Eichstätt: "Kein Stress"
Foto: Katrin Poese
Eichstätt

Emily hat sich schon einen Platz in der ersten Reihe gesichert: Sie kommt in die 1a der städtischen Volksschule Am Graben und weiß auch schon, dass ihre Lehrerin Katja Weber heißt. Klar, ab jetzt ist sie ein Schulkind. Sie strahlt - und wenn noch ein Beweis dafür nötig gewesen wäre, dann würde man ihn in der Zahnlücke finden: Pünktlich zum Schulbeginn hat sie einen Milchzahn verloren. Jetzt müsste nur noch ihre Freundin Fanny kommen, für die sie eifrig den Platz rechts neben sich reserviert - Fanny kommt rechtzeitig vor dem Schulbeginn um 8.30 Uhr - was für ein Glück! Und es ist sogar noch Zeit für eine ausführliche gegenseitige Begutachtung der Schultüten. Das Klassenzimmer füllt sich mit Kindern, Eltern, Großeltern und Paten - der Schulbeginn ist heutzutage eine große Sache, die von der ganzen Familie mitgefeiert wird. Dabei ist die Familie an der Schule Am Graben nur eine knappe Viertelstunde mit dabei. Lehrerin Katja Weber begegnet dem aufgeregten Gewusel mit Gelassenheit - es ist bereits das fünfte Mal, dass sie eine erste Klasse hat. "Kein Stress", sagt sie den Eltern immer wieder, während sie ihnen kurz technische Informationen zu Abholzeiten, zum Stundenplan und zur Nachmittagsbetreuung mitgibt. Schulleiter Florian Rieß schaut kurz vorbei und begrüßt jedes Kind eigens mit Handschlag und mit einem "Herzlich willkommen bei uns". "Kein Stress", sagt Katja Weber noch einmal im Zuge ihrer Ausführungen, und dann werden die Familienangehörigen zügig wieder ins Elterncafé im Schulfoyer hinauskomplimentiert, damit sie "ihre" Kinder dann für die erste Schulstunde ganz für sich alleine hat. 52 Kinder werden Am Graben in zwei ersten Klassen unterrichtet. Und die 26 Kinder der 1a werden sich in den nächsten Tagen gleich zweisprachig begrüßen: "My name is. . . " steht auf ihren Namensschildern - denn sie bekommen bilingualen Unterricht.

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Um kurz nach 9 Uhr ist es dann auch in der Grundschule St. Walburg soweit: Nachdem Schulleiterin Bettina Sterner die 47 Neuen in der Aula begrüßt hat, sitzen die Schüler der Klasse 1a nun gespannt auf ihren Plätzen. Wie viele sind es? Klassenleiterin Andrea König lässt Simon zählen. Er läuft zwischen den Bänken hindurch und deutet auf jeden einzelnen: 23! Nein, 24, denn sich selbst muss der Bub ja auch mitrechnen. Das mit den Zahlen kommt erst später wieder dran. Heute lernen die neuen Erstklässler andere Dinge: Zettel kommen in die Hausi-Mappe. Wenn sich alle vorne im Sitzkreis auf dem runden Teppich treffen, heißt es die Ohren aufsperren und zuhören. Und zwei Lieder sind schon dran: Das von den fünf Fischen im Meer, und das von der Lokomotive, die morgens um 7 Uhr losfährt.

Dann endlich darf jeder, der mag, in seine Schultüte luren. "Die Spannung ist so groß", sagt die Klassenlehrerin. Jeder stellt sein Modell vor: Bei den Mädchen stehen eindeutig Einhörner hoch im Kurs, aber auch Pferde und eine Prinzessin. Die Jungs setzen auf Autos, Ritter, Dinosaurier oder Planeten. In den Tüten verstecken sich Stifte, Gummibärchen, Spiele, ein Regenschirm in Bananenform oder ein Einhorn-Kuscheltier.

Hausaufgaben gibt es auch schon: Attila, Tim, Benjamin, Esra, Julia, Amelie und alle anderen sollen ihre Namensschilder schön ausmalen. Wann man die Hausis vorzeigen muss, das werden die Schüler dann an ihrem zweiten Tag lernen.