Besonders groß war der Jubel, als Svenja Huth (15. Minute), Dzsenifer Maroszan (18.), Kathrin Hendrich (35.), Tabea Kemme (45./80.) und Kristin Demann (89.) Treffer für Deutschland erzielten.
Besonders groß war der Jubel, als Svenja Huth (15. Minute), Dzsenifer Maroszan (18.), Kathrin Hendrich (35.), Tabea Kemme (45./80.) und Kristin Demann (89.) Treffer für Deutschland erzielten.
Hammer
Ingolstadt

Neben den DFB-Frauen stehen Kinder mit ernsten Gesichtsausdrücken – die Aufregung darüber, gleich mit den Fußballspielerinnen auf den Platz zu rennen, ist vermutlich zu groß, um zu lächeln. Nicht nur die Einlaufkinder sind an diesem Samstagnachmittag im Audi-Sportpark aufgeregt. Auch die Nationalelf steht unter Druck: Bundestrainerin Steffi Jones muss mit ihrer Mannschaft Wiedergutmachung leisten – das DFB-Team kassierte im EM-Viertelfinale im Juli eine überraschende Niederlage gegen Dänemark. Im Laufe des Samstagnachmittags wird sich zeigen, dass Kapitänin Dzsenifer Maroszan und ihre Kolleginnen die bittere Niederlage überwunden haben.

Bereits zu Spielbeginn wird deutlich, wer den Ton auf dem Feld und auf der Tribüne angibt: Die DFB-Frauen und die deutschen Fußballfans. Zwar ist das Stadion nur dürftig gefüllt, trotzdem feuern die Fans ihre Mannschaft lautstark an. Dabei erreicht die Frauenquote an diesem Tag im Audi-Sportpark ein neues Rekordhoch. Denn: Die Plätze auf den Tribunenrängen teilen sich eindeutig Frauen mit ihren Kindern – eben ein sportlicher Familienausflug.

Der vierjährige Joschua sitzt mit Mütze, Deutschlandschal und dicker Jacke neben seiner Mama. Veronika Schönsteiner hat mit ihrem Sohn eine rund zweistündige Autofahrt auf sich genommen, um die DFB-Frauen zu sehen. „Ich habe selbst vier Jahre lang Fußball gespielt“, sagt die Frau aus Altötting. Sie war bereits auf mehreren Spielen der Frauennationalmannschaft. Für Joschua ist es eine Premiere. „Ihm gefällt es sehr“, sagt die Mutter, während der Kleine schüchtern daneben sitzt – wie das mit vier Jahren manchmal so üblich ist.

Hammer, Cornelia, Ingolstadt
Ingolstadt

Während Joschua still seine Fahne schwingt, feuern andere Kinder die DFB-Frauen lautstark an: „Deutschland, Deutschland, Deutschland“, schreien sie von ihren Plätzen. Zwischendurch rufen sie immer wieder nach Paule, dem DFB-Maskottchen. Der Adler läuft oft am Spielfeldrand auf und ab. Winkt den Fans zu und feuert die Mannschaft mit an.

Im Gegensatz zu den Kleinen halten sich die männlichen Fußballfans eher zurück – die stillen Beobachter. „Wenn man schon einmal die Chance hat, die live zu sehen“, antwortet Ulrich Bareis auf die Frage, warum er heute das Spiel anschaut. Im Fernsehen verfolgt der Ingolstädter manchmal die Frauen-Europameisterschaft. Schließlich gibt Bareis eine kleine Spielanalyse ab: „Die Slowenen sind gut in der Verteidigung. Die Deutschen müssen schneller spielen.“

Hammer, Cornelia, Ingolstadt
Ingolstadt

Ingrid Sommer ist von den deutschen Frauen vollauf begeistert. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie oft in der Audi-Sportarena und schaut sich die Spiele an. Die DFB-Frauen seien aber etwas Besonderes. „Wenn die schon einmal in Ingolstadt sind, dann muss man sich die auch anschauen“, betont die Ingolstädterin euphorisch. Ihr Mann sitzt ruhig neben ihr in der ersten Reihe. Das sei auch während des Spiels so, betont Ingrid Sommer. Während sie sich in jeden Spielzug hineinsteigert, sitzt ihr Mann entspannt daneben.

Einen weiteren Weg zum Stadion hatte Melissa Wegert. Gemeinsam mit ihrer Fußballmannschaft ist sie aus Weißenfeld (Landkreis Ebersberg) nach Ingolstadt gefahren. Von dem Spiel ist sie begeistert; allerdings findet sie es schade, dass so wenige Fans gekommen sind. Ein Grund sei die fehlende Akzeptanz, dass Frauen auch Fußball spielen. Andererseits liege es auch an der mangelnden Werbung für ein solches Spiel, betont die 20-Jährige. Während sie ein solch ernstes Thema anspricht, hält es ihre Mannschaftskolleginnen kaum noch auf den Sitzen. Denn: Tabea Kemme schießt in der 45. Minute das vierte Tor für Deutschland.

Hammer, Cornelia, Ingolstadt
Ingolstadt

Unter Melissa Wegert und ihren Freundinnen hat sich eine kleine Gruppe slowenischer Fans gemischt. Allerdings haben sie nicht den weiten Weg wie die slowenische Mannschaft zurückgelegt, sondern kommen aus Ingolstadt. Der Deutsch-Slowenische-Kulurverein hat Freikarten verteilt. Andere slowenische Fans sind unter der überschaubaren Zahl an Zuschauern nicht zu finden.

Am Ende entscheiden die DFB-Frauen mit einem 6:0-Sieg das Spiel für sich. Am Dienstag kommt es in Usti nad Labem zum Spitzenspiel beim Tabellenführer Tschechien.