Der Albaner habe während seiner Zeit im Oberstimmer Abschiebelager immer wieder gesehen, wie Frauen und Männer in ihre Heimat abgeschoben wurden, sagte der Angeklagte. Er habe Angst gehabt, dass ihm dasselbe Schicksal widerfahre. Schließlich fasste er einen Entschluss: "Ich habe selbst entschieden mich umzubringen", erklärte er gestern vor dem Richter Christian Schilcher und den zwei Schöffen Ulrike Stammham und Johannes Picker in gut verständlichem Deutsch. Er zündete seine Matratze in der Unterkunft an.

Nach Auffassung des Richters brachte der Angeklagte nicht nur sich, sondern auch alle anderen Bewohner in der Unterkunft in Gefahr. Schilcher fragte den Angeklagten, warum er nicht aus dem zweiten Stock gesprungen sei- somit hätte er nicht andere Personen in Gefahr gebracht. "Ich habe in diesem Moment nicht weitergedacht", rechtfertigte sich der Angeklagte. Nachdem sich giftige Rauchgase entwickelt hatten, brachte ihn das Sicherheitspersonal der Unterkunft aus dem Zimmer. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr habe der Angeklagte mitgeholfen, den Brand zu löschen. Zwar seien keine Personen verletzt worden, allerdings entstand ein Schaden von mindestens 10 000 Euro.

Der 19-Jährige musste sich gestern nicht nur wegen der schweren Brandstiftung vor Gericht verantworten. In Nürnberg und Ingolstadt habe er in verschiedenen Einkaufsläden Parfüms und Zigaretten gestohlen, warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der Angeklagte rechtfertigte sich gegenüber dem Richter: "Ich weiß nicht, warum ich genommen habe." Vielmehr habe ihn ein anderer Flüchtling zu den Taten gezwungen - der Mann sei bereits in sein Heimatland abgeschoben worden. Der Angeklagte habe vor dem Mann Angst gehabt, da er ihm mit Schlägen gedroht habe.

Mehrere Gutachter bestätigten gestern vor Gericht, dass sich das Feuer in der ehemaligen Kaserne in Oberstimm nicht auf andere Räume ausgedehnt habe. Die Begründung: Ein anderes Bett, das sich auch in dem Zimmer befand, ist nicht verbrannt. Gefährlicher sei die giftige Rauchentwicklung gewesen. Bei der psychiatrischen Begutachtung wurde eine reaktive Depression festgestellt - eine unmittelbare Reaktion auf einen traumatischen Vorfall. Es handle sich laut Gutachter nicht um eine andauernde Psychose.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Da sich der junge Mann schuldig bekannte, plädierte seine Anwältin auf eine Strafe nach dem Jugendstrafrecht - aufgrund seiner Vergangenheit sei der 19-Jährige als nicht erwachsen einzustufen.

Der Richter sprach nach einer kurzen Pause den Angeklagten im Fall des schweren Brandfalls und der Diebstähle schuldig. Das Urteil: ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung. Das Verhalten des Angeklagten habe sich mildernd auf das Urteil ausgewirkt. Damit berücksichtigte der Richter sein Schuldeingeständnis, die sechs Monate Untersuchungshaft und das freiwillige Helfen beim Löschen des Brandes.