Hilpoltstein: Weg mit den Barrieren
Für Menschen mit Krücken sind Treppen schon ein schweres Hindernis, für Rollstuhlfahrer sind sie unüberwindbar.
Brichta, dpa
Hilpoltstein

Ganz vorne auf der Liste sind das Jobcenter, das Gymnasium in Wendelstein, das neue Schülerwohnheim, das Fundreich Thalmässing und das Haus des Gastes. Beim Gymnasium Wendelstein hat man zudem auch an Hörbehinderte gedacht. So ist die Aula mit einer Induktionsschleife ausgestattet, auch Klassenzimmer sollen damit ausgerüstet werden. Generell will man laut Haußner bei allen Baumaßnahmen künftig darauf achten, Räume mit Inklusionsakustik zu schaffen. So geschehen bereits beim Umbau der Aula der Realschule Hilpoltstein.

Bei der Barrierefreiheit für Gehbehinderte hat die Untersuchung gezeigt, dass die meisten Gebäude nur zum Teil zugänglich sind, auch fehlt bei rund einem Drittel ein behindertengerechtes WC. Aber auch hier gilt, dass man bei Neubauten und Sanierungen die „Barrierefreiheit durch Aufzüge, Treppenlifte und Rampen sinnvoll herstellen und ergänzen will“, so Haußner.

Völlig ungeeignet für Menschen mit einer Gehbehinderung sind nur zwei Gebäude. Zum einen die Hilpoltsteiner Burg, was sich wahrscheinlich nur schwer ändern lassen wird, sowie Schulamt und Kreisjugendring, die in Reihenhäusern am Weinberg untergebracht sind, die nur über Stufen zu betreten sind. Sehr eingeschränkt nutzbar ist im Übrigen auch das Gesundheitsamt, wo man über einen Rampe lediglich ins Erdgeschoss kommt. Dazu heißt es allerdings, dass alle Termine und Untersuchungen bei Bedarf im Erdgeschoss stattfinden können. Ein Behinderten-WC gibt es nicht.

Neben der baulichen Barrierebeseitigung war der Landkreis auf weiteren Gebieten aktiv. So erfüllt mittlerweile der Internetauftritt das Kriterium barrierefrei. Beim Nahverkehr werden bei den Ausschreibungen Niederflurbusse gefordert. Ebenso wird das Inklusionsnetzwerk Roth unterstützt.

Ein nächster Schritt soll die Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit „Capito“ der Rummelsberger Diakonie sein. Diese bietet beispielsweise die Analyse von Gebäuden und das Übersetzen von Informationen in einfache Sprache an. Auch veranstaltet das Unternehmen Schulungen und Workshops zum Thema.

Ein Befürworter der Kooperation ist Paul Rösch, der Vorsitzende des Rother Inklusionsnetzwerkes. Er schätze am Kompetenzzentrum, dass dieses Behinderte mit ins Boot nehme. Er könne sich auch vorstellen, dass von Capito Ansprechpartner in den Orten geschult werden. „Das wäre ideal“, man könne dann gemeinsam nach Lösungen suchen.

Einstimmig beschloss der Ausschuss die Kooperation für zunächst zwei Jahre. Allerdings soll die Zusammenarbeit nicht flächendeckend sein, sondern zunächst als Pilotprojekt mit vier Kommunen. Welche Kommunen das sein werden ist noch nicht klar. Diese sollen jetzt von Sachgebietsleiterin Ottilie Tubel-Wesemeyer, Capito-Mitarbeiterin Stephanie Stöckl und Paul Rösch ermittel werden.

Anschauen will sich der Ausschuss in naher Zukunft die Musterwohnung „Beate“ in Schwenningen. Dort können über 200 Beispiele aus den Bereichen Barrierefreiheit, Alltagshelfer und fürsorgliches Zuhause ausprobiert werden. Beate steht für Barrierefreiheit, erleben und ausprobieren, Alltagshelfer, technische Unterstützung und Einzelberatung.

Ebenfalls Thema der Sitzung war die Barrierefreiheit der Bahnhöfe. Die Ausgangslage ist eindeutig: Kein einziger Bahnhof im Landkreis ist uneingeschränkt barrierefrei. Das ist seit langem bekannt und obwohl sich die Bahn 2012 laut Gerhard Kunz vom Pflegestützpunkt dazu verpflichtet, dies zu ändern, ist seither nichts passiert. Entsprechende Beschwerdebriefe seien „wenig aussagekräftig“ beantwortet worden. Hoffnung auf Änderung gibt es wenig, denn der Landkreis ist in dem Ausbauprogramm „Bayernpaket 2013 bis 2018“ nicht erwähnt.