Hilpoltstein: Aller Anfang ist schwer: Die erste Bläserklasse der Grundschule bekommt ihre Instrumente.
Aller Anfang ist schwer: Die erste Bläserklasse der Grundschule bekommt ihre Instrumente. Stadtkapelle, Musikschule und etliche Sponsoren begleiten das gemeinsame Pilotprojekt, zu dem sich zehn Kinder gemeldet haben.
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"Das Projekt Bläserklasse nimmt Konturen an", sagt Schulleiter Peter Benz bei der Übergabe der Instrumente am Donnerstagabend in der Aula. "Ich freu mich schon auf euren ersten Auftritt." Vier Klarinetten, eine Tuba und ein Baritonhorn überreicht Carolin Brandl. "Die Schlagzeuge stehen noch im Keller", sagt die Vorsitzende der Stadtkapelle. Dort bleiben sie auch. Schließlich können die Kinder sie nicht zu jeder Übungsstunde mitbringen. Auch Niklas aus Hofstetten atmet erleichtert auf, als Carolin Brandl erklärt: "Du musst das Baritonhorn nicht mit in die Schule bringen." Die Stadtkapelle sponsert ein Zweitinstrument, das im Musikraum bleibt.

"Ich bin ja auch noch Buskind", sagt Niklas. "Aber Ole hat's noch schwerer." Er hat sich nämlich eine Tuba ausgesucht, die in einem mächtigen Koffer verpackt ist. Als er das beeindruckende Instrument anhebt, verschwindet er fast dahinter. Beim Instrumentenkarussell, bei dem die Kinder alles einmal ausprobieren durften, hat er sich für die Tuba entschieden. "Aus der Querflöte habe ich keinen Ton rausgebracht", erklärt er seine Wahl. Damit ist Carolin Brandl beschäftigungslos. Sie hätte den Kindern Querflöte beigebracht. Doch niemand hat dieses Instrument gewählt. Dafür darf der Rest der Familie ran. Mutter Susanne Czieharz unterrichtet Klarinette und Orchester, Vater Siegfried Czieharz das schwere Blech. Ein erster Auftritt könnte beim Jahreskonzert der Musikschule klappen.

"Es war eine schwere Geburt", sagt Peter Benz, der etwas enttäuscht ist über das geringe Interesse an der ersten Bläserklasse der Schule. "Es ist auf dem Goldtablett serviert worden." Infoabende, Flyer, persönliche Werbung in allen dritten Klassen, nichts habe man unversucht gelassen, so Benz. Die Kinder müssten nicht extra in die Schule kommen. Und zehn Euro pro Monat Leihgebühr für die Instrumente seien auch nicht viel. Für die restlichen knapp 20 Euro Instrumentenmiete ist Carolin Brandl bei einigen Firmen Klinken putzen gegangen.

"Ich war auch erstaunt über die geringe Resonanz", sagt Burkhard Freimuth, Leiter der Musikschule. Aber immerhin hätten sich die zehn Kinder freiwillig gemeldet, das sei entscheidend. Ein Projekt "Bläserklasse" in der Mittelschule sei vor Jahren gescheitert, weil die Ganztagsschüler praktisch dazu vergattert wurden. Jetzt nimmt man in der Grundschule einen neuen Anlauf. Zunächst ist das Projekt auf zwei Jahre angelegt.

Geht es nach Peter Benz, soll es das nicht gewesen sein: "Ich hoffe, dass ihr so einen Hype auslöst, dass wir im nächsten Jahr wieder eine Klasse zusammenbringen. Wir werden auch weiter dafür werben." Sandra Johanni, Mutter eines Orchesterkindes, ist zumindest begeistert. "Ich finde es klasse, dass Sie das ermöglichen, auch in so einer kleinen Klasse", dankt sie allen Beteiligten.

Carolin Brandl lässt sich nicht entmutigen: "Wir waren selbst überrascht, dass das Interesse so gering war. Aller Anfang eben ist schwer." Am Donnerstagabend vor allem für die Väter von Niklas und Ole. Sie müssen nämlich das schwere Blech über den Pausenhof schleppen.