Ruppmannsburg: Ruppmannsburger krempeln Ärmel hoch
Erst wenn Schmutz und lockerer Putz abgewaschen sind, ist der Umfang der Schäden an der Fassade genau zu erkennen. Besprechung auf der Straße: Da die Kirche direkt neben der Fahrbahn steht, sorgt während der Bauphase eine Ampel für Sicherheit. Im Inneren der Kirche ist das Mobiliar gut eingepackt. Viele kleine und größere Schäden müssen behoben werden (unten von links). - Fotos: Karch
Ruppmannsburg

Überall wird auf dem Gerüst gewerkelt an diesem windigen und trüben Tag: Bevor Reiner Gußner, dessen Ingenieurbüro die Sanierung des Gotteshauses betreut, ganz genau sagen kann, was an der Fassade alles gemacht werden muss, muss die Kirche erst einmal richtig sauber sein. Mit dem Hochdruckreiniger werden deshalb der Schmutz der vergangenen Jahre, aber auch lockere Putzteile abgestrahlt. Erst dann kann der Experte genau sehen, wo es reicht, etwas nur auszubessern und zu konservieren, und wo kräftiger in die Substanz eingegriffen werden muss. Vor allem am Sandstein hat der Zahn der Zeit genagt.

Am augenfälligsten ist der Sanierungsbedarf an den Fenstern geworden: Bereits vor fünf Jahren konnte man deutlich erkennen, dass sich die bleiverglasten Fenster nach innen wölben und teilweise brüchig geworden sind. Ursachen dafür gibt es nach Ansicht von Reiner Gußner vermutlich mehrere: Zum einen sind es die trockenen Sommer, die dem Erdreich die Feuchtigkeit entziehen und es absacken lassen, zum anderen könnten es auch Spätfolgen der Kanalisierung sein, die ebenfalls dem Boden Wasser entzog. Auch großkronige Bäume in der Nähe könnten dazu ihren Beitrag geleistet haben.

Wenn man schon die Fenster reparieren und ein Gerüst aufstellen muss, könnte man auch gleich die Fassade sanieren, so die Überlegung vor fünf Jahren. "Die Risse werden ja immer schlimmer", sagt Leonhard Wissinger, der Vertrauensmann des Kirchenvorstands. Eine umfangreiche Kirchensanierung geht aber nicht ohne die Mitsprache des Landesamts für Denkmalpflege. "Das war manchmal schwierig", formuliert Wissinger vorsichtig. Zum Beispiel reicht es der Denkmalschutzbehörde nicht, wenn einfach mitgeteilt wird, in welcher Farbe das Kircheninnere gestrichen werden soll. "Die brauchen eine ganz genaue Aufstellung der Farbe", weiß Gußner. Zahlereiche Gespräche waren für einen gemeinsamen Fahrplan in Sachen Sanierung notwendig.

Bei den Untersuchungen für eine Leistungs- und Kostenaufstellung haben sich auch immer mehr Bereiche ergeben, die die Kirchengemeinde gleich mit anpacken will. Zuerst war man davon ausgegangen, im Inneren nur die Stellen neu zu streichen, an denen etwas ausgebessert wird, zum Beispiel bei den Seligpreisungen hinter dem Altar oder an der Tür zur Sakristei. "Aber es gibt überall in den Gesimsen Risse. Wenn man die nacharbeitet, sieht man sofort, dass hier ausgebessert worden ist", gibt Gußner zu überlegen.

Aber nicht nur an den Wänden gibt es Schadstellen. Auch die Stufen in den Altarraum haben nachgegeben und auch der Plattenbelag im Vorraum. Die letzte Sanierung der Kirche ist jetzt 31 Jahre her, erinnert sich Leonhard Wissinger. Und er weiß auch noch ganz genau, wann das Gotteshaus eingeweiht wurde: an der Kirchweih 1986. Malermeister Anton Schieferdecker senior hatte nämlich bis zur letzten Minute an den Seligpreisungen gearbeitet und war am Kirchweihsamstag nach dem letzten Pinselstrich in die Wirtschaft gegangen. Und am Kirchweihsonntag konnte dann die Fertigstellung der Kirche groß gefeiert werden. 215 000 Mark hat die Sanierung damals gekostet.

Auf rund 100 000 Euro werden die Kosten für die aktuelle Maßnahme veranschlagt. 50 000 Euro steuert die Landeskirche bei, ein Umstand, der nicht nur Pfarrer Frank Zimmer freut. "Das ist eine Riesensumme", sagt Wissinger. "Das ist das Spendenaufkommen von acht bis zehn Jahren." Die restlichen 50 000 Euro muss die Kirchengemeinde stemmen. "Es sind Rücklagen da", sagt der Geistliche, "aber dann ist die Kasse leer." Deshalb hofft nicht nur der Pfarrer auf Spenden, sondern auch Leonhard Wissinger. In der Vergangenheit haben sich die Ruppmannsburger für ihre Kirche stets spendierfreudig gezeigt. Jüngstes Beispiel ist die Sanierung von Friedhof und Leichenhalle im vergangenen Jahr. Obwohl der Friedhof eigentlich der Marktgemeinde gehört, haben die Ruppmannsburger nicht nur 650 Arbeitsstunden geleistet, sondern auch großzügig gespendet. Auch im Jahr 2004 haben die Ruppmannsburger fleißig mit angepackt. Zwei Jahre zuvor hatten sie die große Stahlglocke im Kirchturm stilllegen müssen, weil sie Risse hatte. Eine neue bronzene Glocke wurde gekauft, der Innenputz im Glockenturm neu aufgebracht, die Treppe zu den Glocken, der Glockenboden und die Abdeckung der Schalllöcher erneuert. Der Glockenstuhl aus Stahl wurde durch einen aus Eichenholz ersetzt. Viel Geld und 470 Arbeitsstunden haben die Ruppmannsburger vor 13 Jahren investiert.

Und jetzt packen sie wieder mit an. "Jung und Alt, Frauen und Männer sind beim Helfen dabei", sagt Leonhard Wissinger stolz. Und dass sogar katholische Mitchristen mithelfen, freut ihn ganz besonders, schließlich sind die Sanierungsarbeiten für eine Kirchengemeinde mit nicht einmal 100 Mitgliedern ein gewaltiger Kraftakt. Zupass kommt der Kirchengemeinde auch das Engagement eines ortsansässigen Schreiners, der schon in Rente ist. Karl Hölzel kümmert sich um Fenster, die Haupteingangstür und die Innentüren. "Da muss man viel mit der Hand machen", lobt Reiner Gußner dessen fachmännische Arbeit.

Den Zeitrahmen für die Sanierung haben die Ruppmannsburger eng gesteckt: Am 30. Juni soll die Kirche wieder in altem Glanz erstrahlen und am zweiten Sonntag im Juli, an der Kirchweih, soll Einweihung gefeiert werden. Ganz gelassen kann die Kirchengemeinde dann dem Jubiläum im Jahr 2018 entgegensehen: Dann ist es 125 Jahre her, dass die Christuskirche als Ersatz für die baufällige Kirche, die dem heiligen Alban geweiht war, eingeweiht werden konnte. Auch für den Bau der Christuskirche hatten sich die Ruppmannsburger gewaltig ins Zeug legen müssen, denn lange war nicht sicher gewesen, ob sie für ihre abgerissene Kirche an einem neuen Standort ein neues Gotteshaus bekommen würden.

Die Kirche St. Alban war lange Jahre baufällig, so dass die Gemeinde immer darum kämpfen musste, dass dort überhaupt Gottesdienste gehalten werden. 1709 musste sie sich gar verpflichten, dem Geistlichen ein gesatteltes Pferd vor die Tür zu stellen, einen kaiserlichen Kirchrock und einen weißen Chorrock anzuschaffen sowie acht Gulden beizustiften. Allerdings brauchten sie dem Pfarrer kein Mittagsmahl zu geben, "da ein Geistlicher schon von Haus aus sich mit Frühstück versehen kann".