Eichstätt: "Die KU ist ein Vorreiter"
Im barocken Holzersaal informierte sich die Landtagsfraktion der Freien Wähler über die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. - Foto: Schmidt/Freie Wähler
Eichstätt

"Warum soll ich mir den Mund fusselig reden, wenn ich den Kollegen vor Ort zeigen kann, wie es funktioniert - und das an großen Institutionen wie der Universität", zeigte sich die gastgebende Landtagsabgeordnete und frauenpolitische Sprecherin der Fraktion, Eva Gottstein, nach der Gesprächsrunde zufrieden. Die Fraktion der Freien Wähler habe, was ihren Frauenanteil angeht, durchaus Nachholbedarf, so Gottstein. Sie sei aber trotzdem der Überzeugung, dass es "auch ohne Quote" gehen müsse - Anregungen dazu gab es gestern Vormittag. Nachdem Präsidentin Gabriele Gien die Universität kurz vorgestellt hatte, informierten unter anderem Klaus Stüwe, Direktor des Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG), und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Universität, Kathrin Schlemmer, über ihre Arbeit.

Kathrin Schlemmer, selbst Professorin für Musikwissenschaft an der KU, erklärte: "Mit einem Frauenanteil von etwa 25 Prozent der Professuren stehen wir in Eichstätt bayernweit ganz gut, bundesweit gesehen jedoch immer noch schlecht da." Sie erläuterte, wie vielschichtig die Aufgabe, die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern durchzusetzen, angegangen wird: von der Gremienarbeit über Monitoring bis zu ganz konkreten Weiterbildungsmaßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Michael Piazolo, Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag, merkte hier an, dass oft der Berufseinstieg nach dem Studium für Frauen, die vielleicht zur selben Zeit an Familiengründung denken, "die schwierigste Phase ist, die zu teils prekären und zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen führt, auch in der Wissenschaft". Das Ziel sei natürlich schon, so Kathrin Schlemmer, auch Frauen in langfristige Arbeitsverträge zu bringen. In diesem Zusammenhang nutzte sie die Chance, zu betonen, wie sehr sie es bedauere, "dass bei uns als staatlich anerkannter, aber nichtstaatlicher Hochschule staatliche Förderprogramme zur Gleichstellung nicht greifen."

Ein zweiter Schwerpunkt der Gesprächsrunde war das Thema "Service-Learning - Lernen durch Engagement". Thomas Sporer, Leiter der Stabsabteilung "Bildungsinnovation & Wissenstransfer" an der KU stellte das Konzept "Studieren mit MehrWert" vor. Ein Beispiel dafür ist die Tun.Starthilfe für Flüchtlinge. Die studentische Initiative kennt man in Eichstätt vor allem durch die zweiwöchige Sommerschule, bei der seit 2013 Geflohene Deutsch lernen können. Nach über 600 Teilnehmern im Jahr 2016 waren es im vergangenen Jahr noch rund 200.

Dazu erklärte Journalistikprofessor Klaus-Dieter Altmeppen, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums Flucht und Migration an der KU: "Eichstätt kann man hier als Mikrokosmos dafür sehen, wie sich politische Entscheidungen auf das gesellschaftliche Leben auswirken. Nach der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Maria-Ward-Realschule und der Einrichtung der Abschiebehaftanstalt in Eichstätt wird sich auch die Tun.Starthilfe neu orientieren müssen." Durch die "Ghettoisierung" Geflohener in Einrichtungen wie in Eichstätt oder auch in Manching gebe es nicht weniger, sondern neue Aufgaben zu bewältigen.

Eva Gottstein pflichtete ihm bei: "Ich habe das Transitzentrum Manching vor einiger Zeit besuchen können. Diese Abschottung führt tatsächlich zu neuen Problemen und wir sollten überlegen, wie wir diesen Menschen, auch wenn sie nicht mehr lange in Deutschland sein werden, eine Betreuung und Hilfe bieten können."

Wie die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt sich im Bereich Service-Learning sowie im Bereich Flucht und Migration engagiert, beeindruckte auch MdL Hans Jürgen Fahn: "Die KU ist hier ein Vorreiter mit Leuchtturmprojekten." Er versprach, die Eichstätter Ideen an die Enquetekommission "Integration in Bayern aktiv gestalten und Richtung geben" weiterzugeben und mit der Eichstätter Uni, vor allem mit Thomas Sporer und Dr. Julia Devlin vom Zentrum Flucht und Migration, in Kontakt zu bleiben.

Fraktionsvorsitzender Hubert Aiwanger stimmte nach der Gesprächsrunde zwar Eva Gottstein zu, dass eine psychologische Begleitung der Flüchtlinge auch in Abschiebeeinrichtungen wichtig sei. Er betonte aber, auf mögliche Koalitionsverhandlungen mit der CSU nach der Landtagswahl angesprochen, dass die Freien Wähler vor allem für eine "Beschleunigung von Abschiebeverfahren und eine Reintegration in den Heimatländern" stehen.