Landkreis Roth: Sonnenblumen für die Kandidaten: Andreas Hoffmann (2.v.l.) tritt für die Grünen im Kreis Roth als Landtagskandidat an, in den Bezirkstag will Mario Engelhardt (Mitte) einziehen.
Sonnenblumen für die Kandidaten: Andreas Hoffmann (2.v.l.) tritt für die Grünen im Kreis Roth als Landtagskandidat an, in den Bezirkstag will Mario Engelhardt (Mitte) einziehen. Mit ihnen freuen sich die beiden Kreisvorsitzenden Ursula Burkhardt (links), Christoph Leikam (2.v.r.) sowie die Nürnberger Landtagsabgeordnete Verena Osgyan.
Meyer
Landkreis Roth

Bei der Nominierungsversammlung am Montagabend in Schwanstetten präsentierten sich die beiden Kandidaten mit typisch grünen Anliegen. "Wir sind die Originale, die etwas für den Umweltschutz tun", unterstrich Mario Engelhardt. Dies wolle man nun auch auf Bezirks- und Landesebene beweisen.

Anhand von vier Eckenpunkten skizzierte Andreas Hofmann (53) sein Programm für die Landtagswahl im Herbst 2018. "Wir brauchen einen Energieplan für Bayern", forderte er. Auf Landesebene gebe es "sehr viele Vorschläge, es wird sehr viel gewurschtelt, aber es wird nichts umgesetzt". Ob Elektromobilität oder Energieverbrauch, "da muss ein Plan dahinter stehen, sonst überrollt uns das".

Auch die Beschränkungen für den Energieverbrauch in privaten Haushalten gingen ihm "nicht weit genug", erklärte Hoffmann. "Effizientere Heizungen müssen her." Er selbst geht mit gutem Beispiel voraus und hat an seinem Privathaus in Pruppach eine Solaranlage installiert.

Zu seinen Forderungen gehört auch, die bayerische Wirtschaft in die Lage zu versetzen, ihren Energieverbrauch um 40 Prozent zu senken. "Da muss politischer Druck her", sagte er. Entweder über ein Anreizsystem oder - falls nötig - über Sanktionen.

Ins Visier nahm Hoffmann auch die Agrarpolitik. "Wir müssen weg von der Monokultur", sagte er, wobei er betonte, dass der Landkreis diesbezüglich gut dastehe. Zudem forderte Hoffmann, den Pestizideinsatz auf ein Minimum zu reduzieren, vor allem das umstrittene Mittel Glyphosat, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen, müsse verschwinden.

Der gelernte Kfz-Elektriker, der jetzt als freigestellter Betriebsrat in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Nürnberg arbeitet, sprach zudem von einem Wirtschaftsplan für Bayern. Es gelte, die Entwicklung des ländlichen Raumes voranzutreiben, insbesondere die Digitalisierung. "Hier wird nur in den Ballungsräumen Nürnberg und München investiert", stellte Hoffmann fest. Er selbst könne ein Lied davon singen. "Das ist immer noch ein Drama. In Pruppach bin ich froh, wenn ich überhaupt telefonieren kann."

Zudem will Hoffmann kleinere und mittlere Betriebe gestärkt sehen. Die großen börsennotierten Unternehmen wie Siemens, BMW und Daimler würden nicht nur "Subventionen in den Hintern geschoben" bekommen, sondern auch noch "nebenbei betrügen". Beim Zahlen von Steuern hingegen seien sie nicht gerade vorne dabei. Hier müsse ein Ausgleich geschaffen werden.

Auf die Fahnen geschrieben hat sich Hoffmann auch das Thema Bildung. Lebenslanges Lernen müsse mehr gefördert werden, unter anderem mit einem Bildungsurlaub, wie es ihn in anderen Bundesländern längst gebe. Begeistert zeigte sich Hoffmann von der Berufsschule Roth, die er besucht habe. Mit ihrem Ausbildungsangebot in Elektromobilität sei sie "hochmodern".

Hoffmann hatte vor fünf Jahren schon einmal für den Landtag kandidiert. "Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen", forderte er. Dafür gelte es, im Frühjahr richtig Gas zu geben, "dann können wir auf dieses Ergebnis noch etwas drauflegen".

Als Stimmkreiskandidat für den Bezirkstag präsentierte sich der 50-jährige Schwanstettener Mario Engelhardt, der sich als Hausmann um seine beiden zehn- und 14-jährigen Jungen kümmert. "Warum will ich in den Bezirkstag?", fragte er rhetorisch. "Das bedeutet Zeit und Aufwand, aber die Zeit und der Aufwand lohnen sich." Das wisse er aus seiner Tätigkeit als Marktgemeinderat: "Diese ehrenvolle Aufgabe macht richtig Spaß und wir können viel bewirken." In seiner Kurzrede begab sich Engelhardt aber zunächst auf die Landesebene: Die CSU sei orientierungslos, Seehofer geschwächt und Söder kaufe sich die Sympathien mit Geschenken. Und bei alldem bleibe der Umweltschutz nur ein Lippenbekenntnis. Wenn der hiesige CSU-Landtagsabgeordnete Volker Bauer sich wundere, dass es immer weniger Insekten gebe, habe das seine Ursachen, stellte Engelhardt fest. Versiegelte Flächen und der Einsatz des Pestizids Glyphosat trügen ihren Anteil dazu bei. "Aber alle reden nur darüber und keiner setzt sich durch." Umweltschutz müsse deshalb auch auf Bezirksebene viel stärker in den Mittelpunkt rücken - gerade weil es hier "als Stiefkind behandelt wird", wie Engelhardt sagte. "Wie kann das sein?"

Als weitere Themen schnitt er die Affäre um die Bezirkskliniken an: Hier müssten klare Linien geschaffen werden. Zudem plädierte er dafür, sowohl für die Drogenhilfe ausreichend Räume zur Verfügung zu stellen, damit man gut und adäquat arbeiten könne.

"Ich freue mich wahnsinnig, dass wir so gute Kandidaten gefunden haben", sagte die Nürnberger Landtagsabgeordnete Verena Osgyan, die sich qua Amt auch um den Landkreis Roth kümmert und die Wahlleitung am Montagabend übernommen hatte. "Ich hoffe, dass wir nun den Schwung aus der Bundestagswahl mitnehmen." Sie plädierte dafür, den bisherigen Kurs zu halten und "bei unseren Themen zu bleiben". Eines davon ist die Flächenversiegelung. Bei der Versammlung lagen Flyer mit dem Titel "Betonflut eindämmen" aus, denn die bayerischen Grünen starten ein Volksbegehren, um den Flächenverbrauch einzudämmen. "Ich bin optimistisch", sagte Osgyan in Bezug auf den anstehenden Wahlkampf. "Wir sind ideenreich, kreativ und werden fleißig Themen setzen."