Der Sieger demonstriert seine Stärke: Sven Ehrhardt bejubelt seinen erstmaligen Triumph beim Hilpoltsteiner Halbmarathon.
Der Sieger demonstriert seine Stärke: Sven Ehrhardt bejubelt seinen erstmaligen Triumph beim Hilpoltsteiner Halbmarathon.
Münch
Hilpoltstein
Überraschend kommt Ehrhardts Triumph gewiss nicht - schließlich hatte er bereits in den ersten drei Etappen des Läufer-Cups dominiert. Die Art und Weise seines Sieges war es dagegen schon. Denn der Rother hatte richtig zu beißen gegen einen Kontrahenten, der ihm diesen Titel unbedingt entreißen wollte. Bis etwa fünf Kilometer vor dem Ziel lag Stefan Böllet nicht nur in Schlagdistanz, der 33-jährige Pavelsbacher führte das Feld sogar an. Fast unvorstellbar, nachdem ihm Ehrhardt beim einzigen Duell der beiden in diesem Jahr über die 10,5 Kilometer beim Rothseelauf noch über eine Minute abgenommen hatte. "Ich war wirklich überrascht darüber, dass Stefan vom Start weg so ein hohes Tempo vorgegeben hat. Mein ursprünglicher Plan war, den Lauf langsamer anzugehen, aber das konnte ich vergessen, weil es verdammt schwierig geworden wäre, den Rückstand dann noch aufzuholen." Dabei war das Duo so flott unterwegs, dass nicht mal Mario Sturmlechner, immerhin schon mal österreichischer Vizemeister im Halbmarathon und am Ende Dritter, mithalten konnte. So liefen Ehrhardt und Böllet am Kanal entlang ebenso dicht an dicht wie später auf dem Abschnitt rund um den Rothsee. Erst danach musste Böllet dem Tempo Tribut zollen, während Ehrhardt seine letzten Kraftreserven auspackte und davonzog. Am Ende trennten die beiden dann doch stattliche 42 Sekunden. "Ich muss zugeben, dass ich mit dem HiRo Run noch eine Rechnung offen hatte, weil ich es erst einmal auf das Podest geschafft hatte und das ist auch schon lange her", sagte der glückliche Sieger im Ziel.

Die offene Rechnung hat er nun beglichen - zum Leidwesen von Stefan Böllet, der seinen Kontrahenten im vergangenen Jahr noch abgehängt hatte und hinter Fraol Lencho Holjira und Detlef Knall als Dritter ins Ziel gekommen war. "Ich hab auf die letzten Kilometer einfach nicht an ihm dranbleiben können", räumte er ein. "Ich bin aber absolut zufrieden mit meinem Rennen und meiner Zeit." Sein furioser Start sei dabei keine Taktik gewesen, um Ehrhardt möglicherweise frühzeitig abzuhängen. "Ich wollte einfach nur mein Tempo laufen und durchziehen. Als aber Sven drangeblieben ist, habe ich mir fast gedacht, dass er irgendwann vorbeizieht." So verdichten sich die Anzeichen sich, dass der Vorjahreschampion seinen Titel im Läufer-Cup heuer Sven Erhardt überlassen muss. "Mit zwei Kindern zu Hause ist es auch mit der Vorbereitung nicht mehr so einfach. Ich kann auch noch nicht sagen, an wie vielen Etappen ich heuer teilnehme", sagte Böllet. Doch diese Planung könnte sich in Zukunft auch für seinen Rivalen schwieriger gestalten: Auch im Hause Ehrhardt steht im Sommer Nachwuchs an. Der Läufer des Büchenbacher Memmert-Teams will daher unbedingt die nächsten Läufer-Cup-Rennen in Eckersmühlen und Thalmässing bestreiten, um sich frühzeitig einen klaren Vorsprung herauszuarbeiten.

Apropos klarer Vorsprung: Wie schon im Vorjahr hat Theresa Wild vom Veranstalter La Carrera TriTeam Rothsee das Rennen der Frauen dominiert und mit großem Abstand auf die Zweitplatzierte ihren Titel verteidigt. In 1:27:36 Stunden überquerte Wild die Ziellinie und war damit die schnellste Frau über die 21,1 Kilometer. Nicht jedoch über die ersten sieben Kilometer. Da musste Wild nämlich ihrer Kontrahentin Christine Ramsauer den Vortritt lassen. Die Allersbergerin war gemeinsam mit Tochter Sophia und deren Freund Lasse Ibert im Staffelwettbewerb an den Start gegangen und legte ein Tempo an den Tag, dass Wild nicht mitgehen konnte. "Das ist doch logisch, sie hatte ja nur sieben Kilometer zu laufen", sagte Wild, die sich aber nicht ärgern ließ, sondern sich nur über ihr hervorragendes Rennen freute. "Am Start war es etwas schwierig, sich durch die vielen Läufer durchzuschlängeln, aber dann hatte ich schnell ein gutes Tempo drauf und bin gut durchgekommen."

Entscheidenden Anteil an Wilds klarem Sieg hatte das Publikum: "Die Anfeuerungsrufe sind einfach gigantisch - wie als wäre ich eine Einheimische." So kam bei den Frauen erst Wild, dann lange nichts, und dann Sina Brauer aus Oberasbach, die lange nichts von ihrem Glück als zweitschnellste Frau wusste. "Ich hab es gerade erst erfahren und bin mega happy", sagte die 40-Jährige im Ziel. Dritte wurde Rena Eberlein aus Nürnberg.