Ingolstadt: "Das größte Raubtier ist der Mensch"
Ein historisches Fachwissen hat sich Christian Pretzlik seit seiner Kindheit angeeignet. Fachbücher, Dokumentationen und Museumsbesuche bilden die Grundlage für seine Kurzgeschichten. - Foto: Meier
Ingolstadt

Es handelt sich hier nicht um die Handlung eines Kinofilms, sondern um die Einleitung einer historischen Kurzgeschichte von Christian Pretzlik. "Der Henker" ist eine Erzählung aus vergangenen Zeiten und beschreibt den tragischen Beruf einer gesellschaftlichen Randgruppe.

"Ich sehe die Figuren und Bilder in meinem Kopf", erklärt Pretzlik. Sie entstehen beim Lesen von Sachbüchern oder beim Schauen von Dokumentationen, die Eindrücke bringt er anschließend zu Papier. Momentan sind es noch Kurzgeschichten, aber Pretzlik arbeitet an seinem ersten historischen Roman. Das Schreiben hat er durch einen tragischen Unglücksfall für sich entdeckt. Als er mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit war, wurde er von einem Auto angefahren. Die Folgen: Arthrose am Fuß und chronische Schmerzen im Nacken und Kopf. Für eine Umschulung sei er zu alt gewesen und bedingt durch seine Verletzung auch nicht mehr vermittlungsfähig, erklärt er. Dank eines Orientierungskurses entdeckte er schließlich seine Leidenschaft fürs Schreiben.

"Für Geschichte habe ich mich schon als kleines Kind interessiert", erinnert sich der 46-Jährige. Damals seien es die Wikinger gewesen, die ihn mit ihren imposanten Holzschiffen und Schwertern in ihren Bann gezogen hätten. "Ich habe immer sehr viele ,Was ist was'- Bücher gelesen." Bei den Wikingern sollte es aber nicht bleiben. Von der amerikanischen Geschichte bis hin zur Historie Asiens kann Pretzlik aus vielen verschiedenen Epochen erzählen. Besonders faszinierend findet er die Entwicklung der Waffen. "Ich war als Kind mit meiner Oma in einer Folterkammer in Augsburg", erzählt der gelernte Fachlagerist von einem Museumsbesuch. Schon als 13-Jähriger habe er sich für alte Waffen interessiert. "Das größte Raubtier ist der Mensch", betont Pretzlik .

Der Henker trennt nach dem Schuldspruch mit einem geschickten Hieb den Kopf vom Rumpf. "Ein großer Blutstrahl schoss aus dem Halsstumpf und ergoss sich über das Blutgerüst. Der Kopf fiel mit zuckenden Augenlidern in einen Korb", schreibt Pretzlik in der Geschichte. Grundsätzlich entwickelt der Autor mögliche Außenseiter und erklärt den historischen Hintergrund: "Der Henker stand am Rande der Gesellschaft. Keiner wollte etwas mit ihm zu tun haben, aber die Gesellschaft brauchte ihn."

Der Henker hingegen sieht seinen Beruf vielmehr als Verpflichtung an. Nach getaner Arbeit geht er nach Hause und "sann über sein Leben und seine Tätigkeit nach". Denn: "Scharfrichter gehörten zu den Berufen, die zwar notwendig aber für die damalige Gesellschaft als unrein erachtet wurden." Solche Randgruppen nimmt Pretzlik in seinen Kurzgeschichten in den Fokus und lässt sie trotz ihrer unangenehmen Tätigkeit sympathisch wirken.