Ingolstadt: Die Schotten sind da
Ein Prosit auf die Freundschaft: Am Freitag wurde die schottische Delegation aus der Partnerstadt Kirkcaldy im Historischen Sitzungssaal empfangen. Einige waren in traditioneller Tracht angereist (oben). Auch der Vorsitzende des schottischen Freundschaftsvereins "Kia", Robert Maine, trug Kilt. Er überreichte Kulturreferent Gabriel Engert nachträglich zum 60. Geburtstag ein Buch über Schottland. - Fotos: Hammer
Ingolstadt

So manch ein Passant wird sich am Freitagvormittag gewundert haben, als ein Duett aus Dudelsack und Marschtrommel den Rathausplatz mit unverwechselbar schottischen Klängen beschallte. Anlass war jedoch nicht eine standesamtliche Trauung, sondern der Empfang der Delegation aus Kirkcaldy. Im mittlerweile 55. Jahr des städtepartnerschaftlichen Bestehens werden an diesem Wochenende gleich zwei Jubiläen gefeiert: Seit 1982 gestalten der Stadtjugendring und die christliche Jugendorganisation YMCA aus Kirkcaldy Austauschprogramme, seit 1997 gibt es die Freundschaftsvereine "Finky" (Freundschaftsverein Ingolstadt-Kirkcaldy) und dessen schottisches Pendant "Kia" (Kirkcaldy-Ingolstadt Association). Gemeinsam fördern sie einen intensiven Austausch unter den Bürgern der jeweiligen Städte.

Direkt im Anschluss an die offizielle Begrüßung im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses, bei der sowohl Kulturreferent Gabriel Engert (auf Deutsch) als auch der Vorsitzende von "Kia" , Robert Maine, (auf Englisch) mithilfe von Simultandolmetscher und Stadtsprecher Michael Klarner begeistert die langjährige Partnerschaft lobten und die europäische Einheit beschworen, ging es zum gemütlicheren Part über. Nach einem Glas Sekt im Sitzungssaal machten sich die 28 Schotten samt der Ingolstädter Kirkcaldy-Freunde in ein nahe gelegenes Café auf, wo eine traditionell-bayerische Brotzeit auf sie wartete. Vor allem für die jungen Schotten, die am Freitagmorgen das erste Mal bayerischen Boden betreten hatten, dürfte das ein positiver Kulturschock gewesen sein.

Die Gäste waren in der Mehrzahl jedoch echte Ingolstadt-Experten. Jim Cooper etwa, der 1967 das erste Mal auf die Schanz kam und sich am Freitag nach dem Empfang an die Anfänge der Freundschaft vor 50 Jahren erinnerte: "Die junge Generation hatte damals keine Ahnung von den Deutschen, für uns waren das seit dem Krieg immer die Bösen", erinnerte sich der heute 77-Jährige. Cooper folgte als Betreuer einer Fußballmannschaft der Einladung vom ESV, die Schlüssel für die Jugendherberge erhielt er seinerzeit noch von OB Otto Stinglwagner - der Beginn einer langen und intensiven Freundschaft, wie die Protagonisten gestern zu betonen nicht müde wurden.

Auch Robert Maine, Vorsitzender des Freundschaftsvereins "Kia" in Kirkcaldy, ist schon etwa 100-mal in Ingolstadt gewesen. Der 63-Jährige, der schon zu Schulzeiten Deutschunterricht genoss, war gestern in traditioneller schottischer Tracht im Alten Rathaus. Seine Noten waren immer gerade dann gut, wenn er von einem Besuch auf der Schanz zurückkehrte, wie er scherzhaft erzählte. Zudem habe Bayern ihm das Bier nahegebracht - eine echte Bereicherung. Das Kirkcaldy-Bier-Festival wird bekanntermaßen im zweijährigen Turnus in Schottland gefeiert. Dort möchte Maine nächstes Jahr auch sein persönliches 50. Freundschaftsjahr mit Ingolstadt zelebrieren.

Ganz im Zeichen der Freundschaft wurde abends in der Fronte 79 gefeiert - mit "ausreichend Bier", wie der "Finky"-Vorsitzende Klarner unter Gelächter betonte. Dazu schottische (Volks-)Musik. Am heutigen Samstagabend werden die jungen Musiker aus Kirkcaldy ab 21 Uhr außerdem im Irish-Pub Shamrock in der Innenstadt spielen. Zuvor erhalten die Gäste eine Ingolstädter Sightseeing-Tour. Das Motto für das Wochenende wurde bereits am Freitag ausgerufen: "Auf weitere 55 Jahre!"