Eichstätt: Zwischen den Büchern liegt die Freiheit
Die Geschichtsabteilung ist Maria Löffler vertraut, sie hat das Fach in Eichstätt studiert. Privat liest die Leiterin der Universitätsbibliothek gerne die Werke von Lew Tolstoi, da ihr gefällt, wie der Schriftsteller die sozialgeschichtlichen Hintergründe seiner Zeit darstellt. - Foto: Steimle
Eichstätt

An ein Rechercheergebnis erinnert sich Maria Löffler noch ganz genau. In der Schule hätten sie sich mit Indien beschäftigt, und sie sei in der Bibliothek auf die Westindischen Inseln gestoßen. "Es hat kurz gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich da falsch gelandet bin", sagt die Leiterin amüsiert, "aber dieses Sich-Informieren-Können, das finde ich toll, das hat mir schon immer riesigen Spaß gemacht."

Kein Wunder, dass sie während ihres Geschichtsstudiums die Freiheit der damaligen Studienordnung nutzte. "Man hatte den Luxus, Veranstaltungen aller Fachrichtungen zu besuchen, was ich dann auch hemmungslos gemacht habe." Für Eichstätt hatte sich die aus Hannover stammende Bibliothekarin entschieden, weil an vielen anderen Universitäten die Studiengänge überlaufen waren, weshalb man ihr riet, "es doch mal an der kleinsten Uni zu versuchen". Als sie in Eichstätt ankam, war ihr erster Gedanke, "hier hältst du es bestenfalls ein halbes Jahr aus", doch dann habe ihr die Atmosphäre gefallen, außerdem habe sie entdeckt, "dass die KU als kleine Universität sehr viele Möglichkeiten bietet".

Das hat sich für Maria Löffler bis heute nicht geändert. In einem kleinen Haus wie diesem könne man mitgestalten, selbst entscheiden. Besonders augenfällig sei das gewesen, als die elektronische Datenverarbeitung den gesamten Bibliotheksbereich auf den Kopf stellte. Löffler, die an der Humboldt-Universität in Berlin ihre Bibliotheksausbildung abschloss und gleichzeitig schon an der Bibliothek in Eichstätt arbeitete, begleitete diese Entwicklungen mit. Als sie Mitte der 90er-Jahre die Leitung der Teilbibliothek Aula übernahm, mussten Serviceleistungen wie etwa die Fernleihe digitalisiert oder die Homepage aufgebaut werden. Dazu gesellte sich die Nutzung der E-Medien.

Als einer ihrer Vorgänger in den Ruhestand gegangen sei, "konnte er sich vor das Regal stellen und sehen, welche Zeitschriften er erworben hatte. Wenn ich einmal gehe, hinterlasse ich einen Berg von Lizenzkäufen, den dann hoffentlich noch jemand durchblickt, wir waren hoffentlich gut genug organisiert." Maria Löffler stapelt gern tief, betont immer wieder die Verlässlichkeit ihrer Mitarbeiter, das gute Zusammenspiel im Haus. Gemeinsam werde überlegt, welche Strukturen für die Archivierung benötigt werden, "eine Riesenfrage", die sich ihr stellt. Während ein Buch in 500 Jahren immer noch zur Hand sei, wisse man etwa beim Pdf-Format heute noch nicht, "ob wir es in 50 Jahren noch haben werden." Neben der Kommunikation mit der Hochschulleitung und dem Rechenzentrum gehört es zu ihren Hauptaufgaben, Entwicklungen auf dem Informationsmarkt zu beobachten.

Eine Tätigkeit aus ihrer Anfangszeit als Fachreferentin übernimmt Maria Löffler immer noch gerne: die Auswahl wissenschaftlicher Literatur. "Man nimmt damit ein bisschen als Beobachter an Forschung teil." Dabei seien gedruckte Werke bei den Studenten weiterhin gefragt.

Der Zugang zu wissenschaftlicher Information sei - Internetplattformen wie "Open-Access" (offener Zugang) zum Trotz - nicht leichter geworden, drei bis vier große Verlage beherrschen den Markt. "Das ist vielleicht der Eindruck, wirklich zugreifen kann man auf vieles nur, wenn wir die Lizenz erwerben."

Die Freiheit, die Maria Löffler schon als Schülerin in der Bibliothek gesucht hat, ist also weiterhin in der Bibliothek zu finden.