Der Paradiesvogel und das Kreuz des Südens: Beate Krauß, Pfarrerin in Alfershausen und Heideck, zeigt die Flagge von Papua-Neuguinea.
Der Paradiesvogel und das Kreuz des Südens: Beate Krauß, Pfarrerin in Alfershausen und Heideck, zeigt die Flagge von Papua-Neuguinea. Seit 1992 unterhält das Dekanat Weißenburg mit dem dortigen Distrikt Boana eine Partnerschaft. Die Zahl der Christen ist in etwa vergleichbar, allerdings bewohnen die Papuas ein vier Mal so großes Gebiet.
Steimle
Alfershausen

Trommeln, Speere und Kisten, in denen Flaggen, Stoffe, DVDs und Kalender aus Papua-Neuguinea liegen, stehen bei Beate Krauß, im Büro. "Dafür muss ich noch einen Platz finden", sagt die Pfarrerin in Alfershausen und Heideck. Seit Kurzem hat die 49-Jährige das Amt der Dekanatsmissionspfarrerin übernommen. Ihr Vorgänger Michael Jacobsen hatte sie im Missionsarbeitskreis gefragt, ob sie sich diese Aufgabe vorstellen könne. Nun stehen die Kartons, die Jacobsen ihr überlassen hat, neben ihrer eigenen Kiste, in der Erinnerungen an ihre Reise in den Partnerdistrikt Boana im Jahr 2008 liegen.

"Das war total intensiv", erinnert sich die Pfarrerin. Mit einem Geländewagen ging es hinein ins Abenteuer zu den entlegenen Dörfern im Busch. Über Geröll und Felsen, durch den Fluss - "wir sind über Pfade gefahren, die bei uns nicht als Feldweg durchgehen würden." Dann sollte es mit einem kleinen Flugzeug weitergehen, doch es kam nicht, "das Wetter war zu schlecht." Krauß und ihre vier Mitstreiter mussten sich zu Fuß durch den Dschungel kämpfen, der dortige Patronatsbeauftragte und Leute aus den Dörfern begleiteten sie. Endlich am Zielort angekommen, brachte ihnen diese anstrengende Tour -"es ist sehr bergig und es war ja auch nicht geplant" - die Anerkennung der Dorfbewohner ein. "'Ihr seid in unseren Schuhen gelaufen' haben sie gesagt", erinnert sich Krauß.

"Gerade junge Leute können Erfahrungen weitertragen und erzählen."

Beate Krauß

 

Kein schlechter Einstand, um das Leben der Menschen zu verstehen, denn in ihrer neuen Funktion wird die Pfarrerin Jugendliche auf ihre Reise nach Papua-Neuguinea vorbereiten, die letzte Gruppe besuchte das Land 2014. "Nur Begegnungen können die Partnerschaft am Leben halten, gerade junge Leute können ihre Erfahrungen weitertragen und erzählen", ist sie überzeugt. "Es ist aber ganz schön schwer, Jugendliche dafür zu gewinnen", sagt Krauß, schließlich verbringen die Mitfahrer einen ganzen Monat am anderen Ende der Welt und bereits ein Jahr vorher werde mit den Reisevorbereitungen begonnen. Das habe nicht nur mit den Zuschussgebern zu tun, die schon so früh die Namen der Gruppenmitglieder wissen möchten, sondern auch damit, dass es sich dabei nicht um eine Urlaubsreise handle. "An vier Wochenenden lernen die Jugendlichen Pidgin-Englisch", die gebräuchlichste der 800 Sprachen des Inselstaats. Zudem sollen die Teilnehmer zu einem Team zusammenwachsen. Außerdem wird von Pfarrerin Krauß und ihren Partnern in Boana ein Projekt geplant. Dafür gibt es schon die ersten Ideen: "Wir überlegen, ob unsere Jugendlichen mit den jungen Niuginis etwas zu den Flüchtlingen in Westpapua machen und auch von einem Musikprojekt war schon die Rede", sagt Krauß. Bis zur Reise, die "frühestens 2019" stattfinden wird, werden also noch viele E-Mails mit den Freunden in Boana ausgetauscht.

Und selbst dieser Weg der modernen Kommunikation kann lange sein. "In den Dörfern gibt es nur abschnittsweise Strom", erklärt die Pfarrerin, außerdem müssten sich auch die Mitglieder im befreundeten Dekanat erst abstimmen. Um die weiteren Planungen - Visa und Flüge beispielsweise - kümmert sich das Centrum Mission EineWelt in Neuendettelsau.

Um Jugendliche für die Reise zu gewinnen, möchte Krauß gemeinsam mit dem Dekanatsjugendreferenten Frank Schleicher nun ein Treffen veranstalten. "Wir wollen uns thematisch möglichst breit aufstellen, die Interessierten sollen die Möglichkeit haben, junge Leute aus Papua-Neuguinea zu treffen", es soll gemeinsam gekocht und die ersten Brocken des Pidgin-Englisch gelernt werden.

Beschäftigt sind derweil auch die Kollegen im Boana-Distrikt. Sie richten 2020 eine große Konferenz aus, Delegierte werden aus allen Teilen des Landes erwartet. "Das bedeutet nicht nur, dass die Gäste untergebracht werden müssen, sondern auch, dass die Dorfbewohner zum Beispiel eine Versammlungshalle bauen", sagt Krauß. Das sei auch schon 2014, als die erste Jugendgruppe zu Besuch war, der Fall gewesen. "Sie zimmern dann aus Bambusstangen ein großes Zelt und breiten eine Folie darüber aus." Denn im Dschungel regnet es schon mal, davon lassen sich die Leute dort aber die gute Laune nicht verderben.

Schlimmer ist es eher, wenn es nicht regnet, wie etwa im vergangenen Jahr, als das Phänomen "El Niño" ("das Kind") mit seinen Niederschlagsmengen ausblieb. "Es folgte eine Dürre, was zu schlechten Ernten führte. Für Menschen, die von der Hand in den Mund leben, ist das sehr schlimm."

Das Dekanat Weißenburg, das mit dem Boana-Disktrikt seit 1992 eine Partnerschaft unterhält, hilft vor allem auch im medizinischen Bereich. So wird der Schulbesuch in Bereichen wie Gesundheitsvorsorge, aber auch Landwirtschaftstechnik unterstützt. Die jungen Leute kehren dann zurück und helfen vor Ort mit ihrem Wissen. "Papua-Neuguinea hat eine hohe Säuglingssterblichkeit, darum wird den, in diesem Fall meist jungen Frauen, beispielsweise beigebracht, worauf sie bei einer Schwangerschaft achten müssen." Erkennen sie Komplikationen, können die werdenden Mütter rechtzeitig losgeschickt werden, um eine Gesundheitsstation oder ein Krankenhaus zu erreichen.

Man habe in Deutschland zwar "den größeren Geldbeutel", es handle sich aber um eine "Partnerschaft auf Augenhöhe", betont Krauß. Deshalb sei "Mission" als Begriff eigentlich veraltet. Heute bezeichnet sich die große Mehrheit der Menschen in Papua-Neuguinea als Christen. Und die möchten "nicht nur als Hilfsempfänger dastehen", sagt die Pfarrerin. Bei einem Gegenbesuch 2010 in Deutschland hätten die Papuas etwa festgestellt, dass man in Europa schnell durch das soziale Netz fallen könne - undenkbar in der dörflichen Gemeinschaft.

Diese lebt den Glauben gemeinsam und sehr offen. Am Sonntag ist die Kirche voll. Das sei nicht verwunderlich, sagt Krauß, der Gottesdienst stelle den gesellschaftlichen Höhepunkt der Woche dar. Pfarrerinnen sind dagegen ein eher ungewohnter Anblick - noch immer sei Papua-Neuguinea stark patriarchalisch geprägt. "Sie haben es zur Kenntnis genommen", sagt Krauß, und das schon im Dekanat Weißenburg wie auch in Boana. Im Konficamp hätten die Gäste 2010 erlebt, dass Frauen eine tragende Rolle spielen. "2008 habe ich bei der Distriktkonferenz sogar gepredigt und das Abendmahl verteilt." Protest gab es keinen: "Sie haben es zugelassen."

Das Treffen für Jugendliche, die sich für eine Reise nach Papua-Neuguinea interessieren, findet am Dienstag, 14. November, um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Ettenstatt statt.