Ingolstadt: Der mysteriöse Wagen
Verwitterte Strafzettel sind unter den Scheibewischern zu finden. Laut einem Augenzeugen seien einige mehr verhängt worden, die aber im Lauf der Zeit schon abgefallen wären.
Ingolstadt

Wenn es um verlässliche Fakten geht, dann kommt man in Ingolstadt an Hans Fegert nicht vorbei. Der Heimatchronist hat große Teile der Schanzer Kriegs- und Nachkriegsgeschichte dokumentiert. Und er ist auch Zeitzeuge für einen höchst ungewöhnlichen Vorgang, der sich in jüngster Zeit im Bahnhofsviertel abspielt: der vom mysteriösen Wagen. Zweimal am Tag kommt Fegert beruflich an die Post am Hauptbahnhof. Gerade zu den Stoßzeiten sind die Parkplätze dort rar. Fegert wurde deshalb schnell auf ein Auto aufmerksam, das offensichtlich ununterbrochen auf derselben Stelle parkte. Und das, obwohl dort nur 30 Minuten erlaubt sind.

"Der steht schon seit August dort", weiß Fegert zu berichten, als er das Auto mit dänischem Kennzeichen anspricht, das jetzt auch die Polizei beschäftigt. Warum erst so spät, das kann sich der Augenzeuge nicht ganz erklären. Er habe schon bald und mehrfach den Verkehrsüberwachungsdienst, der die Strafzettel ausstellt, auf den Wagen angesprochen. "Der hatte schon ein paar Strafzettel dran, die sind schon wieder runtergeflogen", berichtet Fegert.

Auch jetzt Anfang Februar hängen dort zwei rote Mitteilungen der städtischen Aufschreiber, die den Fahrzeughalter auf die Ordnungswidrigkeit hinweisen, die er begangen hat. Auch ein Zahlschein des hiesigen Polizeipräsidiums ist unter dem Scheibenwischer zu finden. Alle Sachen sind so verwittert, dass sich kein Datum mehr erkennen lässt.

Im Fahrzeuginneren sieht es auch wüst aus. Dort findet sich beim Blick durch die Scheibe der Müll eines Fast-Food-Restaurants im Fußraum zusammen mit Zigarettenschachteln (mit tschechischem Aufdruck) und anderer Unrat. Das legt die Vermutung nahe, dass das Auto vielleicht vorsätzlich aufgegeben wurde. Möglicherweise setzten sich der oder Fahrer in den Zug und ließen Ingolstadt einfach hinter sich.

Die Ingolstädter Polizei kann bisher auch nur Mutmaßungen anstellen. Bei ihr ist der Fall gerade erst gelandet, wie Franz Bäumler bestätigt, der Verkehrsexperte der Inspektion. Man sei vom städtischen Überwachungsdienst auf den Dauerparker aufmerksam gemacht worden. Bäumler wird sich Anfang der Woche selbst ein Bild machen, sagt er im DK-Gespräch. Danach werde man versuchen, den Halter ausfindig zu machen. "Das ist bei einem Dänen nicht ganz einfach." Wenn das nicht gelingt, oder der Halter nicht reagiert, wird der Wagen irgendwann abgeschleppt und bald darauf "verwertet", wie Bäumler sagt. Das heißt: verschrottet. "Damit der Steuerzahler nicht auf den Kosten für die Abschleppung sitzen bleibt."Aber bis es so weit kommt, werde noch die Geschichte des Wagens ermittelt. Nicht dass das Auto noch ein Geheimnis bereithält.