Ingolstadt: Alte Wehrbauten als "Teil unseres Gesichts"
Ehrenmitglied: Alt-OB Peter Schnell, hier mit den beiden Vorständen des Festungsvereins, Ernst Aichner (r.) und Albert Wittmann, wurde für seine Verdienste um den Erhalt vieler Festungsbauten ausgezeichnet.
Ingolstadt

Ingolstadt sei „ein Freilichtmuseum der Militärgeschichte“, sagt Ernst Aichner gerne. Der frühere Direktor des Bayerischen Armeemuseums und Vorsitzende des Fördervereins muss es wissen. Keiner kennt die früheren und die verbliebenen, oft stadtbildprägenden Befestigungen sowie die einstige militärische Infrastruktur der Schanz besser als er. Deshalb kam als Autor des neuen Führers für den Festungsrundgang, der am Dienstagabend im Barocksaal des Stadtmuseums vorgestellt wurde (siehe Kasten), wohl nur er infrage.

Und Aichner war es auch ein Anliegen, zum ersten Jubiläum des Vereins einen Gastredner einzuladen, der bei der Stadt in Sachen Festungsbauten den Wandel von der Abriss- zur Erhaltungspolitik eingeleitet hat: Alt-OB Peter Schnell, der 1972 aus der (seinerzeit umstrittenen) Sanierung des Kavaliers Hepp ein Wahlkampfthema gemacht hatte, erinnerte sich bei der Feierstunde an jene Jahre des Umdenkens. Schnell: „Damals wollte man noch Abschied nehmen – heute begrüßen wir, dass die Festung mit zur Stadt gehört.“

Wie konträr anders in den 70er Jahren noch die Stadtentwicklung gesehen wurde, verdeutlicht wohl am besten die damalige Diskussion um den Standort des Klinikums, die Peter Schnell vor den rund 70 Jubiläumsgästen in Erinnerung rief: Dass man im Stadtrat allen Ernstes die Absicht hatte, den Neubau hinter der Friedenskaserne ins Glacis zu setzen, ist heute kaum noch vorstellbar – und zum Glück ja auch nicht in die Tat umgesetzt worden. Allein, dass das Kavalier Spreti an der Harderstraße und das Donautor (an der heutigen Adenauerbrücke) seinerzeit bereits der Abrissbirne zum Opfer gefallen waren, wird von manchem Festungsfreund noch heute bedauert.

Der Förderverein habe in den vergangenen zehn Jahren wertvolle Arbeit geleistet und dazu beigetragen, dass das Bewusstsein für die Festung als „Teil unseres Gesichts und unserer Stadtgeschichte“ inzwischen „in die Köpfe der Bürger hineingetragen“ worden sei, lobte Peter Schnell. Dank des Vereins sei „auch so etwas wie Stolz“ auf diese Relikte der Vergangenheit entstanden. Dass sich Vorsitzender Aichner und sein Stellvertreter Albert Wittmann anschließend beim Alt-OB mit der Ernennungsurkunde zum Ehrenmitglied bedankten (Schnell zuvor: „Ich weiß gar nicht, ob ich Mitglied bin“), war da fast zwangsläufig.

Auch Vorsitzender Aichner sieht den Verein auf einem guten Weg: „Ich glaube, es hat sich alles gut entwickelt.“ Schöne Erfolge hätten sich vor allem bei der Fronte Rechberg (im Glacis beim Nordbahnhof) und bei der Sanierung des neuen Kreuztors (beim Kavalier Hepp) eingestellt. Auch die Komplettierung und Beschilderung des Festungsrundgangs („Das hat uns sehr beschäftigt“) sei ein wichtiger Schritt gewesen. Vielleicht, so der Historiker, gelinge es in den kommenden Jahren noch, bei der Fronte Rechberg den früheren Festungsgraben zumindest auf einigen Metern in der tatsächlichen einstigen Tiefe wiederherzustellen. Auch beim Turm Baur (Sitz der Musikschule) sei es wünschenswert, beizeiten einmal Teile des Fundamentmauerwerks freizulegen.

Grundsätzlich, so Ernst Aichner, sei der Förderverein bemüht, „ein Wächteramt auszuüben“. Er stehe bereit, um „Alarm zu schlagen, wenn eines der Festungswerke gefährdet ist“. Damit nicht tief im Frieden abhandenkommt, was kein Krieg zerstören konnte.