Am Freitag war der Auftakt.

Fotostrecke: Das StartupKAP - Team stellt sich vor

Aus der Finsternis der Gebüsche heraus weisen bunt illuminierte Bogenfenster wie freundlich gesinnte Irrlichter den Weg hin zum Festungsgraben. Dort, verschanzt hinter unwirtlich erscheinenden Mauern, verbirgt sich ein fast schon elfenhafter Ort, der sich von außerhalb so kaum erahnen lässt. Mittlerweile hat es sich weithin herumgesprochen: Seit anderthalb Jahren ist ein neuer Geist in die ehemalige Batterie 94 eingezogen. Entfacht haben ihn junge und jung gebliebene Kunstschaffende aus Ingolstadt. Doch aller Anfang ist schwer; das mussten auch sie erfahren. Nun hat man sich neu aufgestellt - mit neuen Ideen und Konzepten. Einen ersten Eindruck davon vermittelte der Freitagabend, an dem sich die Kunst- und Kulturwerkstatt der Öffentlichkeit vorstellte.

Den zahlreichen Besuchern eröffnete sich ein Gewölbe voller fantastischer Welten aus Lichtkunst, Musik, Malerei, Plastiken sowie edler Holz- und feiner Schmuckarbeiten. Dazu gab es auf der Bühne umjubelte Performances mit Tanz und eindrucksvollen Lichteffekten. Hingerissen zeigte sich das Publikum von den Darbietungen der Gruppen ArtAxis und Glow-Connection. Die Zuschauer forderten begeistert Zugaben. Da war auch der eher bieder wirkende Sektempfang am Eingang vermutlich schnell wieder vergessen.

Oberbürgermeister Christian Lösel, der seine Teilnahme sehr zur Freude der Gastgeber zugesagt hatte, würde wohl auch am Sehrohr auf der Nautilus statt im Rathaus auf dem Chefsessel eine gute Figur machen - als Kapitänleutnant im schwarzen Anzug quasi. Kultur-Kap-Vorsitzende Paula Gendrisch zeigte ihm auf dem Rundgang durch die Künstlerateliers, den der OB interessiert auf sich wirken ließ, das röhrenförmige, einem Periskop nachempfundene Guckloch nach draußen, durch das der Beobachter einen Blick wagen konnte - hinauf auf den in der Dunkelheit liegenden, wilden Dachgarten über dem Kap. Gleich daneben klapperte eine alte Schreibmaschine, und poetische Gedanken flossen nur so aufs Papier. Wie profan wirkten im Gegensatz dazu die Kanapees und Brezen auf dem Buffet schräg gegenüber. Begehrt waren sie trotzdem - kulturelle Nahrung hin oder her.

Da geriet auch der Rathauschef ins Schwärmen. "Toll, was hier an eigener unentgeltlicher Leistung geschaffen worden ist", sagte er auf der Bühne. Die Vision vom kulturellen Zentrum für die freien Künste sei "sehr ehrenwert". Entsprechend versuche die Stadt, dies zu unterstützen.

Zuvor nannte Gendrisch in ihrer Begrüßung das Kap einen "Ort der offenen Türen", der künftig mit seinen Workshops, Werkstätten und Veranstaltungen "über die Stadtgrenzen hinaus" auf sich aufmerksam machen möchte. Sie wünschte sich intensivere Kooperationen mit den Kulturinstitutionen in Ingolstadt.

Gekommen war auch Ernst Aichner. Der Vorsitzende des Fördervereins Bayerische Landesfestung Ingolstadt fungierte als Namensgeber für das Kap 94. Seine Botschaft: Möglichst viele Festungsbauten sollten erhalten bleiben. "Das geht oft nur, wenn sie eine neue Nutzung finden", sagte er und zeigte sich mit der gefundenen Lösung vollauf zufrieden. Die Musik dürfe hier ruhig laut sein, beruhigte er die Kap-Leute. Die Mauern seien so dick, dass nichts Schaden nehmen würde.