Klaus Lage in seinem Element: In der Kulturfabrik bringen der Sänger seine Band "Gute Gesellschaft" das Publikum zum Toben.
Klaus Lage in seinem Element: In der Kulturfabrik bringen der Sänger seine Band "Gute Gesellschaft" das Publikum zum Toben.
Tschapka
Roth

Klaus Lage war nie wirklich weg. Seine Songs werden nach wie vor häufig im Radio gespielt und manche seiner Texte haben sich in das bundesrepublikanische Liedgut eingebrannt wie sonst keine anderen. Grund genug für den Wahlbremer, immer wieder mal eine neue Scheibe aufzunehmen. Sein jüngstes Werk "Blaue Stunde" hat er am Freitagabend mit "Guter Gesellschaft" im Rahmen seiner gleichnamigen Tour in der Rother Kulturfabrik präsentiert. Dort hatte er mit seiner Band vor fast 20 Jahren schon einmal gestanden.

Im Jahr 2010 gastierte er übrigens zuletzt in der Region, bei der Hilpoltsteiner KultTour, damals allerdings als Solokünstler. Nun also in Roth mit besagter "Guter Gesellschaft", hinter der sich drei Mitmusiker verbergen: Stephan Emig an Schlagzeug, Bo Heart am E-Piano und Jürgen Scholz an der Akustikgitarre, die allesamt mindestens einmal die Gelegenheit bekommen, ihre Genialität auf ihrem Instrument in einem minutenlangen Solo zu beweisen. Ansonsten hält sich die Mannschaft eher zurück, denn im Rampenlicht steht Musikdinosaurier Klaus.

Den wollen die Leute sehen, und vor allem dessen alte Hits hören. Bis Klaus Lage endlich "Faust auf Faust" anstimmt, den Titelsong für einen berühmten Schimanski-Tatort aus den 1980er Jahren, vergehen 35 Minuten. Doch die Zeit bis dahin verläuft kein bisschen langweilig. Denn auch seine neueren und längst nicht so bekannten Songs können sich hören lassen und tragen ganz eindeutig die unverwechselbare Lage-Handschrift. Angesiedelt irgendwo zwischen Rock, Liedermacherei und Schlager, wobei der Begriff Schlager am wenigsten passt. Zu konkret, zu individuell und zu wenig oberflächlich sind seine Texte, in denen er von der "Börse als Geisterbahn" singt, vom zwanglosen Aufenthalt im Land der Liebe ("ist schön da"), bis es dann wieder "Sense" ist mit der Liebe, oder vom eigenen "Krempel" um den sich jeder kümmern solle, ehe man sich in den von anderen einmische.

Gedanken wie diese kommen ihm immer in der "blauen Stunde", jenem Zeitpunkt am Abend, wenn die Sonne in der Dämmerung verschwindet, oder auch morgens im Bett, wenn die Sonne ihre ersten Strahlen durch den noch jungen Tag schickt. Sehr persönliche Themen also, die Lage in Lieder kleidet.

Aber was wären die schönsten Texte, wenn die Musik nicht zu ihnen passt. Zum Glück ist das bei Klaus Lage kein bisschen der Fall. Die Inhalte harmonieren ausnahmslos bestens mit den Melodien und machen Klaus Lage zu einem überaus glaubwürdigen Liedermacher. Für Abwechslung ist gesorgt, denn es gibt Ausflüge in den Reggae, Blues, Gospel und sogar in den Country, wo Jürgen Scholz' Slidefähigkeiten bestens zur Geltung kommen.

Auch ein Blick ins Publikum ist interessant. Zwar bleiben beim Konzert einige Sitzreihen leer, aber die meisten, die die gekommen sind - praktisch alle jenseits der 50 - verleben zwei überaus emotionale Stunden. Da wird mittendrin aufgestanden und losgetanzt, lauthals mitgesungen und bei romantischen Liedern fangen nicht mehr ganz junge Pärchen auf einmal an wild drauflos zu knutschen, als befänden sie sich wieder in den 1980er Jahren in einem Autokino.

Trotzdem kann auch ein Klaus Lage, der im hohen Norden zu Hause ist, die fränkische Seele nur langsam erobern. Steht bei "Monopoli" kurz nach der Pause vielleicht ein Drittel des Saales auf, so sind es gegen Ende des Konzerts bei "1001 Nacht", dem wohl berühmtesten aller Klaus-Lage-Songs, annähernd hundert Prozent und klatschen und singen den bekannten Text über eine folgenreiche Nacht frenetisch mit.

Und ganz am Schluss, nach mehreren Zugaben, ist der gesamte Saal auf den Beinen und spendet minutenlang stehenden Applaus. Klaus Lage hat's verdient. Er kann es nach über 30 Jahren im Geschäft halt immer noch - und eignet sich noch lange nicht fürs deutsche Musikmuseum.