwein, was sonst? Doch Kohl sei es mit der Einladung natürlich nicht nur um Geselligkeit gegangen, das war dem Gast durchaus klar: Dumann war als Bundesgeschäftsführer der Jungen Union ein Bindeglied zwischen CSU und CDU, "und Kohl wollte mit mir auch einen Draht in die CSU hinein haben". Der damals noch junge und ambitionierte CDU-Ministerpräsident habe sich aus der JU, der gemeinsamen Jugendorganisation der Bundes-CDU und der bayerischen CSU, eine "Mannschaft" zusammengestellt. Dumann zählt hier unter anderem Heinz Riesenhuber und Rudolf Seiters - spätere CDU-Minister - sowie den damaligen JU-Vorsitzenden, Egon Klepsch, auf, der dann seinerseits Dumann nach Bonn geholt hatte.

"Ich habe seit Konrad Adenauer vor und nach Kohl keinen Politiker mehr kennengelernt, der einen so großen Weitblick hatte wie Helmut Kohl", sagt Dumann, der bis zum heutigen Tage das politisch-strategische Geschick Kohls bewundert.

Helmut Kohl habe es ihm nie übelgenommen, dass sich Dumann als Präsidiumsmitglied beim CDU-Bundesparteitag in Saarbrücken im November 1971 nicht für ihn, sondern für Rainer Barzel ausgesprochen hatte. Barzel hatte die Wahl um den Bundesvorsitz der CDU damals gewonnen, weil er schon im Bundestag in Bonn war, Kohl war noch Ministerpräsident in Mainz. "Kohl hatte das richtig verstanden und seine Schlüsse gezogen", erinnert sich Dumann; wie auch bei der legendären Rivalität mit dem Bayern Franz Josef Strauß. "Kohl wusste, dass ich ein ,Strauß'-Mann war", sagt Dumann.

Er ist es bis heute. Wenn Dumann allerdings davon spricht, wie Kohl dem bayerischen Widersacher 1980 den Vortritt bei der - bekanntlich erfolglosen - Kanzlerkandidatur gelassen hatte, schwingt durchaus Anerkennung für den Pfälzer mit: "Kohl war jünger als Strauß, er wusste, er konnte warten." Zwei Jahre später wurde dann Helmut Kohl Bundeskanzler - der Rest ist buchstäblich Geschichte. Dumann ist dem Bundeskanzler immer wieder auch persönlich begegnet. Etwa beim 60. Geburtstag des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl 1992 oder bei der großen gemeinsamen Wehrübung von Deutschen und Franzosen - Codename "Kecker Spatz" - im September 1987, als Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand die Übung in Kelheim mitverfolgt haben. Der damalige Landtagsabgeordnete Dumann war als Oberstleutnant der Bundeswehrreserve mit dabei und hatte über seine Arbeit bei MBB/Eurocopter im Hintergrund einige Kontakte hergestellt. Und Dumann war es, der damals durch gutes Zureden eine Blockade der Donaubrücke durch Gegendemonstranten verhindert hat: Auf der Gegenseite saß der ehemalige Bundeswehroffizier und Grünen-Abgeordnete Alfred Mechtesheimer, der mit Mitgliedern der Friedensbewegung den Brückenbesuch der beiden Staatsmänner blockieren wollte. "Ich habe ihm gesagt, dass er damit seine ehemaligen Kameraden in große Gewissenskonflikte bringt", erinnert sich Dumann. Deshalb habe es keine Blockade gegeben: Die Bilder der beiden Staatsmänner beim Besuch der gemeinsamen Wehrübung an der Donau gingen ungestört um die Welt. Dumann bekam eine Belobigung für seinen vermittelnden Einsatz hinter den Kulissen und hatte das Foto davon über Jahrzehnte in seinem Büro.