Setzen sich gemeinsam für gentechnikfreien Soja ein: Martin Burmann, Richard Radle, Andrea Dornisch, Elfriede Götz (hinten), Bob Davis und Harald Leiser (von links).
Setzen sich gemeinsam für gentechnikfreien Soja ein: Martin Burmann, Richard Radle, Andrea Dornisch, Elfriede Götz (hinten), Bob Davis und Harald Leiser (von links) .
Meyer
Hilpoltstein
Mit einem flehentlichen Hilferuf hat sich nun der brasilianische Agrarexperte Professor Antonio Andrioli an das Bündnis Zivilcourage im Landkreis Roth gewandt: "Sagt euren Landsleuten, sie sollen keine Produkte mehr kaufen, die mit gentechnisch verändertem Soja hergestellt wurden."

 

"Zeigen wir dem Billigschnitzel die Rote Karte und kaufen stattdessen original, regional und ohne Gentechnik."

Appell des Bündnis Zivilcourage

 

Für den Anbau der eiweißreichen Sojabohnen, die auch an deutsche Schweine und Rinder verfüttert werden, werde nun sogar die indigene Bevölkerung im Süden Brasiliens von ihrem Land vertrieben, schrieb Professor Antonio Andrioli, der schon im Landkreis Roth Vorträge gehalten hat, an Andrea Dornisch, Sprecherin des Bündnis Zivilcourage.

Am 12. Dezember 2017 seien zwei ländliche Gemeinden in den Regionen St. Catharina und Parana dem Erdboden gleichgemacht worden, berichtet Andrioli in seinem Brief. In einem kleinen Video im Internet ist sogar der Einsatz von berittener Polizei zu sehen, die die Bauern aus ihren Häusern treibt und diese anschließend von Baggern zerstören lässt. "Sie machten auch vor der Schule, der Gemeindebäckerei und der Kirche nicht Halt", schreibt Andrioli. Mit dieser Aktion soll der Boden bereitet werden für den weiteren Anbau von Gensoja.

"Eine klare Menschenrechtsverletzung", empört sich Andrea Dornisch. Was ihr neben dem Landraub zusätzlich Sorge bereitet, ist der massenhafte Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Brasilien: Bis zu sieben Liter pro Hektar, sieben Mal so viel wie von Wissenschaftlern empfohlen, wie Andrioli berichtet. Rückstände landen in Futtermitteln und Tierzucht und damit auch in unserer Nahrung in Deutschland. 35 Millionen Tonnen Soja würden jährlich in die EU importiert, ergänzt die Landwirtin Elfriede Götz, die selbst mit gutem Beispiel vorangeht und ihren Milchbauernhof in Kammerstein zur gentechnikfreien Zone erklärt hat.

Andrea Dornisch ist davon überzeugt, dass Glyphosat nicht nur Unkraut vernichtet, sondern bei Tier und Mensch Krebs, Missbildungen und andere Krankheiten hervorruft. "Profiteure sind die Großgrundbesitzer und Konzerne, die kleinen Bauern werden vernichtet", fügt Harald Leiser von Zivilcourage hinzu.

"Wir können zwar nicht die Welt verändern", weiß Andrea Dornisch, "aber wir können Politik mit dem Einkaufskorb machen." Das bedeute ganz konkret, bei Fleisch, Milch und Käse ganz bewusst zu Bioqualität oder gentechnikfreien Produkten zu greifen, um dem massenhaften Import von Gensoja den Hahn zuzudrehen. "Der Verbraucher hat die Macht."

Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hatte Dornisch für ein Pressegespräch eine Reihe von Ansprechpartnern an den Tisch geholt, darunter Richard Radle vom Bund Naturschutz. "Die Konsequenz aus diesen Vorfällen in Brasilien ist, dass wir unseren Leuten hier sagen: Kauft hochwertig, regional und gentechnikfrei", sagt dieser. Zu erkennen seien die gentechnikfreien Lebensmittel an den entsprechenden Siegeln. Wer beim Metzger seines Vertrauens einkaufe, solle aber auch nachfragen, welches Futter er verwende, empfiehlt Radle.

Einer, der Waren ganz im Sinne von Zivilcourage anbietet, ist der Pfaffenhofener Fleischermeister und Direktvermarkter Martin Burmann. "Aus Überzeugung", wie er betont. Seine 80 Schweine füttert er mit gedämpften Kartoffeln aus eigenem Anbau sowie gentechnisch freiem Sojaschrot - auch wenn es teurer kommt. Zwar führt er keinen Biobetrieb - "dafür sind die Auflagen zu hoch und unsere Böden zu schlecht" -, aber Burmann will möglichst naturnah füttern und seinen Kunden hohe Qualität bieten. Dazu gehört auch, dass er in seinem Hofladen die Eier von den freilaufenden Hühnern auf dem Nachbargrundstück verkauft.

Das Bündnis Zivilcourage und der Bund Naturschutz richten nun einen eindringlichen Appell an alle Verbraucher: "Stoppen wir die Menschenrechtsverletzungen in Südamerika und der Dritten Welt. Zeigen wir dem Billigschnitzel die Rote Karte und kaufen stattdessen original, regional und ohne Gentechnik."