Thalmässing: Beschwingt und dynamisch wie eh und je
75 Jahre voller Engagement und Lebensfreude: Unter der Leitung von Kapellmeister Georg Küttinger spielt die Blaskapelle Märsche, Polkas und Walzer. - Foto: Unterburger
Thalmässing

Drei Musikkapellen sorgten drei Stunden lang für beste Unterhaltung: die Blaskapelle Thalmässing, die Jugendkapelle Thalmässing Sound und die Swing Connection. Dass die drei Musikformationen beim Publikum in der sehr gut besuchten Turnhalle bestens ankamen, bewies die Tatsache, dass sie am Ende mit "Standing Ovations" verabschiedet wurden.

Thomas Brickel aus Waizenhofen, der sich selbst gern als "Praktikant" bezeichnet, führte gekonnt durch das abwechslungsreiche Programm. Und das hatte es in sich. Vertraute und beliebte Melodien reihten sich wie eine Perlenschnur aneinander.

Georg Küttinger in der Doppelrolle als Bürgermeister und Kapellmeister gab einen gerafften Einblick in die Historie der Jubelkapelle. "Die genauen Umstände der Gründung der Blaskapelle Thalmässing liegen im Dunkeln", sagte er. "Im Frühjahr 1942 bekamen einige Kinder Unterricht als Streicher und Bläser." Die Zeit sei reif gewesen für eine "Musikgemeinschaft Thalmässing".

Bei einer großen Werbeaktion vom 26. September bis 6. Oktober 1942 seien fünf Werber von Haus zu Haus gegangen und hätten für eine Blaskapelle geworben. Mit Erfolg, denn 98 Leute seien Mitglied geworden und man habe rund 140 Reichsmark eingenommen. "1943 wurde die Streicher-Abteilung aufgelöst, die Blaskapelle blieb", sagte Georg Küttinger. "Ab 1958 wurde Erich Brüchle Kapellmeister und er war ein großes Vorbild für mich", so Küttinger, "er wurde mein Mentor".

2002 habe er selbst den Posten des Kapellmeisters übernommen. Besonders freute sich der Bürgermeister, dass mit Josef Lang ein Gründungsmitglied der Blaskapelle anwesend war. "Ihr Kommen hat sich gelohnt, vor uns liegt ein besonderer Abend", versprach Georg Küttinger dem Publikum.

"75 Jahre Blaskapelle Thalmässing sind 75 Jahre voller Engagement und Lebensfreude", bekannte der Bürgermeister, "die Blaskapelle spielt bei lustigen und traurigen Anlässen." Sie sei nicht mehr aus der Marktgemeinde wegzudenken. Im ersten Viertel des Konzertabends zeigte die Jubelkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Georg Küttinger ihr Können. Trotz ihrer 75 Jahre auf dem Buckel spielte sie beschwingt und dynamisch wie eh und je. Den Auftakt machte das bekannte und gern gehörte Stück "Hoch Heidecksburg", ein Marsch aus dem Jahre 1912, den Rudolf Herzer aus Thüringen komponiert hat. "Heidecksburg" hat nichts mit "unserem" Heideck zu tun. Dann schwärmte die Blaskapelle vom "Traum einer Marketenderin". "Marketenderinnen begleiteten die Truppen und versorgten die Soldaten mit Bedarf des täglichen Lebens", berichtete Thomas Brickel, "heute begleiten die Marketenderinnen die Blaskapelle und versorgen die Musiker mit Schnaps." Das Publikum indes begleitete die flotte Polka mit rhythmischem Klatschen. Zwischen den Musikbeiträgen stellte Moderator Thomas Brickel sämtliche Musiker mit launigen Worten vor. Böhmen scheint es der Blaskapelle Thalmässing besonders angetan zu haben, denn sie spielte gleich drei Stücke, die einen Bezug zu Böhmen aufweisen, etwa den Walzer "Böhmischer Sonntag - Für Helga". Schon seit über 50 Jahren ist die Polka "Gablonzer Perlen" im Repertoire der Blaskapelle Thalmässing. Im zweiten Viertel bewies die Jugendkapelle Thalmässing Sound unter der Leitung von Heiner Maurer ihr Können. Da ging es gleich flott los mit dem Stück "Five foot two" von Lady Gaga mit einem schönen Banjo-Solo von Julius Hauke. Aus den 1960er Jahren stammte die Komposition "Java". Etwas düster am Anfang und in Moll gehalten, jedoch dann ein gefälliger Titel mit überraschenden Harmonien und viel "Drive", so entpuppte sich der Titel "Marching Europeans" von Robert Allmend, bevor man mit einer "Starparade" ein Potpourri verschiedener Hits der Blasmusik mit schnellen Tempowechseln zündete. Eine heftig beklatschte Zugabe belohnte den überragenden Auftritt der Jugendkapelle Thalmässing.

Nach der Pause präsentierte die "Swing Connection", ebenfalls unter der Leitung von Heiner Maurer, eine etwas andere Art von Blasmusik. Sie spielte Musik im Stile der 1940er und 50er Jahre und bot Swing, Latin und Blues. Man schwärmte vom "Girl from Ipanema", intonierte "Singin' In The Rain" (draußen regnete es tatsächlich), jammerte mit Max Raabe "Kein Schwein ruft mich an", spielte den Steve-Wonder-Hit "Superstition" und meinte am Schluss mit dem amerikanischen Trompeter Herb Alpert: "So what's new". Und auch die "Swing Connection" hinterließ einen hervorragenden Eindruck.

Zum Finale räumte noch einmal die Jubelkapelle gehörig ab. Nach dem "Bayerischen Defiliermarsch" - leider zog kein bayerischer Ministerpräsident in die Thalmässinger Turnhalle ein, denn der befindet sich noch bei den Jamaika-Gesprächen in der Hauptstadt. . . - stieg die Blaskapelle in den "Trompeten-Express", bot einen "Revuezauber" und meinte "Von Freund zu Freund" plus "Wir Musikanten" am Ende: "Bis bald auf Wiedersehen".