Hilpoltstein: Aberwitziges trifft auf Gewöhnliches
Die Künstlerin Hedwig Reger-Sattler stellt im Hilpoltsteiner Café Grimm aus. - Foto: Unterburger
Hilpoltstein

Hedwig Reger-Sattler wurde in Heinsbach an der Bergstraße in Baden-Württemberg geboren. Sie lebt und arbeitet freischaffend in Spalt, wo sie auch ein Atelier hat. Die Künstlerin studierte an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und machte dort als Meisterschülerin von Professor Ludwig Scharl ihren Abschluss. Scharl beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der experimentellen Malerei. "Das hat mich absolut angesprochen", sagt sie.

Hedwig Reger-Sattler wurde auch beeinflusst von der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners und dessen Sicht des Lebens. In diesem Zusammenhang nennt die Künstlerin auch den Maler und Grafiker Gerhard Wendland, der ein wichtiger Vertreter der abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg war, sich aber immer wieder neuen Stilen und Richtungen öffnete und zuwandte.

Auch Hedwig Reger-Sattler ist in vielen Bereichen tätig und aktiv: in der Malerei, in Kleinobjekten, im textilen Schmuck und in Installationen - immer mit dem Anliegen, scheinbar Belangloses ins Licht und in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken, Wertlosem wieder einen Wert zu geben, Klischees zu überformen und Vergessenes lebendig werden zu lassen.

Seit dem Jahr 2010 malt die Künstlerin die Bühnenkulisse für das Sommernachtstheater Spalt. Das ist eine Arbeit, die ihr viel Freude bereitet und die ein großflächiges Arbeiten erfordert. Daneben stellt sie auch viele kleinformatige Werke her.

Hedwig Reger-Sattler zeichnet, malt, illustriert, wendet sich textilen Objekten zu und fertigt Installationen an. "Ich will mich nicht auf eine Stilrichtung festlegen lassen", sagt die Künstlerin, "ich male auch gerne Stillleben und Landschaften." Gerne malt sie auch auf Porzellan. "Scherbeninstallationen" hieß ihr Projekt im Kulturbahnhof Spalt, textilen Schmuck stellte sie im Fabrikmuseum Roth aus. Mitgewirkt hat die Künstlerin auch bei der Schwabacher "Ortung 1" und bei den Weißenburger Kunsttagen im Jahr 2016. Für das Haus der Geschichte in Bonn fertigte sie eine Replik der "Hambacher Fahne" an und für das Käthe-Kruse-Museum Donauwörth gestaltete sie Puppenbilder.

Für die aktuelle Ausstellung im Grimm hat Hedwig Reger-Sattler ganz unterschiedliche Arbeiten zusammengestellt, die einen kleinen Einblick in die Vielseitigkeit ihres künstlerischen Schaffens geben.

So hängen in einem Raum zehn Mickey-Mouse-Bilder, Barbie-Puppen sind zu sehen. "Barbie war in der frauenbewegten Zeit, der ich angehörte, ein absolut rotes Tuch für viele Frauen", sagt die Künstlerin. "In den 1990er-Jahren merkte ich aber: Barbie ist eine sehr robuste Persönlichkeit." Die Herstellung von Puppen fasziniert sie: "Eine Puppe ist leer, da kann man viel hineinprojizieren." Auch Plüschtiere, die sie ebenfalls herstellt, haben es ihr angetan. "Plüschtiere sind für uns etwas ganz Alltägliches", so Reger-Sattler, sie schaue nur etwas genauer hin.

"Mein Anlass für Kunst, was mich inspiriert, ist der Mangel", sagt Hedwig Reger-Sattler. "Aus dem Mangel entsteht durch meine Arbeit etwas Neues und etwas Wertvolles." Sie übermalt "unmögliche", belanglose, fremde Landschaftsbilder, zerstört die Idylle, indem sie fliegende Untertassen in die Landschaft sowie seltsame Fische ins Meerwasser setzt, und nennt das Bild dann "Capri-Fischer". Oder sie verändert ein religiöses Marienbild, in dem Maria einen Teebeutel in eine Tasse Wasser taucht.

Wer sich in dieser Ausstellung umschaut, wird weitere ungewöhnliche, manchmal auch skurrile Ideen der Künstlerin entdecken. Allegorisches steht neben Religiösem, Gewöhnliches neben Aberwitzigem. "Die Popkultur hat mich geprägt, auch die Subkultur", sagt Hedwig Reger-Sattler.