Die Mischung aus Informationen, Kultur und dem Auftritt eines - oft prominenten - Künstlers, Wissenschaftlers oder Politikers hat in Ingolstadt inzwischen gute Tradition anlässlich des Tages der Menschenrechte. Genauer gesagt: Die Veranstaltung am Sonntag, 10. Dezember, gibt es in dieser Form bereits seit 20 Jahren. Außer Amnesty engagieren sich auch viele andere Vereine und Organisationen der Stadt.

"Das war damals eine euphorische Stimmung", erinnert sich Gudrun Rihl an die Premiere im Jahr 1997. Die ehemalige SPD-Stadträtin war von Anfang an treibende Kraft sowohl bei der Ingolstädter Amnesty-Gruppe als auch der Gestaltung des Tages der Menschenrechte, wie die Ingolstädter ihn im Theaterfoyer seit 20 Jahren kennen. In anderen Räumen, etwa der Neuen Welt, habe man es vorher versucht, erzählt Rihl. Doch dann kam die Überlegung: "Sollen wir es nicht in größerem Rahmen und zusammen mit einer Informationsbörse machen"

Unterstützer mit ähnlichem Anliegen gesellten sich dazu - vom damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Büttner bis zu Intendant Ernst Seiltgen, vom Sozialdienst katholischer Frauen über den DGB und den Weltladen bis zur Friedensbewegung. "Das war", glaubt die Initiatorin, "irgendwie ein glückliches Zusammenspiel von Interessen."

Erster Hauptredner war 1997 Friedrich Kraft, seinerzeit Redaktionsleiter des DONAUKURIER. Ihm sollten in den nächsten 20 Jahren viele bekannte Fürsprecher und Mahner zum Thema Menschenrechte folgen. Die Politiker Heiner Geißler, Hans Koschnik, Gerhart Baum, Marieluise Beck und Avraham Burg waren dabei, die Schriftsteller Gert Heidenreich, Roger Willemsen und Ruth Weiss, die AI-Generalsekretärin Barbara Lochbihler, der Richter am UN-Strafgerichtshof in Den Haag, Wolfgang Schomburg, die kenianische Autorin Auma Obama, Halbschwester von Barack Obama, und der Islamwissenschaftler Milad Karimi. An diesem Sonntag wird der Theologe und Soziologe Jürgen Micksch (Foto) in seiner Rede über "Menschen auf der Flucht - eine Jahrhundertaufgabe" sprechen.

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." So beginnt Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, verabschiedet am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen. "Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen." Die Brisanz dieses Appells dürfte nicht nur, aber auch den Ingolstädtern selten so bewusst gewusst geworden sein wie in den vergangenen Wochen. Die Massenunterkünfte für Flüchtlinge vor der Haustür erinnern Tag für Tag daran.

Das Programm am Sonntag

Ab 10.30 Uhr Euro-orientalische Musik mit dem Royal Street Orchestra.

11 Uhr: Begrüßung durch Gudrun Rihl (Amnesty International Ingolstadt).

11.15 Uhr: Rede von Jürgen Micksch (Pro Asyl).

12.30 Uhr: Royal Street Orchestra.

An der Informationsbörse stellt eine Katherl-Projektgruppe sich vor (siehe Bericht unten).

Bewirtung durch das Alevitische Kulturzentrum, den Jugendmigrationsdienst und das Theaterrestaurant.