Röckenhofen: Drei Hunde der Rasse Mastín Español haben Irmgard und Robert Eberler vor acht Wochen aus Nordspanien geholt. Sie sollen die Schafherde vor Wölfen schützen.
Drei Hunde der Rasse Mastín Español haben Irmgard und Robert Eberler vor acht Wochen aus Nordspanien geholt. Sie sollen die Schafherde vor Wölfen schützen. Nach anfänglicher Scheu haben sich die Schafe längst an ihre Bewacher gewöhnt.
Steimle
Röckenhofen

Es ist schon ein imposantes Bild, wenn Tristan und Sama bellend an den Zaun gestürmt kommen und den Fremden nicht aus den Augen lassen. Sobald sie aber bemerkt haben, dass den Schafen keine Gefahr droht, werden sie wieder ruhig und lassen sich unter den Bäumen nieder.

Dort hat die Dritte im Bunde, Hündin Pastroa, ebenfalls alles im Blick. Das sei so beabsichtigt, erklärt Schäfer Robert Eberler aus Holzi, der die Hunde vor acht Wochen aus Spanien auf seinen Betrieb geholt hat. „Während zwei Hunde auskundschaften, wer sich nähert, bleibt der andere bei der Herde, um diese zu bewachen.“

„In Deutschland werden sie als Kampfhunde eingeordnet, aber nur, weil sie für Hundekämpfe missbraucht wurden.“

Robert Eberler

So hat jeder der drei großen und schweren Tiere der Rasse Mastín Español seine ihm zugewiesene Aufgabe. Diese besteht vor allem darin, den Wolf abzuwehren. „Vor einigen Jahren hätten wir darüber noch gelacht“, sagt der Vollerwerbsschäfer, doch der Ureinwohner ist zurück. „Vor Kurzem wurde eine Wölfin mit drei Jungen im Bayerischen Wald gesichtet.“ Die Eberlers wollten nicht warten, bis etwas passiert und begannen, zu recherchieren. In Nordspanien wurden sie fündig – dort wird die Rasse gezüchtet, die den Eberlers ideal erschien. In der Gegend der Stadt León gibt es 1,3 Millionen Schafe und 2000 Wölfe – an beides sind die Hunde gewöhnt.

Auch Menschen sind Pastora, Tristan und Sama nicht fremd, schließlich durchqueren viele Wanderer ihre Heimat. Trotzdem gab es schon Probleme, wie Irmgard und Robert Eberler erzählen. „Es hat geheißen, die Hunde seien Menschenfresser“, sagt der Schäfer und seine Frau berichtet, dass manche Spaziergänger absichtlich mit ihren Hunden nahe an den Zaun gehen, um zu sehen, wie die drei Mastiffs reagieren. „In Deutschland werden sie als Kampfhunde eingeordnet, aber nur, weil sie für Hundekämpfe missbraucht wurden“, sagt Eberler. Die Stadtverwaltung Hilpoltstein zeigte sich kooperativ und gab die Erlaubnis, die Tiere für den Herdenschutz einzusetzen.

Um den Bedenken der Spaziergänger und Radfahrer zu begegnen, und zu erklären, wie man sich den Hunden am besten nähert, haben die Eberlers eine Infoveranstaltung in der Gemeinschaftshalle in Röckenhofen mit Unterstützung der Feuerwehr organisiert, an der Bürger, aber auch andere Schäfer

am Sonntag teilnahmen.

Zahlen und Fakten zur aktuellen Wolfsituation hatte Walter Joswig vom Bayerischen Umweltamt im Gepäck: In Sachsen, wo der Wolf schon heimischer sei als hier, reiße das Raubtier in 98 Prozent der Fälle Wildtiere, dennoch verstehe er die Ängste der Nutztierhalter. Von staatlicher Seite her erhielten die Schäfer noch zu wenig Unterstützung, betonte er.

Anschließend entfaltete sich um den Wolf noch eine ausführliche Diskussion: Johann Glossner aus Berching sagte, er wolle keinen Abschuss des Wolfes, „wenn sie aber aufdringlich werden, müssen sie verbrämt werden, damit sie weiterhin scheu bleiben“. Er halte Tiere im Bereich des Main-Donau-Kanals, eine Umzäunung, aber auch Hunde kämen hier nicht in Frage. „Die kleinen Schafhalter werden aufgeben“, war sich Glossner sicher.

Um Schafe vor dem Wolf zu schützen, brauche es „einen aufmerksamen Schäfer, einen Elektrozaun und – als „Premiumlösung“ – ein Team aus guten Herdenschutzhunden“, sagte René Gommringer vom Landesverband der Bayerischen Schafhalter. In seinem Vortrag ging er auf die Reise und den Kauf der Hunde in Spanien ein und erklärte deren Ausbildung. Sicher seien aber Herdenschutzhunde – jährlich fallen Kosten von zweieinhalbtausend Euro an – keine Lösung für Hobbyschäfer. Des Weiteren erklärte er, wie man sich den drei Hunden gegenüber am besten verhält: „Abtesten ist ihr Job, deshalb sollte man keine Angst bekommen, wenn sie angerannt kommen.“ Man solle ruhig weitergehen, Radfahrer sollten absteigen, da hohe Geschwindigkeiten den Tieren nicht behagen. Wer einen eigenen Hund dabeihabe, solle diesen an die Leine nehmen. Diese Hinweise stehen auch auf einem Schild, dass die Schäfer neben der Weide angebracht haben.

Robert Eberler und seine Familie nehmen „eine Vorreiterrolle ein“, sagte stellvertretender Bürgermeister Oswald Brigl, auch die Stadt wolle alles tun, um die Schäfer, die etwa 55 Hektar in Greding beweiden, zu unterstützen. „Wir brauchen die Wanderschäfer, denn sie erhalten hier im Jura unsere Kulturlandschaft.“ Er sei viel mit dem Fahrrad unterwegs, sagte Brigl, „und ich werde absteigen, denn den Wettlauf mit einem Ihrer Hunde will ich nicht aufnehmen.“ Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sei vor allem an einem „konstruktiven Miteinander“ interessiert, sagte Andreas von Lindeiner, fundamentale Positionen führten nicht weiter. „Es gibt bisher noch keine systematische Unterstützung und Beratung von Seiten des Staates“, die Eberlers suchten daher selbst nach Lösungen, um ein friedliches Zusammenleben von Wolf und Nutztieren zu gestalten. Der LBV wolle die Schäfer unterstützen, sagte von Lindeiner, darum habe man die Patenfamilie Ellwart aus dem Landkreis Mühldorf am Inn gefunden, diese wollen mit 2500 Euro einen der Hunde für ein Jahr finanzieren. Nachdem nun so viel über die Tiere gesprochen worden sei, wolle er sie Interessierten auch zeigen, sagte Robert Eberler und bot eine Fahrt zu seiner Herde an. Dort bellen Tristan, Sama und Pastora erst einmal – um gleich darauf festzustellen, dass die Neugierigen im Guten gekommen sind.