Ingolstadt: Ein "Schmollis" auf die Ludovicia
Foto: Johannes Hauser
Ingolstadt

Nach dem Einzug der "Chargen", also der farbenprächtig gekleideten Abordnungen der einzelnen Verbindungen, die von "Philistersenior" Franz Schabmüller sen. begrüßt wurden, stellte CSU-Stadträtin Dorothea Soffner - nach dem Blick auf die Ludovicia-Homepage - in ihrem Grußwort vor der "Corona" (Versammlung) fest, dass sie dringend ihren Wortschatz erweitern müsse. Sie lobte aber auch die Ludovicia, dass sie in einer Zeit der Schnelllebigkeit mit ihrem hierarchischen System und ihrer eigenen Sprache "ein wichtiges Stück unserer Kultur" bewahre. Die Verbindung sei damit nicht nur seit 95 Jahren ein wichtiger Baustein der Ingolstädter Kulturlandschaft, sondern trage diese Werte auch in die Stadtgesellschaft hinein. Soffner hob dabei das Ludovicia-Projekt, studentischen Wohnraum zu fördern und zu schaffen, als "vorbildlich" hervor.

Weil laut Senior Martin Huber-Nischler, der den "Festkommers" moderierte, "Bier schon immer ein sehr priorisiertes Thema bei Ludovicia" gewesen und der Gerstensaft außerdem durch das Jubiläum "500 Jahre Reinheitsgebot" derzeit ohnehin in aller Munde sei, war das Thema des Festvortrags quasi vorgegeben.

Oswin Dotzauer, der in den vergangenen Monaten als Herzog Wilhelm IV. bereits unzählige Male das Reinheitsgebot verkündet hatte, zeichnete dabei noch einmal die Biergeschichte Ingolstadts nach, nicht ohne seinen Blick verstärkt auf das Verhältnis von Studenten zu Bier zu richten.

Dass beispielsweise im 17. Jahrhundert über 40 Brauereien innerhalb der Stadtmauern Ingolstadts existierten (bei 5000 Einwohnern), bedeute nicht, dass die Einheimischen "komplette Säufer" gewesen seien, so Dotzauer. Auch die Soldaten und die Studenten hätten ihren nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet. Umgekehrt seien die Geschäfte der Brauereien immer schlechter gelaufen, nachdem nach und nach die 1472 in Ingolstadt gegründete erste bayerische Landesuniversität nach Landshut verlegt worden sei, das Priesterseminar vom Georgianum abgewandert und die Festung geschleift worden war. "Die Wissenschaft hat von 1800 bis 1990 in Ingolstadt eine Pause gemacht", so der Referent. Erst mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Technischen Hochschule habe sich der Kreis wieder geschlossen. Seitdem lebten Wissenschaft und Gerstensaft in Ingolstadt wieder in Koexistenz.

Darauf ein "Schmollis", also ein Schluck "guten, gesunden, wohlschmeckenden Lebensmittels", vulgo: Bier.