Wendelstein: Unbekannte "Schatzkammer" der Rieter
Die Lehrer staunen bei der heimatkundlichen Fortbildung über den Apostelabschiedsaltar in Kleinschwarzenlohe, ein Frühwerk Tilmann Riemenschneiders. - Foto: Ruthrof
Wendelstein

Diesmal standen die Kleinschwarzenloher Allerheiligenkirche und das Drechsler- und Metalldrückermuseum im nahen Wendelstein im Mittelpunkt.

Die beiden Kreisheimatpflegerinnen und Gerhard Englisch als Vertreter der Schulen organisieren die Reihe. Die Exkursion hatte Annett Haberlah-Pohl vorbereitet. Sie begann in der Allerheiligenkirche in Kleinschwarzenlohe. In dieser eher unbekannten "Schatzkammer" der Rieter von Kornburg - der ehemaligen Patronatsfamilie für diese Kirche - erläuterte Gabi Kohlert als Kirchenführerin der Lehrergruppe die wertvolle Ausstattung und Architektur der Kirche, die 1448 erstmals namentlich erwähnt wird. Das architektonische Vorbild war dabei deren Pfarrei-"Mutterkirche" in Katzwang.

Durch Ablässe finanziert, wurde die Kirche erst 1513 mit dem Bau des Turmes fertig, es fanden jedoch schon ab 1470 Messen dort statt, da in diesem Jahr die Schlossbesitzer im nahen Kornburg - die Nürnberger Patrizierfamilie Rieter - für die Allerheiligenkirche eine Frühmesse stifteten. Die Rieter stifteten zudem die Kirchenglocke und übernahmen das Patronat und damit den herrschaftlichen Schutz der Kirche. Nach Einführung der Reformation in Nürnberg blieb die Kirche dann aber als Patronatskirche geschlossen, erlitt Beschädigungen im zweiten Markgrafenkrieg 1552/53 und wurde erst 1605 von Hans Rieter umfassend renoviert.

Ein Teil der heutigen "Schätze" mit alleine drei Altären aus dem 15. und 16. Jahrhundert kam wohl in der Zeit in die Kirche, als diese für die Bevölkerung geschlossen war. Der größte kunstgeschichtliche Schatz der Allerheiligenkirche, der "Apostelabschiedsaltar" als Frühwerk Tilman Riemenschneiders, wurde erst bei der Renovierung ab 1605 hier aufgestellt. Wegen der Zerstörung der Kornburger Kirche verlegten die Rieter zudem ihre Grablege 1632 in die Allerheiligenkirche und bauten nacheinander zwei Gruften ein.

Mit dem Tod des letzten männlichen Namensträgers der Familie 1753 kam die Kirche als Teil einer Stiftung zum Nürnberger Heilig-Geist-Spital. Nach 1806 verwaltete die Stadt Nürnberg treuhänderisch diese Stiftung und hätte die Kirche im Strudel der Säkularisation fast abgerissen. Doch die Bevölkerung verhinderte dies mit ihrem Protest.

In Wendelstein erläuterte der Historiker Jörg Ruthrof der Lehrergruppe die lange Handwerksgeschichte Wendelsteins mit den Messerern und Klingenschmieden im Mittelalter und den Holzdrechslern sowie dem Metalldrückerhandwerk im 19. und 20. Jahrhundert als prägende Handwerksberufe. "Gerade noch rechtzeitig" vor dem Verschwinden beider Handwerke schuf der Heimatverein hier beiden Berufen eine museale Heimat.