Theater am Flugplatz Manching
Ein Düsenjet und ein Pferdeskelett bilden die Requisite für das Stück "Am Boden", das am Flugplatz Manching aufgeführt wird. In der von Peter Baustetter an Audi vermieteten Halle werden sonst noch weitere Flugzeuge untergestellt.
Eberl
Ingolstadt

"Warme Kleidung nicht vergessen", rät das Stadttheater allen Besuchern. Denn Schauplatz der Aufführung von "Am Boden" des US-amerikanischen Dramatikers George Brant ist eine Halle am Hangar des zivilen Bereichs am Flugplatz Manching. Zur General Aviation 2 lautet die Adresse, und das ist ganz hinten am Ende der Rollbahn, bei der Abzweigung gegenüber von Westenhausen.

In dem Einpersonenstück geht es um eine Kampfpilotin der US Airforce, die schwanger wird und nach der Geburt ihres Kindes versetzt wird. Sie sitzt in der Wüste und bedient per Joystick eine Drohne, mit der sie Terroristen in Afghanistan jagt. Doch sie kann auf Dauer die Rolle der jungen Mutter mit der einer Drohnenpilotin nicht verbinden, das Drama nimmt seinen Lauf. Das Stück wurde bereits auf mehreren deutschen Bühnen mit großem Erfolg aufgeführt.

"Im Frühsommer kam die Anfrage des Stadttheaters", erinnert sich Peter Baustetter, Geschäftsführer der IMA (Ingolstadt-Manching Airport GmbH), der Gesellschaft zur zivilen Mitbenutzung des Flugplatzes Manching. Dem ungewöhnlichen Anliegen wollte er sich nicht verschließen, geht es doch um die hohe Kultur. "Das Problem war nur: Alle Hallen sind vermietet", erzählt Baustetter. Nach einigem Hin und Her konnte er das Theater davon überzeugen, von einer zunächst ins Auge gefassten Blechhalle Abstand zu nehmen: Diese ist nämlich nicht beheizbar, was die Aufführungen im Winter zu einer recht frostigen Angelegenheit gemacht hätte. Schließlich stellte Audi eine von ihr angemietete Halle zur Verfügung. Auf rund 20 Grad klettert dort das Thermometer, zumindest, wenn die großen Tore geschlossen bleiben. Andernfalls wird's ziemlich rasch kalt.

Rein logistisch bedürfen Spiel- und Flugbetrieb selbstredend einer gewissen Abstimmung, wie sich bei den Proben gezeigt hat. "Bühne" und die Stühle für die Zuschauer brauchen natürlich einen gewissen Platz. "Während der Vorstellungen müssen zwei Flugzeuge raus", sagt Baustetter, was aber schwieriger ist, als es sich anhört: Die Flugzeuge können bei den jetzigen Temperaturen nicht im Freien stehenbleiben, da sie sonst vereisen könnten. Ein Flugzeug soll dagegen immer in der Halle bleiben, es ist Teil der Inszenierung. Umgekehrt müssen die Requisiten weg, wenn Flugbetrieb ist.

Während der Vorstellungen übernimmt die IMA die Führung der Zuschauer zur Halle und wieder zurück. Die meisten Besucher dürften vermutlich ziemlich überrascht sein, wenn sie zum ersten Mal das IMA-Gebäude betreten. Denn das ist wie ein Flughafen im Kleinen - mit Pass- und Zollkontrolle (falls erforderlich), Lounge und allem, was dazu gehört. Rund 80 000 Fluggäste im Jahr zählte die IMA zuletzt. Der Flugplatz wird von der Bundeswehr betrieben, steht aber auch für die zivile Nutzung zur Verfügung. Im zivilen Bereich wird Manching in erster Linie für Shuttleverkehrsflüge sowie für den Werksverkehr von Audi benutzt.

ZUSATZVORSTELLUNGEN

Die Produktion, die ursprünglich mal als eher klein angedacht war, hat sich längst zu einem umfangreichen Projekt entwickelt: Zur Ausstattung des Ein-Personen-Stücks um eine auf den Boden (der Tatsachen) versetzten US-Kampfpilotin gehören mittlerweile auch Video, Sounddesign und ein Busshuttle mit gesonderter Einstimmung auf die Vorstellung, der die Gäste zum Flughafen bringt. Und weil die geplanten fünf Vorstellungen in Kürze ausverkauft waren, bietet das Stadttheater nun noch drei zusätzliche - am 15., 17. und 19. Dezember - an. Gekauft werden können die Karten, zu denen man Tickets für den Busshuttle ordern kann, nur persönlich an der Kasse.

Der Busshuttle geht um 19.30 Uhr am Stadttheater weg, die Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.

Pkw-Parkplätze sind am Manchinger Hangar ebenfalls vorhanden. | DK