Eichstätt: "Wegen Hexerey" stößt eine Debatte an
Die Ausstellung zur Hexenverfolgung in Eichstätt hat eine Debatte neu entfacht, unter anderem darüber, ob es eine Ursula-Bonschab-Gasse geben soll. Auch Stadtrat Willi Reinbold und Heimatforscher Rudolf Hager (rechts) diskutierten in der Ausstellung darüber. - Foto: Chloupek
Eichstätt

Knapp 3000 Besucher haben seit dem 25. August die Ausstellung in der ehemaligen Johanniskirche gesehen, mit der sich Kastner und Lieckfeld vom "Institut für Kunst und Forschung" unter anderem für eine vollständige und namentliche Rehabilitation und ein markantes Denkmal für die Opfer der Hexenverfolgungen im Hochstift Eichstätt während des 16. bis 18. Jahrhunderts eingesetzt haben. Im Rahmen der Ausstellung haben sie über 620 Unterschriften gesammelt, die das Anliegen unterstützen und die nächste Woche an Oberbürgermeister Andreas Steppberger übergeben werden sollen. Kastner und Lieckfeld haben sich am Donnerstagabend mit offenen Briefen an den OB und an Bischof Gregor Maria Hanke gewandt und ihre Forderungen wiederholt.

Im Schreiben an Bischof Hanke heißt es unter anderem: Da sich die Forderung nach materieller Rehabilitation wohl kaum mehr rechtswirksam adressieren lasse, werde vorgeschlagen, "dass sich die Eichstätter Geistlichkeit . . . dafür einsetzt, dass in geeigneten kirchlichen Räumen ein Rehabilitationszentrum für Folteropfer unserer Tage eingerichtet wird". Die offizielle Äußerung des Bistums, die die Hexenverfolgung als "Fehler gemacht" benannte (wir berichteten), sei zu "wenig".

Das Schreiben sei in der Diözese eingegangen, bestätigte am Freitag Bistumssprecher Bernhard Löhlein auf Anfrage. Bischof Hanke werde nach seiner Rückkehr aus Fatima auf einen bereits zuvor persönlich an ihn gerichtetes Schreiben antworten. Der aktuelle offene Brief liege ihm noch nicht vor. "Der Bischof weiß aber um diese dunkle Seite in der Geschichte der Diözese, die einer Aufklärung bedarf", deshalb sei nächstes Jahr auch ein Symposium geplant, so der Bistumssprecher weiter.

Im Schreiben an Oberbürgermeister Andreas Steppberger greifen Kastner und Lieckfeld einen Vorschlag auf, der sich in Gesprächen mit Ausstellungsbesuchern entwickelt hat: Die Stadt soll einen "Weg des Erinnerns" gestalten, der vom Rathaus, in dessen Kellerverlies die Opfer gemartert und verurteilt wurden, hinauf zum Galgenberg führt. Am Rathaus solle eine Plakette angebracht werden, die daran erinnert, dass "hier der Horror für über 400 unschuldige Menschen begann". Auf dem Weg zum ehemaligen Richtplatz könne es dann eine Abfolge von Gedenktafeln geben, in denen die Opfer namentlich gewürdigt werden. "Das wäre weder teuer noch technisch schwierig", schreiben sie. Oberbürgermeister Andreas Steppberger zeigte sich auf Anfrage grundsätzlich aufgeschlossen für das Thema, wenn auch nicht für jedes Detail der Vorschläge, die Kastner und Lieckfeld bisher geäußert haben. "Selbstverständlich werde ich die Unterschriften entgegennehmen", versprach der OB. Der Forderung nach einer Rechtsnachfolge oder einer Entschuldigung steht Steppberger zwar sehr skeptisch gegenüber, eine würdige Form des Mahnens und Gedenkens könne er sich aber sehr gut vorstellen. Wobei er den Blick da nicht nur in die Vergangenheit gerichtet haben will und einen Gedanken aus Berichterstattung und Kommentar zur Ausstellungseröffnung weiterverfolgt sehen möchte: "Es geht auch um eine Übertragung in die heutige Zeit." Folter und ungerechte Staatsgewalt gebe es auch heute noch auf der Welt. "Ein Mahnmal oder Denkmal, das diese Brücke schlägt, würde der Sache über das bloße Gedenken hinaus sicher gerecht." Das Thema werde im Stadtrat auf die Tagesordnung kommen.