Eichstätt: Schräge Vögel
Schrille Farben, die vom Willen zur Tarnung sehr, sehr weit entfernt sind und scheinbar allen Regeln der Evolution Hohn sprechen, zeichnen die Männchen der Paradiesvogelarten aus. Mit den Federn schmückten sich nicht nur die Krieger in Neu-Guinea (unten links), auch feine europäische Damen legten sich ganze Tiere ausgestopft auf den Hut (unten rechts). - Fotos: Tim Laman (2)/Museum Mensch und Natur
Eichstätt

Die Präsentation, die in den Sonderausstellungsräumen gezeigt wird, stammt vom Museum Mensch und Natur in München.

Erst vor rund 500 Jahren erfuhr man in Europa von der Existenz dieser Tiere, als Seefahrer fuß- und flügellose Vogelbälge von ihren Reisen mitbrachten. Über die Buntheit und die fehlenden Extremitäten erstaunt, schienen sie Fabelwesen einer anderen Welt zu sein. Erst im 19. Jahrhundert gelang es, lebende Tiere zu beobachten.

Bis heute sind 42 Paradiesvogelarten bekannt. Die meisten von ihnen leben im dichten Dschungel von Papua-Neuguinea. Diese Urwälder gehören auch heute noch zu den am wenigsten erforschten Gebieten der Erde. Dort leben Ameisenigel, Baumkängurus, Krokodile, tellergroße Schmetterlinge oder bizarr anmutende Gespenstschrecken.

Über Jahrmillionen haben sich die Lebewesen der Insel an ihre ökologische Nische angepasst. Dadurch entstand eine Artenfülle, wie sie von kaum einem anderen Ort der Erde bekannt ist.

In ihren kleinräumigen Biotopen entwickelten die Paradiesvögel sehr unterschiedliche Arten. Besonders fallen die bunt und üppig befiederten Männchen ins Auge. Die Auffälligkeit des Gefieders schien anfangs der Evolutionstheorie zu widersprechen, denn gerade dies erleichtert Beutegreifern das Erbeuten der männlichen Paradiesvögel. Doch für die Paradiesvögel wirkt die sexuelle Selektion stärker als die der Fressfeinde. Mit üppiger Farbe und komplizierten Balztänzen buhlen die Männchen um die gut getarnten Weibchen. Diese wählen unter den Brautwerbern die prächtigsten und stärksten Vertreter aus, steht doch das Balzkleid für die Fitness des Werbers. Und so löste sich der scheinbare Widerspruch zu einer Bestätigung der evolutionären Vorgänge auf.

Mit der Kolonialisierung durch niederländische, englische und deutsche Kaufleute und Diplomaten erreichten auch Gewehre den Urwald von Neu-Guinea. Bis dahin nutzte nur die einheimische Bevölkerung die Tiere zu Modezwecken. Nun stand ein Weltmarkt offen, der dank der neuen Feuerwaffen bedient werden konnte. Schnell breitete sich in Europa die Mode aus, Damenhüte mit bunten Federn und ganzen Vogelbälgen zu verzieren. Dies führte zu einem Raubbau an der Natur. Dank einer der ersten Tierschutz-Kampagnen erstritt der Bund für Vogelschutz bereits 1914 ein umfassendes Verbot der Paradiesvogeljagd. Heute bedroht nicht mehr die Jagd die Bestände, sondern Bergbau und Landwirtschaft verknappen den Lebensraum dieser faszinierenden Vögel. Die Sonderausstellung "Paradiesvögel" im Jura-Museum zeigt vom 17. Februar bis 18. September die Vögel und ihre Biologie sowie ihre Rolle im kulturellen Kontext zwischen Tradition und Mode. Nicht zuletzt soll die Ausstellung sensibel machen für den Erhalt eines der ursprünglichsten, wertvollsten und zerbrechlichsten Ökosysteme unserer Erde.