Greding: Ökologisch erzeugt und aus der Region
Probieren die erste Süßkartoffel aus dem Landkreis Roth: (von links) Landwirt Klaus Sinke, Leiterin der Hauswirtschaftsabteilung Ingrid Bär, stellvertretender Bürgermeister Oswald Brigl, Fachlehrerin Ute Mahl, Miriam Adel vom Regionalmanagement Landkreis Roth, Landrat Herbert Eckstein und Judith Hock-Klemm, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land und Roth. - Foto: Steimle
Greding

Pioniere sind die Sinkes aus Weinsfeld schon lange. Vor etwa 30 Jahren wurden sie als einer der ersten Bio-Betriebe in der Region belächelt. Nun sind sie wieder Vorreiter: "Wir konnten dieses Jahr erstmals die Süßkartoffel im Landkreis Roth ernten", sagt Klaus Sinke. Wahrscheinlich sind sie auch die Ersten in ganz Franken. Dass diese nicht nur in südamerikanischer, sondern auch in fränkischer Erde gut gedeiht, zeigt das große Exemplar, das der Landwirt mitgebracht hat.

Zwar nicht mit der Süßkartoffel, aber mit den anderen Bioprodukten des Hofes gekocht wurde für den Stand des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth (AELF). Fachlehreranwärterin Kerstin Wirsching hat zum Auftakt der Woche auf dem Bauernmarkt fünf verschiedene Gerichte zubereitet. "Es sollte herbstliches Gemüse verwendet werden." Wie sie das gemacht hat, ist in einem kleinen Rezeptbuch zu lesen. Wichtig war Wirsching aber nicht nur der saisonale Aspekt, sondern "auch etwas anzubieten, was nicht so bekannt ist, deshalb habe ich eine Meerrettichsuppe gekocht".

Diese sowie den bunten Herbstsalat lässt sich Claudia Dollinger schmecken, die nebenan ihren Stand aufgebaut hat. Auf 60 Hektar werden in Offenbau seit 20 Jahren Produkte nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus geerntet - finanziert von den Kunden, die nicht nur Obst, Gemüse, Eier und Milch unter sich aufteilen, sondern auch das Risiko bei Ernteausfällen. Das Ideal der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) funktioniere gut, sagt Claudia Dollinger, die neben der Kartoffel "Blauer Schwede" auch die dunkelviolette Bohne "Blauhilde" mitgebracht hat. Doch nicht nur die seltenen Sorten fühlen sich in Offenbau wohl, auch die orangefarbene Physalis, die ursprünglich aus den peruanischen Anden stammt, kann probiert werden. "Die sind sogar größer als die, die man normalerweise im Supermarkt bekommt, und sie schmecken auch besser", zeigt sich eine Kundin überrascht. Dass in der Region Angebautes gut gedeiht, kann Landrat Herbert Eckstein bestätigen. Mit der Ernte seiner gelben Rüben sei er heuer zufrieden, sagt er und auch seine Kartoffeln seien schön geworden. Das sei aber kein Wunder, "die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln", scherzt er. Der Landkreis sei im Bio-Bereich seiner Zeit voraus, die Entwicklung habe es schon gegeben, "da wurde wo anders noch nicht mal darüber geredet". Und die nimmt Fahrt auf, wie die Zahlen, die Miriam Adel vom Regionalmanagement des Landratsamts zusammengefasst hat, beweisen. 2008 gab es 25 Bio-Betriebe im Landkreis, die Zahl stieg bis 2014 auf 35.

Bereits seit 1998 haben die Gerstners aus Eysölden umgestellt. Als Archehof kümmern sie sich um seltene Schafrassen wie etwa das deutsche Karakul. "Alte Rassen kann man nur erhalten, wenn man sie vermarktet", sagt Anita Gerstner, und das funktioniere recht gut. Die Umstellung sei "am Anfang belächelt worden, aber dann haben die Leute gemerkt, dass wir dahinterstehen."

Mit der Bio-Woche sollen aber nicht nur die Verbraucher und Erzeuger zusammengebracht werden, sondern auch die verarbeitenden Betriebe begeistert werden, erklärt Judith Hock-Klemm von der Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land und Roth. Ein Beispiel sind die Chips, die aus den Süßkartoffeln von Klaus Sinke "zu Modellzwecken" gemacht wurden. Vielleicht findet sich dafür mal ein Produzent. Auch das wäre Teil einer langen Entwicklung. "Steter Tropfen höhlt den Stein", ist Eckstein überzeugt, alle gemeinsam sollten die regionalen Betriebe unterstützen. Dies betonte auch der stellvertretende Bürgermeister Oswald Brigl, der Mensch müsse wieder näher zur Natur und ihren Abläufen finden. "Bio und bitte aus der Region", betonte auch Ingrid Bär, Leiterin der Landwirtschaftsschule Roth.

Denn dass auch die Wege kurz gehalten werden sollten, zeigt sich bei Stefan Regensburger, der zum Abschluss der Klimawoche des Landkreises vertreten ist. Unterschiedlich lange Hundeleinen zum Ausziehen veranschaulichten es: Maximal 60 Kilometer werden Zwetschgen im Landkreis transportiert, kommen sie aus Südafrika, sind es dagegen 9250 Kilometer.